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Where Eagles Dare

Seit Ende der Woche deuten alle Anzeichen daraufhin, dass ein echter Traditionsklub wieder in die britische Liga zurückkehrt: die Eastbourne Eagles.


Das Arlington Stadium ist gerettet. Nicht gekauft, aber langfristig gepachtet. Spedeworth Motorsports übernimmt den Betrieb der Rennanlage bei Eastbourne und will sie nach den notwendigen Sanierungsarbeiten wieder für Motorsport öffnen.


Damit ist zunächst nur eines garantiert: Rennsport kehrt nach Arlington zurück. Doch für Speedway ist die Nachricht weitaus bedeutender. Denn plötzlich sind die Voraussetzungen wieder vorhanden, unter denen die Eastbourne Eagles zurückkehren können. Und hinter dieser Entwicklung steckt ein Geschäftsmodell, das Spedeworth gerade erst in Northampton demonstriert.


Spedeworth ist ein Veranstalter, der Autorennen auf Ovalkursen ausrichtet, auf denen auch Speedway gefahren werden kann. Genau das hat Spedeworth zuletzt in Eastbourne gemacht, aber auch auf anderen Strecken in England, etwa in Northampton. In Eastbourne haben bis in den August hinein noch Autorennen im Oval stattgefunden.


Eric Dugard erklärt Anfang August, dass die Rennen wegen gravierender Sicherheits- und Infrastrukturprobleme nicht mehr durchgeführt werden können. Besonders problematisch sei ein rund 600 Meter langer Sicherheitszaun rund um das Oval. Dazu kommen weitere bauliche und sicherheitsrelevante Baustellen. Dugard spricht von einer Anlage, die über Jahrzehnte immer wieder erweitert und ausgebessert worden sei. Ingenieure und Behörden hätten nun zahlreiche Punkte bemängelt, die vor einer Wiederaufnahme des Rennbetriebs bearbeitet werden müssten.


Also macht er Arlington zu.


Dabei ist die Familie Dugard alles andere als ein unbeteiligter Eigentümer. Arlington und Speedway gehören seit Jahrzehnten zusammen. Bob Dugard prägt den Standort, sein Sohn Martin wird einer der erfolgreichsten britischen Speedwayfahrer seiner Generation und gewinnt als einer der ganz Wenigen in der Geschichte sogar einen Grand Prix von der Wilcardposition aus; später führen Martin und Connor Dugard die Eagles gemeinsam.


Wuseln auch bald wieder Mechaniker durchs Fahrerlager von Eastbourne? Foto: FIM
Wuseln auch bald wieder Mechaniker durchs Fahrerlager von Eastbourne? Foto: FIM

Doch irgendwann wird aus der emotionalen Bindung eine wirtschaftliche und technische Belastung. Dann kommt Spedeworth. Am 20. August einigen sich die Dugards mit Deane und Janet Wood auf einen Full Lease – einen vollumfänglichen Pachtvertrag. Spedeworth übernimmt damit den Betrieb des Stadions. Die Dugards bleiben Eigentümer. Das Unternehmen übernimmt aber das Risiko und die Aufgabe, die Anlage wieder betriebsfähig zu machen. Spedeworth übernimmt die wirtschaftliche Verantwortung für Arlington.


Die Betreiber machen gleichzeitig klar, dass das Stadion nicht einfach am nächsten Wochenende wieder aufgesperrt wird. Erst müsse eine vollständige Liste der erforderlichen Arbeiten erstellt werden. Danach sollten Firmen angesprochen werden, die bei den notwendigen Arbeiten helfen können. Auch eine von Fans vorgeschlagene Crowdfunding-Aktion werde begrüßt. Erst wenn die Arbeiten erledigt seien, könne wieder gefahren werden.


Die Antwort darauf findet sich nicht in Eastbourne, sondern rund 200 Kilometer weiter nördlich. In Northampton besitzt Spedeworth seit 2022 den Shaleway. Das Unternehmen hat dort seit der Übernahme erheblich investiert: neue Tribüne, Toiletten, Catering, Hospitalitybereiche und eine neue Bar. Aus einem klassischen Ovalrennplatz wird Schritt für Schritt eine moderne Motorsportanlage.


2026 fährt dank Spedeworth in Northampton erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Speedwaymannschaft. Die Northampton Foxes steigen sogar direkt in die Premiership ein, also in die höchste britische Liga. Sie sind zwar bislang sehr erfolglos. Doch die Fortschritte gerade bei der Bahnvorbereitung und auch auf sportlicher Seite haben Experten längst höchsten Respekt abgenötigt.


Deane Wood formuliert seine Philosophie bemerkenswert offen. Er sei „a racing fan at heart“, also im Kern selbst Rennsportfan. Die Schließung zahlreicher Rennstrecken mache die Situation schwierig. Umso mehr freue er sich über positive Nachrichten. Gleichzeitig verweist er auf die erheblichen Investitionen in Northampton und darauf, dass Speedway nun ein völlig neues Publikum an die Anlage bringt.


Das ist der Schlüssel. Spedeworth denkt nicht in der Kategorie: Stock Cars oder Speedway? Spedeworth denkt in der Kategorie: Stock Cars und Speedway. Dazu kommen Drifting und weitere Oval-Formate. Die vorhandene Infrastruktur wird dadurch nicht nur für eine Sportart genutzt, sondern über möglichst viele Veranstaltungen ausgelastet.


