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Friesischer Vergleichstest

vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Jan Öltjenbruns entscheidet bei einem Training in Moorwinkelsdamm, mit welcher Maschine er am Sonnabend in Wolfslake für die Friesen ins Liga Nord-Finale eingreift.


Sönke Petersen findet klare Worte. „Nicht mit Vollgas zu starten“, bescheidet der Oldenburger am Dienstagabend auf der Bahn in Moorwinkelsdamm, „sowas fangen wir gar nicht erst an.“


Jan Öltjenbruns nickt stumm in seinen Sturzhelm hinein, nimmt sich die Worte des einst jüngsten deutschen Bundesligafahrers zu Herzen – und schaut dann in die Runde. „Haben wir einen“, fragt Petersen in die Runde, „der anschieben kann?“ Er selbst ist zwar Trainer und Instruktor auf der Bahn in Friesland – kann aber aus seinem Rollstuhl heraus halt keinen push-start anstoßen.


Sofort meldet sich eine junge Frau: „Ich“ – und greift beherzt zur hinteren Kotflügelhalterung. Mutter Kerstin Öltjenbruns schiebt ihren Filius auf der Gegengeraden in die nächste Einheit auf jener Bahn, auf der während der Saison alle zwei Wochen ein Training für Kinder, Jugendliche und auch Erste-Herrenfahrer stattfindet.


In die hämmert der Filius dann in der Tat wie von Petersen befohlen mit kreischendem Vollgas hinein.


Und nicht nur das: Kerstin Öltjenbruns schraubt in der Box auch an der Maschine ihres Sohnes, federführend und mit Hilfe von Gatte Jens. Der hat seinen Sohn unfreiwillig mit dem Bahnsportvirus infiziert: „Ich bin früher Flattrack in Moorwinkelsdamm gefahren. Da haben wir Jan mit einem kleinen Motorrad zwischen uns auf der Bahn rumflitzen lassen. Aber das ist ihm schnell zu langweilig geworden, er hat unbedingt auch ein schnelleres Motorrad haben wollen.“


Mit der 250er hat man immer einen Nachteil beim Start. – Jan Öltjenbruns

Die Eltern erfüllen den Wunsch – erst vor zwei Jahren. Seitdem hat Jon Öltjenbruns als Spätstarter eine bemerkenswerte Laufbahn hingelegt – die am Samstagabend bei Teil 1 des zweizügigen Liga Nord-Finals in Wolfslake ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt: Öltjenbruns ist für seinen Heimatverein als Ersatzfahrer für die Juniorenposition genannt worden.


Der MSC Moorwinkelsdamm kämpft gegen Güstrow und Meißen um den Titel in der Dritten Liga, muss Laufpunkte auf die Güstrower nachholen – die genau wie die Sachsen erst einen Tag später in Brokstedt fahren. Und die Friesen müssen auf ihren Stammnachwuchsfahrer Dominic Hamminga verzichten. Also hat Teammanagerin Anja Baldermann ganz viel Hirnschmalz in die Taktik einfließen lassen – und zwei Junioren nominiert: Johannes Ebel aus Brandenburg und den waschechten Lokalmatador Jan Öltjenbruns.


Dass der schlaksige Ammerländer auf der Reservebank sitzt, eröffnet Baldermann für den Rennsonnabend mannigfaltige strategische Optionen.


Jan Öltjenbruns macht am Dienstagabend unter den Augen von Coach Sönke Petersen einen Probestart auf der Viertellitermaschine in Moorwinkelsdamm. Foto: Heike Kleene
Jan Öltjenbruns macht am Dienstagabend unter den Augen von Coach Sönke Petersen einen Probestart auf der Viertellitermaschine in Moorwinkelsdamm. Foto: Heike Kleene

Jetzt, am Dienstag zuvor, muss Öltjenbruns eine Grundsatzentscheidung treffen: Fährt er in Wolfslake auf jener Viertellitermaschine, mit der er seine ganze – erst zweite – Speedwaysaison bestritten hat? Oder wechselt er auf eine neue 500R? Beide stehen nebeneinander in der Box, Öltjenbruns fährt unter den Augen von Petersen und der Familie einen Vergleichstest.


Auf der Halblitermaschine prangt ein prominenter Name am Sattel: Grzegorz Walasek. In der Tat ist das Motorrad gebraucht – aber nicht vom polnischen Ligastar. Familie Öltjenbruns hat es auf Vermittlung eines anderen Norddeutschen bei Peppi Rudolph, einem ehemaligen Fahrer, der heute Bahnmeister des AC Landshut ist – und den Shop Trackracingparts im bayerischen Pilsting betreibt. Der Kontakt zur Familie Öltjenbruns, enthüllt Rudolph, sei über Thomas Gurk zustande gekommen. Der wiederum betreibt in Westerstede, der Heimat der Öltjenbruns’, eine Spedition, die neben dem normalen Frachtgeschäft auch die Leihairfences zu den verschiedenen deutschen Bahnen kutschiert. So hat etwa André Pollehn, ein Exfahrer vom MSC Brokstedt und dem MC Norden, die Luftfangzäune im Auftrag von Gurks Spedition „Ammerländer Transport Service“, kurz ATS, im Vierzigtonner zum Langbahn-DM-Finale in Mühldorf gebracht.


Gurk sei ein früherer Sponsor von ihm gewesen, fährt Rudolph fort, und hätte seine Westersteder Stadtgenossen mit dem bayerischen Teilehändler vernetzt. „Ich habe meist zwei bis vier Fahrgestelle am Lager, die gegen Ende der Saison kaufe und von denen ich weiß, wo sie herkommen“, erläutert Rudolph. „Denn ich habe es mir zum Vorsatz gemacht, dass junge oder ganz neue Fahrer nicht gleich teuer neues Material kaufen brauchen, sondern an gutes gebrauchtes kommen können, um die Kosten zu Beginn im Griff zu halten.“


So klaubt Rudolph gebrauchtes, aber noch hochwertiges Zubehör zusammen. „Ich habe einen Pool von Material, angefangen von Sitzkissen, auf das ich zurückgreifen kann, um die Motorräder genau so zusammenzustellen, dass sie für die jeweiligen Fahrer passen. Bei Jan Öltjenbruns hat das von seiner Größe her mit den Sitzen und den Verkleidungen von Walasek genau hingehauen. Er hat auch einen Motor von mir gekauft. Ich habe dazu einen Vorrat von Ekstraligamotoren, die nur ein oder zwei Saisons gelaufen sind – also noch relativ jung. Ich stell’ die Maschinen dann so zusammen, dass sie optimal passen und sehr gut vorbereitet in die Hände der jungen Fahrer gehen.“


In Moorwinkelsdamm fährt Öltjenbruns am Dienstagabend seine beiden Motorräder gegen – und entscheidet sich dann, fürs Liga Nord-Rennen in Wolfslake mit der 500R auszurücken. „Mit einer 250er hat man beim Start immer automatisch einen Nachteil“, weiß er. „Den kann man zwar im Laufe der Heats oft wieder zufahren. Aber gerade bei einem so wichtigen Rennen und mit noch wenig Erfahrung hat es keinen Sinn, so ein Risiko einzugehen. Deswegen haben wir uns für die 500R entschieden.“

 
 
 

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