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Ge’ma, Emma

Wie die 11-jährige Emma Meyer in Halbemond ganz plötzlich zu ihrem ersten Achtelliterrennen gekommen ist.


Es gibt Epizentren, auf die kommt man nicht. Ein solches ist Marienhafe – eine Kleinstadt, die früher Mal direkt an der Nordsee lag, bevor die Ostfriesen mit Eindeichung dem Meer immer mehr Land abtrotzten.


Inzwischen ist Marienhafe und das kleine vorgelagerte Dorf Osteel die Speedwayhochburg Ostfrieslands schlechthin. All’ diejenigen Fahrer, die sich derzeit im Motodrom Halbemond tummeln und teils auch schon national für Aufsehen sorgen, haben irgendeinen Bezug zu jener Stadt, in der sich einst Klaus Störtebeker vor den Häschern der Hanse versteckt hat.


Ben Iken, der vielumjubelte Sieger des Störtebeker-Superpokals vom Pfingstsonntag, ist da natürlich das aktuell prominenteste Beispiel. Doch seine halbe Familie hat schon einen Speedwaybezug. Nicht zuletzt Jörg Jansen. Der stets so zurückhaltende Ostfriese war in den Neunzigern einer der Lokalmatadoren des MC Norden in dessen Super- und Bundesligateams – neben den Gebrüdern Ralf und Michael Strack aus Westoverledingen. Jansen war seinerzeit einer der absoluten Ästheten im Sattel: Kaum einer fuhr einen so sauberen Strich und war beim Fahren so schön anzuschauen wie der Onkel von Ben Iken.


In vielerlei Hinsicht erinnerte Jansen vom Stil her an den Australier Leigh Adams – oder auch, um den Bogen weiter zu spannen, wie Jensen Button auf dem Zenith seiner Karriere in der Formel 1.


Der Speedwaysport gehört für mich schon immer dazu. Ich bin in Halbemond großgeworden. – Frank Meyer

Aus demselben Clan kommt nun eine Nachwuchsfahrerin, die Pfingsten in Norden erstmals auf einer 125-Kubizmaschine ein Rennen gefahren hat: Emma Meyer. Die 11-Jährige ist Tochter von Frank Meyer – der bei Ben ikens Urgroßeltern als Pflegesohn aufgewachsen ist. „So gehörte der Speedwaysport für mich immer dazu, ich bin in Halbemond großgeworden. Und durch Besuche zu anderen Veranstaltungen, wo wir Ben überwiegend angefeuert haben kam durch einen Zufall die Idee, Emma ein Pocketbike zu kaufen“, erinnert sich Vater Frank Meyer. „Schließlich hatte ich dann Meik Lüders angeschrieben, ob wir Mal zum Training kommen dürfen. Gesagt, getan – und beim Training haben wir festgestellt, wie Emma ihren Helm abgesetzt hatte und uns mit funkelnden Augen und einem süßen Grinsen uns anschaute. Da haben wir gemerkt: Das möchte sie gerne machn. Darauf hin habe mit Meik gesprochen; der sagte dann: ‚Schmeiß die PocketBikes weg und hole ihr etwas Vernünftiges.“


Also kaufte Vater Frank und Mutter Kathrin Sprang – eine gebürtige Emsländerin, die mit Emma in Schwartbruck in Schleswig-Holstein wohnt – eine 50-Kubikmaschine für den Einstieg in die Kinderklassen. Durch das Training von Klein-Emma in die Schnapsglasklasse im Motodrom entstand eine Freundschaft zu Meik und Wiebke Lüders, dem Powerpaar von Halbemond. Vater Frank, der inzwischen im 25 Kilometer entfernten Moordorf in Südbrookmerland zuhause ist, wird zu einem treuen und verlässlichen Helfer bei der Arbeit im geschichtsträchtigen Stadion.


Emma Meyer mit Vater Frank vor ihrem ersten Rennen in der 125-Kubikklasse in Halbemond. Foto: Heike Kleene
Emma Meyer mit Vater Frank vor ihrem ersten Rennen in der 125-Kubikklasse in Halbemond. Foto: Heike Kleene

Durch viele Trainingstage in Halbemond lernt Emma Meyer auch Familie Habben und Familie Ruschmeier kennen; das Mädchen trainiert mit den Söhnen Herko Habben und Julius Ruschmeier und entwickelt sich weiter. „Emma ist leider such die Entfernung und die Zeit, wo sie hier ist, nicht im Trainingsrhythmus wie die Anderen“, grenzt Vater Frank ab. „Aber sie hat Spaß daran und freut sich immer, im Stadion zu sein. Eines Tages waren wir dort am Vorbereiten, dann fragte Meik, ob Emma seine allererste Maschine fahren möchte.“


Lüders nickt: „Emma hat erstes Motorrad von mir ausgeliehen. Letztes Jahr haben wir neue Motorräder für Ben Iken aufgebaut. Da blieben jede Menge Teile übrig. Der Vater von Julius Ruschmeyer hat den Rahmen dazu gegeben, Wiebke und ich haben den Motor gekauft.“


So kam Emma Meyer am Pfingstsonntag hopplahopp zu ihrem ersten Rennen in der Achtelliterklasse. Herr Papa räumte ein, er sei reichlich nervös gewesen. „Wir werden diesen Sport aber überwiegend als Hobby betreiben – und vielleicht, wenn Emma es beherrscht, auch an ein paar Offenen Rennen teilnehmen. Aber im Focus steht erst Mal trainiere – und das kann sie am besten, wenn sie mit Meik Lüders oder André Pollehn auf der Bahn ist.“

 
 
 

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