Kramer-Markt
- Norbert Ockenga
- vor 4 Tagen
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Leon Kramer ist die Entdeckung der Saison – und kann bei der Team-WM zum Erfolgsgaranten avancieren.
Wird er zum Zünglein an der Waage? Leon Kramer kann als Dritter im Bunde maßgeblich dafür sorgen, dass die Niederländer zur Sensationsmannschaft bei der Eisspeedway-Team-WM am 12. April avancieren.
Denn obwohl der großgewachsene Youngster erst seine dritte Saison unter die Spikes nimmt, hat er sich in Schweden bei den dortigen Ligarennen zu einem der Hauptdarsteller der Szene entwickelt.
Kramer wohnt in Schweden, wo er als Asphaltleger im Straßenbau arbeitet. Im vergangenen Jahr fuhr er auch noch mit schwedischer Lizenz, startete auch schon beim Grands Prix in Heerenveen. „Bei der Fahrervorstellung musste ich mich dennoch zu den Holländern stellen“, lächelt er. „Das hat die FIM fürchterlich geärgert. Dort hat man mir gesagt, ich könne nicht mit schwedischer Lizenz fahren, weil ich keinen schwedischen Pass hätte. Also starte ich jetzt wieder als Niederländer.“
Dann wird sein Lächeln noch ein bisschen tiefsinniger. „So kann ich immerhin für die Nationalmannschaft fahren. Bei den Schweden wäre ich da nie reingekommen.“
Schweden fanden meine Eltern wie Österreich ohne Berge. – Leon Kramer
Wie aber kommt ein Niederländer überhaupt auf die Idee, seinen Wohnsitz nach Schweden zu verlegen? „Meine Familie ist da hochgezogen, als ich 15 war“, enthüllt Kramer. „Meine Eltern mochten nicht mehr in Holland wohnen. Zuerst wollten sie nach Österreich ziehen, doch da wäre man nur schwer in eine Gemeinschaft der Einheimischen integriert worden. Dann dachten sie an Kanada, aber das wäre zu weit weg gewesen. Und nach einem Urlaub in Schweden haben sie sich dann dafür entschieden. Das fanden sie sehr ähnlich wie Österreich – nur ohne Berge.“
Der Vater nahm eine Stelle bei einer Karosseriebaufirma von Volvo an, Klein-Leon lernte Schwedisch – und nachdem er in den Niederlanden erfolgreich Motocross gefahren war, wagte er sich vor drei Jahren zum ersten Mal ans Eisspeedway heran.

Für 2026 hat er seinen Fuhrpark drastisch aufgerüstet. „Meine neuen Motoren haben leichtere Kurbelwellen als die bisherigen. Die ganze Charakteristik ist deutlich anders. In Schweden ist es dieses Jahr sehr gut gelaufen. Aber die Kunsteisbahnen in der WM sind für mich komplettes Neuland. Da muss man auch ziemlich anders fahren.“
Die ersten Rennen bestritt er noch mit Motoren des niederländischen Speedwaytuners Jan Bergsma, doch inzwischen hockt er über einem Aggregat, das WM-Anwärter Max Koivula selbst aufgebaut. „Denn da“, lächelt Kramer wieder, „ist eine noch leichtere Kurbelwelle drin.“
In Inzell experimentierte er im Training und in den ersten Heats am Sonntag zudem mit einem Riementrieb statt einer Primärkette – wie man’s von der Langbahn kennt. Der Riementrieb stammt von Bergsma, denn der ist im Sommer auch mit Langbahnstar Romano Hummel unterwegs. Das giftige Ansprechverhalten des Riemens führte dazu, dass Kramer ihn nach einem Kurzeinsatz am Sonntag wieder gegen das Koivula-Aggregat eintauschte.

Im Chiemgau, sagt er in der Retrospektive, sei alles Neuland für ihn gewesen. „Aber von Heerenveen weiß ich schon, wie man da fahren muss.“ Zudem hat er im Thialf noch die Möglichkeit, sich beim ausnehmend kompliziert schematisierten Roloef-Thijs-Pokal am Freitagabend sich noch mehr Ortskenntnis draufzuschaffen.



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