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Von der Hochzeit zum Rennen

Erik Riss beschreibt im neuen Blog, wie er an den Auftakt zur Langbahn-WM in Scheeßel am Sonntag herangeht.


Gerade rechtzeitig. In jenen Wochen, in denen die Vorbereitung auf den Langbahn-Grand Prix in Scheeßel auf Hochtouren liefen, habe ich gemerkt, wie es mir spürbar besser ging. Damit stand für mich fest: Der Teilnahme an der WM steht nichts mehr im Wege – und ich werde der Langbahn in diesem Jahr höchste Priorität einräumen.


Nach dem DM-Sieg in Mühldorf habe ich mich zunächst noch ein bisschen schonen müssen, weil die Belastung eines ganzen langen Renntages sich kurz danach bemerkbar gemacht hat. Deswegen habe ich den möglichen ersten Einsatz für Landshut in der Vorrunde der Polnischen Liga abgesagt – und mich nach Rücksprache mit Promoter Peter Schroeck auch für 2026 ganz aus der Britischen Liga abgemeldet.


Dort hatte mein Oxford ohnehin nur noch zwei Rennen zu bestreiten, weil wir es nicht in die Playoffs geschafft haben. Also war es vernünftiger, mir den Reisestress dorthin zu sparen – und stattdessen noch mehr Wert auf die Genesung zu legen.


Ich bin fit für Scheeßel. – Erik Riss

Ich hatte zwischendrin noch wieder in Landshut trainiert. Dabei verfestigte sich mein Eindruck vom Langbahnrennen in Mühldorf: Ich fühle mich derzeit auf einer Sandbahnmaschine wohler als auf einem Speedwaymotorrad. Denn ein Langbahnmotorrad ist wegen der Federung und der ganzen Bauweise, aber auch der Art, wie man fahren muss, einfacher zu bewegen und zu beherrschen als eine straffe Speedwaymaschine im Drift. Und weil ich so lange gar nicht im Sattel gesessen habe, war klar, dass ich erst wieder Fahrpraxis brauchen würde, um in Tritt und vor allem ans Limit zu kommen.


Das habe ich auch bei meiner Rückkehr für Landshut im Halbfinalhinrennen in Gnesen gemerkt. Vielleicht kam gerade bei diesem Rennen auch unterschwellig die Erinnerung dazu, dass Gnesen genau jener Ort ist, an dem ich zwei Mal von der Krankheit eingeholt worden bin. Jedenfalls war ich dort noch weit weg von dem, was ich eigentlich zu leisten imstande bin.


Erik Riss meldet sich rechtzeitig für die WM wieder gesund. Foto: Heike Kleene
Erik Riss meldet sich rechtzeitig für die WM wieder gesund. Foto: Heike Kleene

Das wird am Sonntag in Scheeßel anders aussehen. Ich fühle mich fit, sowohl von den Augen her als auch in Sachen Gesamtkonstitution. Ich merke, dass die letzten Augentropfen, die ich verschrieben bekommen habe, angeschlagen haben.


Nachdem es zwischendurch bei der Genesung in England eine gewisse Stagnation gegeben hatte, habe ich mir noch ein paar zweite und weitere Meinungen eingeholt. Teils klangen die Diagnosen – oder wohl eher Annahmen – ziemlich abenteuerlich, teils auch niederschmetternd. Also habe ich mich bewusst auf jene Therapie konzentriert, mit der ich schon Forschritte gemacht hatte. Und in der Tat haben die letzten Augentropfen offenbar den Durchbruch gebracht.


Einer guten Leistung in Scheeßel steht nun jedenfalls nichts mehr im Wege. Mein Bruder Mark heiratet am Samstag vorher. Also werden wir noch kurz auf der Hcchzeitsfeier vorbeischauen und dann abends ein gutes Stück des Weges hoch nach Norddeutschland fahren. Unterwegs übernachten wir irgendwo, damit wir am Sonntagmorgen den Rest der Strecke runterreißen und pünktlich zur Technischen Abnahme im Fahrerlager sein können.


Man kriegt bei WM-Rennen feste Zeitfenster zugeteilt, innerhalb derer man zur Abnahme erscheinen muss. Meines liegt mitten am Morgen, sodass wir entspannt hochfahren und ausladen können.


Nach dem DM-Gewinn von Mühldorf habe ich natürlich durchaus hohe Hoffnungen. Aber was realistisch ist, kann ich unmöglich einschätzen. Schließlich haben die meisten anderen Spitzenfahrer in letzter Zeit jede Menge offener Rennen gefahren; die stehen also viel konstanter im Stoff und besser in der Praxis als ich nach der langen Zwangspause.


Verstecken brauche ich mich sicher nicht. Aber man muss realistisch genug sein, um zu wissen: In der WM hängen die Trauben höher als bei der DM, viel höher sogar. Dass ich da nach der langen Pause noch mit fehlender Fahrpraxis reingehe, wird am Sonntag sicher eine Rolle spielen.

 
 
 

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