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Jack Holder: Es ist alles viel schlimmer

So steht es wirklich um den in Breslau lange auf der Bahn behandelten Australier Jack Holder.


Anfangs klingt es noch harmlos. Als sein polnischen Verein Landsberg in den Sozialen Medien über die Verletzungen von Jack Holder nach dem Sturz beim Grand Prix Breslau postet, da schreibt er verniedlichend von einem Armbruch.


Inzwischen ist rausgekommen: Es ist alles viel schlimmer. Holder hat seinem englischen Ligaverein Sheffield bei deren Auswärtsrennen einen Besuch abgestattet – und dort in einem Interview mit dem Streamingdienst „British Speedway Network“ erstmals genau erzählt, was ihm alles zugestoßen ist.


Und das tut schon beim Zuhören weh: „Ich habe mir den Oberarmknochen ziemlich schlimm gebrochen und musste deswegen operiert werden. Außerdem habe ich mir den Fuß, den rechten Knöchel und ein paar Rippen gebrochen. Auch das Kreuzbein im Becken ist gebrochen. Das ist im Moment das Schlimmste. Es ist sehr unangenehm, mich hinzusetzen.“


Der Arm hätte direkt nach dem Unfall, der eine von Kacper Woryna ausgelöste Kettenreaktion war, in einem unnatürlichen Winkel abgestanden. Vor lauter Schmerz und Entsetzen über diesen Armbruch hätte er zunächst gar nicht bemerkt, dass auch ein Fuß geschwollen und schmerzhaft sei. „Der Arm war kein schöner Anblick.“ Nach dem Unfall saß er kurz im Rollstuhl, kann aber mittlerweile an einer Unterarmgehstütze wieder laufen. Eine zweite Untersuchung bei Dr. Bartosz Łukaszewski in der Guardian Clinic im polnischen Konin hat inzwischen ergeben, dass alle Verletzungen gut am Verheilen sind.


Es gab viele dunkle Momente. Und die gibt es auch immer noch. – Jack Holder

Doch Holder wird lange was davon haben. Ob er diese Saison überhaupt noch wieder antreten kann, ist fraglich.


Von allen Verletzungen ist der Bruch des Kreuzbeins die größte Herausforderung. Dafür gibt es mehrere Gründe: Das Kreuzbein trägt das Körpergewicht. Es verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken. Bei jeder Bewegung – Sitzen, Stehen, Gehen oder Umdrehen im Bett – wird dieser Bereich belastet. Sitzen ist oft besonders schmerzhaft. Genau das beschreibt Holder auch. Viele Betroffene empfinden das Sitzen wochenlang als unangenehm und müssen ihre Sitzposition häufig verändern oder spezielle Sitzkissen verwenden.


Kacper Woryna (r.) hat Jason Doyle in Breslau angerempelt und außer Façon gebracht, der streckt infolge dessen den ahnungslosen Jack Holder (l.) nieder. Foto: FIM
Kacper Woryna (r.) hat Jason Doyle in Breslau angerempelt und außer Façon gebracht, der streckt infolge dessen den ahnungslosen Jack Holder (l.) nieder. Foto: FIM

Die Mobilität ist eingeschränkt. Selbst wenn der Oberarm oder der Fuß besser werden, kann der Beckenbruch das Gehen und den Alltag noch längere Zeit erschweren.


Der Oberarm kann nach der Operation meist gut verheilen, benötigt aber Physiotherapie, um die Beweglichkeit wiederzuerlangen.


Rippenbrüche sind zwar sehr schmerzhaft, heilen aber meist innerhalb von ein bis zwei Monaten von selbst.


Fuß- und Sprunggelenksbrüche brauchen sechs bis 12 Wochen, bevor sie wieder belastet werden können.


In den ersten zwei Monaten geht es für Holder vor allem darum, dass die Knochen zusammenwachsen. Danach beginnt häufig die eigentliche Rehabilitationsphase, in der Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit zurückgewonnen werden.


Viele Menschen können nach etwa drei Monaten wieder deutlich mehr im Alltag machen, aber bis sie sich wieder wirklich normal fühlen, vergehen oft sechs bis 12 Monate.


Holder gesteht im Interview auch, dass er jetzt schon die Nase voll hätte vom Warten und von der Immobilität. Sein Bruder Chris hätte sein eigenes Leben hintangestellt, um so gut es geht für Jack Holder da zu sein. Auch die Eltern seien aus Australien rübergekommen. Lebensgefährtin Jessica und der im vergangenen Jahr geborene Junge täten alles, um den Aussie aufzuheitern.


In den ersten Tagen hätte er „mutterseelenallein und wie festgeklebt in Polen“ in seinem Spitalbett gelegen. „Dabei gab es durchaus einige sehr dunkle Momente. Und die gibt es auch immer noch. Aber Mama und Papa helfen mir da durch.“



 
 
 

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