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„Jeder will nach Inzell“

Wie Max Niedermaier sich in Schweden so gerade eben ins Hauptfeld der Eisspeedway-WM gezittert hat.


Er ist einer der Hauptdarsteller im Schweden-Krimi: Max Niedermaier sichert sich in Örnsköldsvik im letzten Block den Einzug in die Eisspeedway-WM. Dabei stand der ehemalige Vizeweltmeister schon mit einem Bein im Seitenaus: Er hätte in seinem letzten Lauf zwei Punkte gebraucht, um rein rechnerisch sicher durch zu sein – lässt sich dann aber mit einem dritten Platz abspeisen.


Die Achillesferse dabei, wie schon den ganzen Tag: die ersten Meter. „Die Starts waren eine Katastrophe“, bekennt der 38-jährige aus der Nähe von Wasserburg am Inn am Abend nach der Zitterpartie. „Beim Ligarennen vorher habe ich quasi jeden Start gewonnen. Heute wollte ich anscheinend ein bisschen zu viel.“


Vielleicht ist mir irgendwie der Biss abgegangen. – Max Niedermaier

Er fällt dieses Selbsturteil in jenem großen Podcast, in dem auch Hans Weber, Lua Bauer, Franz Zorn, Ove Ledström, Paul Cooper, Filip Jäger und Leon Kramer ihre jeweiligen Rennen in Örnsköldsvik in O-Tönen analysieren:



Mit dem Ergebnis im letzten Heat macht sich Niedermaier verwundbar: Wenn Ove Ledström und Luca Bauer jeweils ihren letzten Lauf gewonnen hätten, dann hätten die beiden den Familienvater und Lohnunternehmer noch auf den neunten Platz des ersten Ausgeschiedenen gekegelt.


Beide werden in ihren finalen Auftritten aber je nur Zweiter. Damit verpasst Ledström das rettendende Ufer, Niedermaier bleibt als Siebter punktgleich mit Bauer in der Grand Prix-Serie. „Das war nicht mein bestes Rennen, muss ich ehrlich sagen“, gesteht Niedermaier im Podcast von bahndienst.com, der am Tag nach dem WM-Qualithriller online gegangen ist. „Ich war ziemlich angespannt. Weil es das wichtigste Rennen vom ganzen Jahr war: Jeder will nach Inzell, ich auch – und zwar ohne sich auf eine Wildcard zu verlassen. Deswegen war das Rennen eine heikle Sache.“


Max Niedermaier macht aus seiner WM-Qualifikation eine Zitterpartie. Foto: FIM
Max Niedermaier macht aus seiner WM-Qualifikation eine Zitterpartie. Foto: FIM

Die Retrospektive von Niedermaier im Podcast endet mit einer Bilanz, die in einer Art inneren Einkehr endet: „Das Motorrad ist super gegangen. Das Eis hat mir ganz gut taugt. Aber vielleicht ist mir irgendwie der Biss abgegangen.“


Dass Bahnsport in weiten Teilen Kopfsache ist, wird seit spätestens seit Neubeginn der Speedway-WM-Sendungen auf dem Fernsehsender und Streamingdienst EUROSPORT immer wieder thematisiert. Genau wie die Tatsache, dass Rennfahrer oft sensibler sind, als man eingedenk der Stahlgewitter in den Rennen vermuten würde – und häufig auch anders als sie es sich selbst eingestehen. Niedermaier führt mit seiner schonungslosen Selbstreflexion genau das unter Beweis.


Der Familienvater aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Wasserburg ist ohnehin eine Ausnahmeerscheinung unter den Motorsportlern – mit einer ganz besonderen Art.


Wie richtig er mit seiner Analyse liegt, zeigten die beiden Läufe zum Supercup in Schweden am vergangenen Wochenende. Da nämlich schoss Niedermaier in den meisten Heats wieder blitzartig aus den Bändern und kämpfte sich – ganz offensichtlich befreit vom Druck der WM-Qualifikation – wieder so durch die Läufe, wie er es in seiner Vize-WM-Saison vorgelebt hat.

 
 
 

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