„Eines der größten Talente aller Zeiten“
Beau Bailey ist gerade 16 Jahre alt – und fährt am Sonnabend schon zum zweiten Mal bei der Night of the Fights in Cloppenburg. Was steckt wirklich in dem Aussie Boy?
Die Vorschusslorbeeren kommen aus berufenem Munde. „Noch vier Jahre – dann ist er im Grand Prix“, avisiert René Deddens über Beau Bailey. „Vielleicht geht es sogar noch schneller.“
Bailey fährt am Samstagabend schon zum zweiten Mal bei der Night of the Fights in Cloppenburg. Und Deddens stellt für dieses Flutlichtspektakel im Saterland das Fahrerfeld zusammen. „Er wird“, sagt er über den gerade erst 16-jährigen Australier, „bei mir immer fahren.“
Denn der ehemalige Rennfahrer und amtierende Stellvertretende Renndirektor der Speedway-WM sagt über Bailey: „Er ist für mich eines der größten Talent aller Zeiten. Ich habe die Art und Weise, wie er auf dem Motorrad sitzt, wie er Sachen sieht, mit dem Auge und der gleichzeitigen Fahrzeugbeherrschung, nur selten bei Leuten in dem Alter gesehen.“
Beau Bailey stammt aus Grenfell in New South Wales in Australien. Grenfell liegt im zentralen Westen von des Bundeslandes, ungefähr zwischen Cowra und Forbes. Bailey wurde am 6. Oktober 2009 in Cowra, der Heimat von WM-Aspirant Brady Kurtz, geboren. Seine Familie lebte zunächst in Forbes und zog später nach Grenfell. Dort entstand auch die für seine Entwicklung wichtige Trainingsmöglichkeit: Die Familie hat eine Trainingsbahn im eigenen Garten des riesigen Bauernhofs.
Ich habe die Art und Weise, wie er auf dem Motorrad sitzt und Sachen sieht, nur selten bei Leuten seines Alters gesehen. – René Deddens
Das erklärt teilweise, warum er schon in sehr jungen Jahren extrem viel fahren konnte. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater sind Flattrack gefahren. Er saß bereits mit drei Jahren auf einem Motorrad und begann ab etwa vier Jahren, selbst Flattrack zu fahren. Speedway kam später hinzu.
Bailey wechselte 2020 vom Flattrack zum Speedway. Damals war er erst 12 Jahre alt war und bereits zahlreiche Juniorentitel gewonnen hatte. Und genau hier taucht das Craig-Boyce-Programm auf, mit dem der ehemalige Liga- und WM-Fahrer aus Sydney unter dem Banner „Speedway Experience“ gezielt junge Fahrer coacht, sichtet und dann bei Talent auch weiter fördert. Im Winter 2021/22 gewann Bailey die NSW Junior Championship, die Victorian Championship, die South Australian Championship. Im April 2022 wurde er außerdem mit gerade 12 Jahren Australischer Meister in der 125-Kubikklasse geworden war. Er trainierte seinerzeit beinahe täglich auf der Familienbahn.

Zusammen mit Boyce kam er zur Jugend-WM erstmals nach Europa. Dort kreuzen sich bald die Wege von ihm und René Deddens. „Ich bin vor drei Jahren in der 250er auf ihn aufmerksam geworden, als ich meinen ersten Einsatz als Renndirektor hatte. Das war damals quasi mein Testevent, weil ich noch nicht offiziell bei der FIM war“, erinnert sich der Norddeutsche. „Ich habe damals schon gesagt: ‚Wenn der Junge auf dem Boden bleibt und nicht irgendwann abdreht, dann ist das der nächste Weltmeister.‘ Ich habe die Familie eine Woche später beim Finale in Polen wiedergesehen und dort mit ihnen ein langes Gespräch geführt, weil ich mich für den Jungen einfach interessiert habe.“
Im Vorjahr fuhr Bailey immer noch in der Viertelliterklasse und gewann beim WM-Finale in Prag die Bronzemedaille. „Da habe ich ihn nach dem weiteren Plan gefragt. Sein Vater wollte zurückfliegen, Opa und Beau blieben aber hier in Europa. Ich habe ihn zu zwei Trainings eingeladen – und dann kam die Idee, ihn auch für die Night of the Fights zu verpflichten. Das war sein erstes Rennen. Er ist vorher nur zwei Trainings auf einer 500er gefahren. Ich habe ihn zu einem Training nach Cloppenburg eingeladen, weil ich sehen wollte, wie er zurechtkommt.“

In einem top besetzten Feld, darunter auch Landsmann Jason Doyle, schrammte Bailey bei der Night of the Fights 2025 nur um einen Punkt am Halbfinale vorbei. „Er hat eine unfassbare Leistung gezeigt – für jemanden, der erst zum dritten Mal auf einer 500er sitzt. Gleichzeitig war er ganz allein hier, nur mit dem Opa; sie hatten kein Haus, keinen Bulli und kein Mechaniker. Deswegen habe ich ihm ein bisschen unter die Arme gegriffen. Dieses Jahr bin ich nicht mehr der Einzige, der sagt, dass er das größte Talent momentan sei. Bekannte Größen in unserem Sport haben das auch gesagt. Alle schütteln nur mit dem Kopf und sagen, ‚der ist unfassbar.’“
Das kann am Samstagabend im vollen Stadion im Industriegebiet Emstekerfeld, vor den Toren der Museumsdorfstadt, wieder unter Beweis stellen. Denn Deddens steht zu seinem Wort. „Der Junge wird uns noch viel Freude bereiten, wenn er auf dem Boden bleibt. Das muss man immer dazu sagen. Das Alter ist nicht einfach. Mit 16 so einen Zuspruch zu bekommen – das muss man erst verdauen.. Das Geld wird dann auch irgendwann dazu kommen. Ich schätze, dass er schon im nächsten Jahr richtig gutes Geld verdienen wird. Wenn er es dann schafft, auf der richtigen Bahn zu bleiben, dann werden wir sehr viel Freude und Spaß an dem Jungen haben.“



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