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Eigengewächse oder gar nicht

vor 3 Minuten
3 Min. Lesezeit

Wie der MSC Neubrandenburg sein erstes großes Prädikatsrennen anging und heute Abend in Wittstock weitermacht.


Roman Kapuschinski zeigt sich überwältigt. „Das ist ein großer Tag für unseren Verein“, spricht der Sportleiter des MSC Vier Tore Neubrandenburg für die interne WhatsApp-Gruppe in die Kamera. „Vor über fünf Jahren haben wir mit der Idee angefangen, für einen Verein, der keine Bahn und kein richtiges Zuhause hatte, sondern nur ein paar Enthusiasten, eine Jugendgruppe zu gründen, um Kinder und Jugendliche an den Sport heranzuführen. Damals hätte es sich sehr utopisch angehört, wenn man mir gesagt hätte: ‚In fünf Jahren werden wir bei einem deutschen Prädikatslauf antreten.‘ Und doch ist es jetzt soweit.“


Der wiederbelebte Traditionsverein, der zur DDR-Zeiten Speedwaygeschichte geschrieben und auch nach der Wende noch ein Team in der Deutschen Superliga eingesetzt hat, nahm am Freitag vergangener Woche beim Paarcup in Wittstock statt – quasi in der Nachbarschaft. „Für uns war klar: Entweder wir fahren dort mit unseren eigenen Jungs – oder wir fahren gar nicht“, steckte Vereinsvorsitzender René Eberhardt vorab den Fahrplan ab. „Für ein einzelnes Rennen Fahrer von außen zu verpflichten, nur um auf dem Papier stärker zu sein, war für uns keine Option. Wir wollen zeigen, wofür unsere Nachwuchsarbeit steht.“


Damit gingen die Ostdeutschen einen anderen Weg als viele andere Aufgebote, die sich munter mit Fahrern aus allen Ecken der Republik verstärkten. Neben Neubrandenburg traten lediglich der MC Güstrow und der MSC Moorwinkelsdamm sowie Inn-Isar-Racing mit Paaren und Trios aus dem eigenen Beritt an.


Für ein Rennen Fahrer von außen zu holen, war keine Option. – René Eberhardt

Die Jugendförderung hatte Kapuschinski zusammen mit Jan Seidler, dem Vorgänger von Eberhardt als Erstem Vorsitzenden, angeschoben. Eberhardt, zugleich auch eine Hälfte des Speedway-Podcasts „Startband“ setzte den Kurs nahtlos fort – und die Nachwuchsbahn samt eines Trainerstamms aus prominenten Exfahrern aus der ehemaligen DDR um. „Wenn ich daran denke, wie wir mit den Kindern mit einer Maschine über die Lande getingelt sind und jeder ein heißes Motorrad übernommen hat…“, sagt Kapuschinski mit hörbarer Rührung in der Stimme. „Mittlerweile gibt es viele weitere Familien und Kinder, die sehen, was daraus werden kann, wenn man so einen Traum lebt und daran glaubt.“


Kapuschinski nennt in seiner Ansprache vorm Paarcup ausdrücklich die sechs Elternteile jener drei Fahrer, die Neubrandenburg auch in Wittstock vertraten. Denn das junge Trio sind Kinder der erste Stunde beim Viertoreteam. Jasper Schiebe brachte dabei schon Erfahrung auf der offenen 500er mit. Er gehört auch in der Liga Nord zu den festen Größen des Teams. Für Fiete Marquardt und Bruno Preibisch war Wittstock dagegen ein weiterer Schritt in ihrer Entwicklung. Beide hatten sich über die Nachwuchsklassen bis an die 500er herangearbeitet; für sie wartet nun das erste Rennen auf der offenen Halblitermaschine.


Neubrandenburg setzt in Wittstock konsequent auf den eigenen Nachwuchs. Foto: Klaus Hauptmann
Neubrandenburg setzt in Wittstock konsequent auf den eigenen Nachwuchs. Foto: Klaus Hauptmann

Schon vor dem Rennen war intern besprochen, dass alle drei Fahrer ihre Einsätze bekommen sollen. Gerade auf der langen und anspruchsvollen Bahn in Wittstock war klar, dass ein kompletter Rennabend körperlich Einiges abverlangt. Die Wechsel waren deshalb Teil des Plans und sollten dafür sorgen, dass alle drei Fahrer Rennpraxis sammeln und gemeinsam als Team durch den Abend gehen. Sportlich wartete auf das junge Neubrandenburger Team eine schwere Aufgabe. Mit 18 Punkten belegte der MSC am Ende Rang acht. Bruno Preibisch holte davon zwölf Punkte und zeigte dabei, was er sich in dieser Saison bereits in der 250-ccm- und der 500R-Klasse erarbeitet hat. In mehreren Läufen war er dicht an seinen Konkurrenten dran und hielt auch gegen deutlich erfahrenere Fahrer gut mit. Fiete Marquardt steuerte vier Punkte bei, Jasper Schiebe zwei.


Als Teambetreuer war in Wittstock Udo Kammann dabei. Der ehemalige Neubrandenburger Speedwayfahrer arbeitet heute im Trainerteam des MSC und kümmert sich mit viel Herzblut auch um die kleine Trainingsbahn, die sich der Verein inzwischen geschaffen hat. Dort begleitet er regelmäßig den Nachwuchs und gibt seine Erfahrung an die jungen Fahrer weiter. „Die lange und anspruchsvolle Bahn in Wittstock forderet die Fahrer körperlich deutlich“, bilanzierte Kammann. „Sieben Heats an einem Abend gehen auf einer solchen Strecke in die Arme.“


An diesem Samstag greift Kammann als Teammanager beim thrillerartigen zweizügigen Finale der Liga Nord, wo die junge Fahrgemeinschaft aus Neubrandenburg und Stralsund antritt, auch wieder auf Marquardt und Schiebe zurück. In Wolfslake verstärken Tim Widera, Lukas Baden und die wiedergenesene Patricia Erhart die Truppe.

 
 
 

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