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Hoffen auf mehr Frehse

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Mika Frehse baut gerade seine Lang- und Grasbahnaktivitäten aus. Warum das für diese Sparte in Deutschland ein Segen ist.


Mika Frehse sorgt derzeit richtig für Furore. Der Wismarer ist zwar kein Novize auf Sand- und Grasbahnen, aber – außer am Bergring – doch eher im Speedwaysport angesiedelt. Bislang.


Denn in den letzten Wochen hat sich das drastisch geändert – und Frehse seinen Aktionsradius in den Nordwesten ausgedehnt, wo der Lang- und Grasbahnsport deutlich weiter verbreitet ist als in seiner nordostdeutschen Heimat.


Bisheriges Highlight der Expansion und Diversifikation: der Gewinn des Deutschen Bahnpokals, also quasi der DM für B-Lizenzler, im Reiterwaldstadion zu Vechta am Samstagabend. Dort setzte Frehse sich mit Maximum vor Erik Bostin vom MSC Mühldorf, Tim Widera und Louis Tebbe durch.


Schon vorher hatte Frehse im hohen Norden Blut geleckt: beim offenen Rennen im Schlosspark zu Rastede, auf der schnellsten Grasbahn der Welt also. Im Ammerland hatte Frehse in der B-Lizenz noch Rang 3 hinter Jeremias Ramos und Louis Tebbe belegt. „Rastede ist eine superschnelle Bahn. ich konnte mir das schon ein bisschen vorstellen, weil ich auf dem Bergring ja schon eine schnelle Grasbahn gefahren bin. Aber dass eine 1.000-Metergrasbahn noch Mal so einen Unterschied ausmacht, hätte ich mir so nicht vorgestellt“, beschreibt Frehse. „Auch gerade beim Strahl. Der tat mir zwar am Körper nicht weh. Aber die Brille war permanent dicht. Die anderer Fahrer haben alle das System mit dem Puster an den Scott-Rolloffbrillen, was ich nicht habe. Ich verwendete noch ein normales Rolloff, bei dem man das Visier per Hand zieht. Ich habe ein Mal einen Strahl gekriegt, bei dem mir gleich zwei Abreißer weggeflogen sind, danach war die Brille sofort wieder dicht. Da musste ich mit dem Slipper ziehen. Aber wenn du da ein Mal nichts siehst, ist es schwer, da überhaupt die Hand dran zu kriegen und dann alles wieder sauber zu machen. Im Pflichttraining bin ich sogar ein Mal in den Innenkreis gefahren, weil ich nichts mehr gesehen habe.“


Ich hätte Lust, mehr auf solchen Bahnen zu fahren. – Mika Frehse

Schon in Rastede zeigte Frehse mit einem Laufsieg und dem Finalrang 3, dass er das Potenzial für Mehr auf langen Pisten hat. „Ich habe in Enrico Janoschka einen guten Mentor, der das ganze Wochenende immer an meiner Seite war – und ein gutes erfahrenes Team, das viel Erfahrung auf der Langbahn hat, was die Getriebeübersetzung angeht. Wir haben in Rastede etwa den zweiten Gang noch ein bisschen verändert, dass er schneller reingeht.“


Schon nach Rastede, also vor dem Triumph in Vechta, urteilt Frehse: „Ich hätte auch Lust, das eine oder andere Rennen mehr auf solchen Bahnen zu fahren. Ich habe auch gleich eine Anfrage von einem Bekannten aus der Langbahnszene gekriegt, ob ich nicht Ende September schon in der A-Lizenz fahren würde.“


Mika Frehse, hier im Gespräch mit Bruno Preibischs Mechaniker Jakob Femerling, macht Lust und Hoffung auf Mehr. Foto: Heike Kleene
Mika Frehse, hier im Gespräch mit Bruno Preibischs Mechaniker Jakob Femerling, macht Lust und Hoffung auf Mehr. Foto: Heike Kleene

Dabei handelt es sich um das offene Rennen in Pfarrkirchen, das am 27. September stattfindet – und Teil eines bayerischen Tripleheaders ist, um den Formel 1-Jargon zu bemühen: Am Freitag, dem 25. September, muss man nach Landshut, denn dort steigt das Finale der Zweiten Bundesliga, das wohl das dramatischste Rennen der ganzen Saison in Deutschland sein dürfte. Tags drauf findet in Pocking das U19-Paar-EM-Finale statt, und am Sonntag danach in Pfarrkirchen der Langbahnklassiker – bei dem nicht nur Klubfahrer Markus Venus/Markus Eibl zur Revanche für ihr selbst gewähltes Fehlen bei der Seitenwagen-EM blasen, sondern auch ein gut besetztes Solofeld aufgeboten werden wird.


Dabei hat der Verein das Pech, dass der Grand Prix der Langbahn-WM in Marmande genau auf ihr Wochenende verlegt werden musste – sodass viele Fahrer, die sonst gekommen wären, zwangsläufig fehlen. Drum entwickelte Daniel Spiller die Idee, Frehse für Pfarrkirchen schon ins Feld der A-Lizenz zu hieven. „Das muss ich mir noch durch den Kopf gehen lassen und auch absprechen“, wiegelt Frehse ab. „Aber im Großen und Ganzen bin ich auch solchen Veranstaltungen gegenüber nicht abgeneigt.“


Für den Langbahnsport wäre eine Ausweitung der Aktivitäten des Wismarers ein Segen. Denn die Szene braucht in Deutschland nicht zuletzt wegen des Rückzugs auf Raten von Martin Smolinski und dem Karriereende von Stephan Katt, dass der „Catman“ am Sonnabend in Vechta verkündete, dringend neue Fahrer, die nicht nur schnell sind, sondern auch Charisma haben und den Sport insgesamt nach vorn bringen, auch neben der Bahn. Frehse wäre auch in dieser Hinsicht ein Segen für den Langbahnsport ingesamt.


Denn im Gegensatz zu so manch’ anderen jungen oder aufstrebenden Fahrern, hat Frehse verinnerlicht, dass man nicht nur auf der Bahn liefern muss. Er versteht auch das Spiel auf der Klaviatur der Medien – sowohl auf eigenen Social Media-Kanälen als auch im professionellen und zielgerichteten Umgang mit Journalisten. Diese Kombination ist unerlässlich, um sich selbst, aber auch den ganzen Sport richtig und glaubhaft in Szene zu setzen – und so einen signifkanten Beitrag zum Erstarken der ganzen Disziplin zu leisten.



 
 
 

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