Heimsieg in der Kälteschlacht
- Norbert Ockenga
- vor 2 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Bei der Eisspeedway-EM galt ein alter Schnack, der eigentlich aus dem Rallyesport kommt.
Heikki Huusko dürfte mit genau diesem Spruch aufgewachsen sein. Schließlich ist der Blondschopf aus Jyväskylä im Hauptberuf Fahrwerksingenieur im derzeit erfolgreichsten Team der Rallye-WM. Und in der galt bereits zu Zeiten von Hannu Mikkola, Ari Vatanen, Juha Kankkunen und später auch von Marcus Grönholm der Leitsatz für Teamchefs: „Willst du gewinnen, hol’ dir einen Finnen.“
Beim EM-Finale am Samstagabend griff exakt dieses Motto. Aber nicht für jenen Finnen, der dem Meeting im Schneetreiben von Varkaus eigentlich seinen Stempel aufgedrückt hat.
Mehr als 10 Prozent der Einwohner kommen an die Bahn. Die Bilanz vom Eisspeedway-EM-Finale in Varkaus ist auch ein Empfehlungsschreiben des Vereins von Appe Mustonen, dem ehemaligen Langbahn- und Speedwayfahrer. Denn die Kleinstadt im Osten Finnlands, in der Region Savo zwischen Kuopio und Savonlinna, hat lediglich 19.759 Einwohner. Doch im Eisstadion mit seiner ungewöhnlich geschnittenen Bahn finden sich am Samstagabend mehr als 2.000 Fans ein.
Und sie sehen auf extrem kalten und knüppelhartem Eis Läufe vom Allerfeinsten. In der Anfangsphase setzt sich Luca Bauer gleich eindrucksvoll in Szene: Der Bayer gewinnt konsequent auf der Außenbahn fahrend seine ersten beiden Heats.

In den ersten beiden Durchgängen zeigt sich, wie homogen das Feld besetzt ist. Harald Simon, Niclas Svensson, Max Koivula – alle präsentieren sich sehr stark. Sebastian Reitsma wirft eine Startbandberührung zurück. Auch Heikki Huusko ist vom Fleck weg vorn dabei.
Franz Mayerbüchler und Paul Cooper holen zu Beginn je einen Punkt. Marc Geyer stürzt in Lauf 7, einen Lauf später fällt Isak Dekkerhus. Titelverteidiger Lukáš Hutla fährt mit teils brutal anmutenden Manövern knallhart am Innenstrich, Luca Bauer geht außen rüber.
In Heat 10 trifft Bauer auf Huusko, Simon und Cooper. Bis auf den Engländer liegen alle total gleichauf. Simon scheint Zweiter zu werden, bis es ihm letzte Kurve das Vorderrad in die Höhe zieht und er nur Dritter wird.
Geyer erkämpft sich zäh gegen Josef Kreuzberger aus Österreich einen Punkt. Dann wird Simon in Heat 15 von Andrej Diviš runtergefahren, der Tescheche dafür ausgeschlossen. Simon geht zum Restart mit Reservemotorrad raus, baut damit einen selbstverschuldeten Sturz, sodass imm zweiten Wiederholungslauf in Dekkerhus und Kreuzberger nurmehr zwei Fahrer übrig geblieben sind. Dekkerhus rauscht prompt ins Startband. An seiner Statt kommt Reservefahrer Anssu Lehtinen, der Vater von Arttu Lehtinen – und gewinnt glatt vor Kreuzberger.
Mayerbüchler beklagt in Heat 17 einen Reifenschaden, eine Felge dreht durch, während der platte Reifen starr stehenbleibt. Der Inzeller kriegt die leihweise die Maschine von Geyer. Svensson gewinnt vor Paul Cooper und Kreuzberger.
Ganz vorn etablieren sich Max Koivula und Niclas Svensson als die Herren des Finnen-Ringes. Wobei Koivula sich mit vier Vorlaufsiegen – einem mehr als Svensson – klar in die Favoritenrolle fürs Finale fährt, das beide direkt erreichen.
Simon kämpft sich unter Schmerzen in den Hoffnungslauf hinein, der Österreicher trifft dort auf Huusko, Hutla und Bauer, der nach Niederlagen gegen Huusko sowie Svensson und Hutla eine unerwartete Ehrenrunde drehen muss.
Hutla gewinnt den Last Chance-Heat vor Huusko und Bauer, der damit nicht ins Finale kommt. Den Endlauf gewinnt Huusko vor Hutla. Die beiden schließen ihre Punktekonten damit gleich gefüllt mit je 15 Zählern ab. Huusko gewinnt aufgrund des Sieges im entscheidenden direkten Vergleich die EM-Krone.



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