Und genau hier wird die neue Situation in Arlington interessant. Spedeworth besitzt beziehungsweise betreibt ein ganzes Netz britischer Rennanlagen. Northampton ist nur eines der Beispiele. Dort hat das Unternehmen bewiesen, dass es bereit ist, erhebliches Geld in eine Anlage zu stecken, die zunächst vor allem für Autorennen genutzt wird – und anschließend Speedway als zusätzliches Produkt aufzunehmen.


In Eastbourne ist die Ausgangslage sogar noch reizvoller. Denn Arlington hat im Vergleich zu Northampton eine viel jüngere, noch in der Erinnerung lebendige Speedwayhistorie, einen etablierten Namen, eine vorhandene Fanbasis und eine Rennsporttradition, die weit über Stock Cars hinausgeht.


Die Eastbourne Eagles haben 2021 aufgehört, nachdem die Saison aus finanziellen Gründen vorzeitig beendet worden ist. Die Resultate wurden aus der Wertung genommen. Seitdem gibt es immer wieder Initiativen, die Mannschaft zurückzubringen.


Nach dem Rückzug aus der Elite League wechselte Eastbourne 2015 in die National League. Martin und Connor Dugard übernahmen die Mannschaft und bauten sie zu einem ausgesprochen erfolgreichen Unterbau auf. Innerhalb von vier Jahren gewann das Team sieben Trophäen und holte 2018 sogar Meisterschaft und K.O.-Cup.


Die Eagles hatten eine Mannschaft mit starker regionaler Bindung, relativ kontrollierten Kosten und einem Publikum, das sich mit den Fahrern identifizieren konnte. Dann folgt der nächste Schritt nach oben. 2019 geht Eastbourne in die Championship. Und damit kommt eine Figur zurück nach Arlington, die den Verein wie kaum ein anderer geprägt hat:

Jon Cook. Cook ist im britischen Speedway eine außergewöhnliche Figur. Er beginnt bei Eastbourne als Fahrer und wird sehr schnell zu dem, was ihm später seinen Ruf einbringt: einem äußerst einflussreichen Promoter. 1993 übernimmt er gemeinsam mit Len Silver Verantwortung bei den Eagles. 2019 übernehmen Martin Dugard und Jon Cook gemeinsam die Pacht von Arlington. Cook soll die Speedwayseite führen, Dugard ist zugleich tief in die Stadionseite eingebunden. Cook kehrt damit nicht nur zu „seinem“ Club zurück – er wird wieder Teil der Eigentümer- und Betreiberstruktur des Stadions.


Dann stirbt Jon Cook im Mai 2021 völlig überraschend.


Cook dachte Speedway nicht nur als Rennen. Er wollte die Verbindung zwischen Club und Publikum stärken. In einem ausführlichen Interview erklärte er beispielsweise seine Idee eines offenen Fahrerlagers, damit Zuschauer vor den Rennen unmittelbar mit den Fahrern in Kontakt kommen. Er sah die Nähe zwischen Mannschaft, Fahrern und lokaler Bevölkerung als einen der entscheidenden Vorteile von Eastbourne.


Das passt erstaunlich gut zu dem, was Northampton jetzt vormacht: Ein Rennstadion funktioniert dann besser, wenn es mehr ist als nur viermal pro Monat eine Speedwaybahn. Die Rolle der Familie darf trotz des Spedeworth-Einstiegs nicht unterschätzt werden. Martin Dugard ist nicht irgendein ehemaliger Fahrer. Er ist Teil der Identität von Arlington und der Eagles. Seine Familie ist eine Dynastie – und als solche über Jahrzehnte mit der Anlage verbunden.


Seit dem 20. August lautet die Kernfrage: Wie bekommt man Speedway zurück nach Arlington, nachdem in Spedeworth ein professioneller Motorsportbetreiber das Stadion übernommen hat?


Northampton macht die Sache besonders interessant. Dort ist Speedway nicht etwa auf einer klassischen Speedwayanlage wiederbelebt worden. Die Foxes fahren auf einem Oval, das aus dem Stockcarsport kommt und von Spedeworth betrieben wird.


Und das funktioniert. Spedeworth investiert. Die Bahn wird angepasst. Ein Promoter wird gefunden. Eine Mannschaft wird gegründet. Und plötzlich steht ein neuer Premiership-Standort im britischen Speedwaykalender. Damit existiert ein aktuelles Modell, das man auf Eastbourne übertragen kann.


Northampton zeigt, dass Spedeworth Speedway in einem eigenen Rennsport-Ökosystem wirtschaftlich und organisatorisch für möglich hält. Die Eagles besitzen eine außergewöhnlich starke historische Marke. Damit entsteht zum ersten Mal seit dem Rückzug der Eagles 2021 wieder eine Konstellation, in der eine Rückkehr nicht nur romantische Fanfantasie sein muss.


Sie kann zu einem Geschäftsmodell werden. Spedeworth hat schon die Weichen dafür gestellt: Hinter den Kulissen ist bereits eine Planstelle geschaffen, die derjenigen eines Speedway-Promoters entspricht – mit dem klaren Anforderungsprofil, die Eagles wieder in die Erste Liga zurückzuführen.

 
 
 

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