Flucht nach Dresden
- Norbert Ockenga
- vor 3 Stunden
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Levi Böhme kann seinen Speed beim Junioren-WM-Finale in Breslau nicht unter Beweis stellen, sondern muss nach Dresden in die Uniklinik flüchten.
Irgendwann in finstrer Nacht reicht es Familie Böhme. Nachdem man fast vier Stunden in der Notaufnahme des Breslauer Krankenhauses gewartet hat und bis auf das Einlesen der Versichertenkarte nichts passiert ist, laden die Sachsen ihren Sohn Levi ins Auto und fahren kurzerhand zur Uniklinik in Dresden.
Dort wird das Jungtalent aus der Nähe von Meißen noch in der Nacht geröntgt – und für Montag wieder einbestellt. Dann soll das gebrochene linke Schlüsselbein operiert werden.
Denn Böhme ist beim Finale der Viertelliter-WM für Junioren in Oberschlesien am Freitagabend in seinem zweiten Lauf gestürzt – bei der Verfolgung von Halblandsmann Niklas Bager. Er hatte den besser gestarteten Bager in der ersten Kurve attackiert und war am Scheitelpunkt auch bereits am Sohn der ehemaligen Brokstedter Teammanagerin Sabrina Harms vorbei – bis er eine Rille erwischte, einen Aufsteiger hatte, von dem geradegebogen wurde, deswegen am Hinterrad von Brady Landon einfädelte und im hohen Bogen vorn über den Lenker abgeworfen wurde.

Zuerst wurde er in Breslau ins Krankenhaus gebracht. Doch da ging nichts vorwärts. Als sein Team eingepackt hatte und ihm ins Spital nachgefahren kam, saß Böhme immer noch im Wartesaal. Nach eineinhalb Stunden weiteren Ausharren folgte schließlich die Nachtfahrt rüber nach Dresden.
Böhme war der einzige Deutsche, der im Finale der Junioren-WM dabei war. Er hatte mit einem Punkt eröffnet, in Lauf 2 folgte der Abwurf. Damit konnte der Sachse nicht an die starke Leistung von der Qualifikation in Pardubitz einige Tage vorher anknüpfen. Dort war er im direkten Aufeinandertreffen sogar schneller gewesen als Franciszek Szczyrba, kam aber trotz Zickzackfahrens nicht vorbei und stürzte bei einem Überholversuch gegen den Polen mit dem unaussprechlichen Namen. Nach dem Sturz fuhr Böhme sich an der Elbe mit einer Reihe von Siegen doch noch auf einen Qualifikantenplatz fürs Finale.
Warum gerade das vergebliche Anrennen bei Schnellersein als Franciszek Szczyrba wichtig ist? Weil der unaussprechliche Pole am Freitagabend in Breslau Weltmeister wurde – Böhme also in einem der beiden direkten Vergleiche sogar schneller war als der angehende Titelträger.



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