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Fernduell mit Menschenhandel

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Die Entscheidung der Liga Nord fällt an zwei Orten – in einem Fernduell, das vor Facetten und Strategiespielen nur so strotzt.


Als ob’s nicht schon brisant genug wäre. Nun setzt vor dem doppelten Finale der Liga Nord am kommenden Wochenende auch noch das große Fahrerschach ein. Mit dem offensichtlichen Ziel, übers Lehnswesen den jeweiligen gegnerischen Mannschaften im Fernduell Punkte klauen zu können.


Erik Pudel und Mika Frehse nehmen dabei die Königspositionen ein. Beide sind sowohl am Sonnabend in Wolfslake als auch am Sonntag in Brokstedt am Start – für jeweils verschiedene Vereine. Pudel wird von seinem Stammverein, dem MC Güstrow, am Sonnabend an den Gastgeber Wolfslake ausgeliehen. In der Vorschau aufs Rennen verweist man mit treuem Augenaufschlag darauf, dass Pudel „ein echtes Wolfslake-Urgestein“ sei. „Wir hoffen natürlich, dass Erik nicht nur zahlreiche Fans mitbringt, sondern auch auf der Bahn zeigt, was in Wolfslake so alles möglich ist“, wird der neue Erste Vorsitzende Domingo Kreklow zitiert.


Doch hinter der Leihgabe steckt mehr. Das zeigt ein Blick auf die Tabelle. Dort liegen Güstrow, Moorwinkelsdamm und Meißen mit je acht Punkten gleichauf. Die Torros aus Güstrow haben aber 10 Laufpunkte mehr auf ihrem Konto als die Lions aus Friesland, und die titelverteidigenden Hornissen aus Sachsen liegen noch weitere vier Laufpunkte hinten. Moorwinkelsdamm tritt als einziger Titelanwärter aus der Dritten Liga in Wolfslake an; Güstrow und Meißen sind tags drauf in Brokstedt am Start.


Erik Pudel soll uns offensichtlich möglichst viele Laufpunkte klauen. – Celina Liebmann

Damit muss Moorwinkelsdamm am Berliner Ring vorlegen – und möglichst viele Laufpunkte schreiben, um den Abstand auf Güstrow wegzubringen und dann darauf zu hoffen, dass die beiden ostdeutschen Teams am Sonntag an der A7 möglichst wenig Punkte schreiben.


Pudel ersetzt nun am Samstag in Wolfslake in deren Heimaufgebot Leon Arnheim. Er kommt von Güstrow, einem Klub, der nicht gerade bekannt dafür ist, seine Fahrer freigiebig an andere Klubs auszuleihen.


Deswegen schwant Celina Liebmann als Mannschaftskapitän von Moorwinkelsdamm: „Das kann bedeuten, dass sie jetzt darauf bauen: Pudel soll uns möglichst viele Laufpunkte klauen.“


Celina Liebmann (vorn) und der MSC Moorwinkelsdamm zünden am Samstag in Wolfslake eine besondere Taktik. Foto: Klaus Hauptmann
Celina Liebmann (vorn) und der MSC Moorwinkelsdamm zünden am Samstag in Wolfslake eine besondere Taktik. Foto: Klaus Hauptmann

Damit beginnt der spannendste Teil des Liga Nord-Finales. Anja Baldermann, die gewiefte und extrem regelkundige Teammanagerin der Frisian Lions, hat Arnheim umgehend für Moorwinkelsdamm verpflichtet. Und auf einen Stammplatz ins Team gesetzt. Celina Liebmann wird stattdessen auf die Reserveposition verschoben. Genau wie auch der junge Jan Öltjenbruns aus Westerstede, der am Dienstagabend in Mowi’damm noch einen ausführlichen Vergleichstest zwischen seiner 250- und gebrauchten 500R-Kubikzentimetermaschine abgespult hat.


Damit hat Baldermann den Nordwestdeutschen ein nicht zu unterschätzendes strategisches Taktikelement mit an die Hand gegeben, deren wahres Ausmaß sich erst im Laufe des Wolfslaker Rennabends herauskristallisieren dürfte – und das in der Liga Nord-Tabelle mitentscheidende Relevanz bekommen kann.


Die Löwen aus Friesland werden von Mika Frehse angeführt, Leon Arnheim und Thies Schweer komplettieren das Aufgebot. Öltjenbruns rückt auf die Juniorennachwuchsplanstelle, weil der eigentlich für Mowi’damm fahrende Youngster Dominic Hamminga am selben Tag beim Goldhelmrennen in seiner niederländischen Heimat Veenord starten muss – bei einem Rennen, das für Holländer sehr prestigeträchtig ist und bei dem dieses Jahr auch Hannah Grunwald antritt.


Frehse wiederum wird am Sonntag beim zweiten Teil des Fernfinals in Brokstedt antreten – für den MC Bergring Teterow. Da der Schweriner gerade in bestechender Form ist, kann Frehse in Schleswig-Holstein den Pudel-Spieß umdrehen – und sowohl Güstrow als auch Meißen reichlich Punkte vom Konto fahren.


So wird das zweigeteilte Finale der Liga Nord in Wolfslake und Brokstedt zu einem ellenlangen Endspiel mit vielen Handlungssträngen – und mit strategischen Elementen, die beide Rennen zu einer der pikantesten Entscheidungen des deutschen Bahnsportjahres machen können.


Auf jeden Fall aber zu einer der interessantesten. Vorausgesetzt man behält vor lauter Strategieüberlegungen und -varianten den Überblick.

 
 
 

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