Ehekrach als Inititalzündung
- Norbert Ockenga
- vor 18 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Wie eine Schimpftirade seiner Frau Chris Harris wieder in die Erfolgsspur brachte.
Eine rechtschaffene Gardinenpredigt hat Chris Harris rechtzeitig wieder wachgerüttelt. Kurz vorm Auftakt der Langbahn-WM in Scheeßel am Sonntag hat der 43-jährige Cornishman sich von seiner Gattin Emma-Louise Einiges anhören müssen – und danach im Schottland-Derby der Zweiten Britischen Liga eine starke Formsteigerung untermauert.
Chris „Bomber“ Harris gibt in der vorletzten Ausgabe der englischen Fachzeitschrift „Speedway Star“ zu: „Ich habe meine Einstellung und meine Herangehensweise vielleicht wieder ein bisschen geändert, nachdem meine Frau mir ordentlich den Marsch geblasen hat. Sie hat mir gesagt, ich solle aufhören, wie ein Clown zu fahren.“
Dann sagt er im Magazin einen Satz, der so nur auf Englisch stehenbleiben kann: „She told me to pull the finger out.“ Das zu übersetzen ist schwer, ohne unappetitlich zu werden, denn besagter Finger soll aus einer Körperöffnung recht weit unten und hinten rausgezogen werden, von der man sich fragen muss, wie er jemals dort hineingelangen konnte. Aber es ist derbes, wenn auch gutes Englisch für „sich wieder berappeln und nicht mehr so anzustellen“.
Sie sagte, ich solle aufhören, wie ein Clown zu fahren. – Chris Harris
Seit dem Ehekrach legte Harris nicht nur eine Serie von 13 ungeschlagenen Rennen in Ashfield hin, wo er bei den Glasgow Tigers Teamkollege von Mario Häusl in der Zweiten Liga ist. Er holte sich auch den ersten Nachrückerplatz bei der Grand Prix-Challenge in Terenzano. Und bei zwei offenen Grasbahnrennen in Deutschland brachte ihn nur jeweils ein gerissener Antriebsriemen um bessere Positionen: Harris wurde Dritter in Bad Hersfeld und Siebter in Rastede.

Die familiär bedingte Formsteigerung hebt Harris rechtzeitig zum WM-Auftakt in Scheeßel in den Stand eines Mitfavoriten. Und auch eine Rückkehr in die Speedway-WM ist für 2027 sehr wahrscheinlich – nachdem der aus Cornwall stammende, aber in Truro wohnhafte „Bomber“ dort einst in Wales mit einem „Wall of Death Ride“ außenrum einen der spektakulärsten Grand Prix-Siege der Historie eingefahren hat.
Jetzt muss Harris darauf hoffen, dass Andrej Lebedews sich noch aus eigener Kraft im Grand Prix hält. Dann ist dessen Ergebnis von Terenzano obsolet – und Harris rückte auf. Natürlich hat der Engländer seinem nach eigenem Bekunden „neuen Freund Andrej“ auch gleich einen weisen Ratschlag für den Rest der Saison mitgegeben: Er hätte ihm gesagt, lacht Harris, „he has to pull the finger out“.



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