Die unendliche Geschichte
- Norbert Ockenga
- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Der Langbahn-Grand Prix von Scheeßel wird zu einem Sturzfestival, das sich über mehr als sechs Stunden in die Länge zieht. Was war da los?
Beim ersten großen Knall erwischt es gleich einen der Favoriten. Und aus dem erwarteten Dreikampf beim Auftakt der Langbahn-WM in Scheeßel wird ein Duell: Andrew Appleton, wie Erik Riss und Dave Meijerink jeweils Auftaktsieger seines Heats, stürzt in seinem zweiten Lauf spektakulär.
Der Engländer wird im direkten Aufeinandertreffen mit Meijerink das erste Opfer des langen Tages von Scheeßel: Er muss nach dem Sturz vom einen Rettungswagen in den anderen verlegt und ins Krankenhaus gebracht werden, wo man Rippenbrücke und den Verdacht auf eine Fraktur in einem Schulterblatt diagnostiziert.
Man konnte sehen, dass bei manchen Fahrern die Arme immer länger wurden. – Jörg Grohmann
Appletons Crash ist der Auftakt zu einer furchteinflößenden Sturzserie. Insgesamt kommen sechs Fahrer auf dem Eichenring zu Fall. Am schlimmsten erwischt es Daniel Spiller. Dessen Maschine fliegt im hohen Bogen über die Bande, er selbst muss lange auf der Bahn behandelt und zwischenzeitlich sogar ein Rettungshubschrauber angefordert werden. Am späten Abend meldet sich seine Mutter Kim zu Wort: Ihr Sohn sei zwar verletzt, aber längst nicht so schlimm, wie man zunächst befürchten hätte müssen. Er müsse über Nacht im Krankenhaus bleiben, erst danach entscheide sich, wie es mit der Behandlung weitergehe.
Die Sturzserie samt den damit verbundenen Pausen ziehen den Grand Prix derart in die Länge, dass man zwischenzeitlich hinter den Kulissen sogar Plan B durchspielt: In Scheeßel darf nur bis 20 Uhr gefahren werden. Die Funktionäre grübeln, ob sie auf das Finale verzichten sollen, weil die Veranstaltung sich zieht. Doch am Ende wird der Endlauf um 19:45 gestartet – nachdem der Grand Prix um 13:30 Uhr begonnen hatte.

Erik Riss ist in der unendlichen Geschichte von Scheeßel unschlagbar. Der Memminger und Dave Meijerink geben zu Beginn das Tempo vor. Im direkten Aufeinandertreffen in Lauf 9 gewinnt Riss, während sich Weltmeister Zach Waijtknecht zwischen ihn und den Niederländer schieben kann – die Vorentscheidung.
Bis zum Finale bleiben beide ungeschlagen, im Endlauf besiegt Riss den Seriensieger der letzten offenen Grasbahnrennen in Deutschland erneut und sichert sich damit den Auftaktsieg in der Langbahn-WM vor Meijerink, Chris Harris und Wajtknecht.
Lukas Fienhage wird Siebter, Timo Wachs 17. und sein Bruder Fabian 21.
Wie aber konnte es geschehen, dass die Veranstaltung derart entgleist? Am Tag vorher fand in Scheeßel wie schon im vergangenen Jahr ein Lauf zur Flattrack-WM statt. Doch der Eichenring sei in bester Verfassung gewesen, beteuert der Güstrower Versicherungsmakler Jörg Grohmann – der in Scheeßel als Partner der Veranstaltung vor Ort war. „Man hat gesehen, dass teilweise Fahrer dabei waren, denen die Arme sichtlich immer länger wurden. Die Bahn war sehr, sehr gut. Sie hatte ein paar Rillen im Innenbereich beider Kurven gehabt. Aber die Fahrer wussten das“, differenziert Grohmann. „Wenn sie geschickt gefahren sind, war das kein Problem. Das waren auch nicht die Gründe für die Stürze. Die sind fast alle außen passiert. Weil die Fahrer entweder zu schnell waren oder ihnen einfach die Kraft ausgegangen ist. Eine 1.000-Meterbahn ist für einen Nichtprofi eine kräftezehrende Angelegenheit. Und im Feld sind nur wenige Fahrer dabei, die als Vollprofi arbeiten – im Prinzip nur Erik Riss und Chris Harris. Das waren die Gründe für die Stürze – und nicht die Bahn. Die war überhaupt nicht schlecht – die war sogar gut zu fahren.“



Kommentare