Lokalmatador in neuer Rolle
Warum die Night of the Fights in Cloppenburg am Samstag für Lukas Fienhage und ganz Bahnsport-Deutschland plötzlich in doppelter Hinsicht wichtig wird.
Alle Blicke ruhen auf ihm. Nicht nur, weil Lukas Fienhage bei der Night of the Fights ein echter Lokalmatador ist – sondern auch, weil in der Langbahnszene gerade die Stimmung gedreht ist. Denn das Rennen am Samstagabend in Cloppenburg findet einen Tag vor dem Finale der Langbahn-Team-WM im nahen Roden statt. Und dort wird Fienhage als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft antreten – während Martin Smolinski, ehemaliger Night of the Fights-Sieger, Deutschland einen Korb gegeben hat.
Und nicht nur das: Smolinski hat dem Vernehmen nach die Anrufe der deutschen Teamleitung nicht Mal mehr entgegengenommen. Verifizieren lässt sich das nicht: Auch mehrfache Anrufe und Nachrichten von bahndienst.com verhallen beim Bayern seit Tagen unbeantwortet. Während Fienhage sich im Gegensatz dazu gerade sowohl in der Kapitänsrolle als auch in der Öffentlichkeitsarbeit vorbildlich zeigt.
Fienhage kommt zudem mit Rückenwind zu seinem Heimspiel in der Boschstraße am Samstagabend: Er hat beim letzten Langbahn-WM-Lauf in Morizès den Rückstand auf die Tabellenspitze ordentlich eingedampft. Den hatte der Norddeutsche, der in Südfrankreich wohnt, beim Saisonauftakt in Scheeßel durch Rang 7 eingefangen, weil ihm dort eine Kupplung verraucht und ein Reifen geplatzt war.
In Morizès kam Fienhage dagegen auf Rang 2 in Wertung, um zwei Punkte geschlagen von Erik Riss. „Es ist sehr gut gelaufen. Natürlich wäre der erste Platz noch schöner gewesen; jetzt liege ich in der WM um drei Punkte hinter Platz 2 und 3 und 13 hinter Erik Riss. Jetzt ist voller Fokus auf den Vize-WM-Titel angesagt. Ich habe nichts zu verlieren“, bilanziert Fienhage. „Morizès ist meine absolute Lieblingsbahn. Ich habe immer, wenn ich dort gefahren bin, ein Topergebnis erzielt. Ich fühle mich dort pudelwohl, die Bahn liegt mir sehr. Ich habe den ganzen Tag gute Starts gemacht und hatte eine sehr gute Pace. Erik hatte im Finale den besseren Start. Das hat ihm zum Sieg verholfen. Ich hoffe, dass ich in Marmande alles rausreißen kann.“
Jetzt ist voller Fokus auf den Vizetitel angesagt. – Lukas Fienhage
Davor steht allerdings noch der Doppelschlag bei der Night of the Fights im Speedway und der Team-WM in Roden – unweit von Groningen in den Niederlanden – an. Der Weg von Cloppenburg nach Roden ist für Bahnsportlerverhältnisse ein Katzensprung, in einer guten Stunde hat man die Grenze im Emsland oder bei Neuschanz und Bunderhee in Ostfriesland hinter sich gelassen und ist dann auch gleich auf der in den Meeden gelegenen Piste, die sehr uneben und holprig ist, angelangt. Bei entsprechender Orga wäre es also auch für Smolinski möglich gewesen, diesen kurzen Schlenker mitzunehmen.
Aber er mag nicht. Was dazu geführt hat, dass Jörg Tebbe als deutscher Teammanager sich in einer offiziellen Veröffentlichung des deutschen Verbandes dahingehend eingelassen hat, dass er sich von den deutschen Fahrern bei der Nominierung für Roden im Stich gelassen fühle.

