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Ein Gigant tritt ab

Nach einer neuerlich niederschmetternden Diagnose wirft ein ganz großer Charakterdarsteller hin.


Tai Woffinden war nie nur ein erfolgreicher Speedwayfahrer. Er war über viele Jahre das Gesicht des britischen Bahnsports, polarisierend, selbstbewusst, charismatisch – und auf der Bahn einer der kompromisslosesten Kämpfer seiner Generation. Nun endet diese außergewöhnliche Karriere. Der dreimalige Speedwayweltmeister hat am Samstag in einer Videobotschaft seinen Rücktritt vom Profisport bekanntgegeben.


Nach monatelangen Spekulationen über seine Zukunft zog der 35-Jährige damit die Konsequenz aus den schweren Verletzungen, die seine Karriere zuletzt überschatteten. Nach seinem Sturz beim polnischen Ligarennen in Ostrowo am 24. Mai muss sich Woffinden erneut einer Operation unterziehen: die Sehne vom Obergrätenmuskel, die an den Knochenvorsprung im Oberarmkopf anliegt, ist verschoben und gedehnt, eine aufwändige OP und eine mindestens halbjährige Reha schließen sich an

Bereits im März 2025 hatte ihn ein schwerer Unfall im polnischen Krosno mit zahlreichen Knochenbrüchen und lebensgefährlichen Verletzungen für die gesamte Saison außer Gefecht gesetzt.


Der neuerliche Rückschlag ließ den Engländer nun zu dem Schluss kommen, dass sein Körper den Belastungen des Spitzensports nicht länger gewachsen ist. „Nach den jüngsten Untersuchungen haben mir die Ärzte erklärt, dass ich nach meinem letzten Sturz in Polen operiert werden muss. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Entscheidung gekommen, meine Karriere als Profirennfahrer zu beenden“, erklärte Woffinden in seiner Abschiedsbotschaft auf Social Media. Ihm falle dieser Schritt alles andere als leicht. „Dieser Sport war nicht nur mein Beruf, sondern ein wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit.“


Dieser Sport war nicht nur mein Beruf. – Tai Woffinden


In Woffinden verliert der Speedwaysport einen seiner erfolgreichsten Fahrer der modernen Ära. Sein Grand Prix-Debüt gab der in England geborene und in Australien aufgewachsene Rennfahrer bereits 2010. Drei Jahre später schrieb er Geschichte. Als krasser Außenseiter gestartet – britische Buchmacher führten ihn zeitweise mit Wettquoten von 500:1 – gewann er sensationell den Speedway-Grand-Prix und wurde erstmals Weltmeister.


Es blieb nicht bei diesem Überraschungscoup. Auch 2015 und 2018 sicherte sich Woffinden den WM-Titel und ist bis heute der einzige britische Fahrer, der drei Mal Speedwayweltmeister wurde. Insgesamt gewann er elf Grand-Prix-Läufe und prägte mehr als ein Jahrzehnt lang die Weltspitze.


Tai und Faye Woffinden feiern des Gatten dritten WM-Titel. Foto: FIM
Tai und Faye Woffinden feiern des Gatten dritten WM-Titel. Foto: FIM

Seinen größten Erfolg im Nationaltrikot feierte er 2021, als er Großbritannien gemeinsam mit Robert Lambert und Dan Bewley zum Titel bei der Paar-WM führte. Es war der erste Mannschafts-weltmeistertitel für die Briten seit 1989 und markierte zugleich die Rückkehr Großbritanniens an die Spitze des internationalen Speedwaysports.


In seiner Abschiedsbotschaft rückte Woffinden allerdings weniger die sportlichen Erfolge als vielmehr die Menschen in den Mittelpunkt, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. „Wenn ich zurückblicke, sehe ich Weltmeistertitel, Grand Prix-Siege, nationale Meisterschaften und Teamtitel. Noch wichtiger sind aber die Menschen, die Freundschaften, die gemeinsamen Erlebnisse, die schweren Tage und all die Momente, die mich daran erinnert haben, warum ich diesen Sport liebe.“


Besonders innig fiel sein Dank an Ehefrau Faye aus, die ihn während seiner gesamten Karriere begleitet hätte – nicht zuletzt während der langen und schwierigen Rehabilitationsphasen nach seinen schweren Unfällen. „Niemand erreicht so etwas allein. Jeder Schritt meiner Karriere war nur möglich, weil großartige Menschen an meiner Seite standen. Meiner Familie danke ich für jedes Opfer und für das Vertrauen, auch in den Momenten, in denen ich selbst an mir gezweifelt habe. Faye – ich kann gar nicht in Worte fassen, was du für mich bedeutest. Ohne dich wäre ich heute nicht hier.“


Der Rücktritt bedeutet allerdings nicht zwangsläufig den Abschied aus der Öffentlichkeit. Seit einiger Zeit widmet sich Woffinden intensiv seiner zweiten Leidenschaft – der Musik. Dieses Kapitel dürfte nun deutlich mehr Raum einnehmen.


Seine Karriere beendet er ohne Bitterkeit. „Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt für einen Rücktritt. Irgendwann merkt man aber, dass der Körper alles gegeben hat, was er geben konnte. Dann kann man mit Stolz, Dankbarkeit und Frieden gehen. Jetzt beginnt ein neues Kapitel – mit neuen Abenteuern und mehr Zeit für die Menschen, die mir am wichtigsten sind. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diesen Traum leben durfte.“

 
 
 

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