Tatsächlich markieren der plötzliche Rücktritt von Stephan Katt, immerhin 46, und die Entscheidung von Smolinski, nur noch auf einfachen Bahnen und bei Veranstaltungen mit guten Verträgen zu fahren, eine Zäsur im deutschen Langbahnsport: Tebbe muss künftig auf die junge Generation setzen, etwas eher, als er das selbst erwartet hätte. Doch gerade dieser erzwungene Generationswechsel stellt für den deutschen Langbahnsport eine echte Chance dar: Fahrer wie Jeremias Ramus, der von Katt unterstützte Tom Hansen, der eigene Sohnemann Louis Tebbe schaffen auf der Bahn gerade sportlich und fahrerisch den Anschluss an die alte Garde. Auch Timo Wachs aus Werlte ist ein Hochkaräter, selbst wenn der sich in diesem Jahr in der Ersten Liga schwerer tut, als nach seinem U23-WM-Titel von Vechta in der Vorsaison zu erwarten schien. Doch mit diesem jungen Quartett kann Tebbe eine Zukunft aus professionellen, gut organisierten und hungrigen Youngstern aufbauen, die an die einstige goldene Generation anknüpfen können.
Und im Hintergrund nimmt ja auch schon Lenja Tebbe Anlauf, die perspektivisch auch das Zeug zu Großem hat. Das zeigen ihre bisherigen Auftritte in der Langbahn-B-Lizenz und auf der Viertelliter-Speedwaymaschine.
Diese ganze Generation bringt einen großen Vorteil mit: Sie sind alle hungrig, ehrgeizig und wollen – anders als die alten Zöpfe, die gerade von selbst abfallen.
Und dann ist da ja auch noch Mika Frehse, der – obgleich noch B-Lizenzler mit wenig Langbahnerfahrung abseits vom Bergring – schon jetzt überzeugt. Und der auch in Sachen Professionalität und Öffentlichkeitsarbeit Maßstäbe setzt.
Roden wird für die Deutschen hartes Brot. Doch schon jetzt hat die Zukunft begonnen. In Dominik Werkstetter steht ein absoluter Vollprofi im Aufgebot, der nach seinem schweren Motorradunfall wieder zu Form gefunden hat und selbst noch ein junger I-Lizenzler ist. Fienhage hat zwar das Zeug zum Teamleader – ist aber selbst immer noch gerade Mal 27 geworden, hat also die Zukunft noch vor sich und kann die junge Generation ansprechen und mitnehmen. Timo Wachs sammelt in Roden gerade wieder internationale Erfahrung, Frehse, Ramus, Tebbe jr. I. + II. und Hansen klopfen schon an.
Der Samstagabend in Cloppenburg wird so nicht nur für die Night of the Fights allein ein Fingerzeig – sondern auch für die Zukunft des deutschen Bahnsports. Alle 517 Sitzplätze sind eh’ schon ausverkauft, Stehplatzkarten gibt’s noch, und der riesige und kreative Lukas-Fienhage-Fanklub hat sich auch wieder angemeldet. Nun gilt’s, dem künftigen Leitwolf des deutschen Langbahnsports auch auf der Speedwaybahn den Rücken zu stärken. Denn Fienhage ist ein Fahrer, der viel über die mentale Schiene kommt – und dem die Unterstützung guttut. Wenn er den Generationswechsel so anführen soll, wie er es fahrerisch und persönlich jederzeit kann, dann müssen sich die Fans hinter ihn stellen – und zwar schon am Samstagabend im Industriegebiet im Emstekerfeld.
Dorthin reist der Lokalmatador nicht nur mit dem Rückenwind des Topresultats von Morizès an. Fienhage wurde zudem in der Vorwoche Zweiter im Rahmenrennen auf seiner Heimbahn in Vechta, hinter dem derzeit in rasanter Form befindlichen Dave Meijerink und vor Nochweltmeister Zach Waijtknecht. Die Internationalen fuhren im Reiterwaldstadion im Rahmenprogramm des Deutschen Bahnpokals für B-Lizenzler, den Mika Frehse gewann – und der Deutschen Meisterschaft für Seitenwagen, in der sich Manuel Meier/Lena Siebert vor Markus Brandhofer/Bridget Meijerink und Achim Neuendorf/Johannes Schnaitter durchsetzten.



also bitte wenn schon hier die Nachwuchsgarde erwähnt wird sollte man ausser den erwähnten auch noch bspw. Sebastian Adorjan, Erik Bostin und Tim Widera schon mit erwähnen.