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Lambert siegt im Finale dahoam

vor 47 Minuten
5 Min. Lesezeit

Robert Lambert macht in seiner Wahlheimat den WM-Titel perfekt – nach einem turbulenten Dreikampf.


Robert Lambert ist Speedway-Weltmeister 2026. Der Brite hat beim Saisonfinale in Thorn an der Weichsel einen Rückstand von 23 Punkten aus den ersten vier Grands Prix aufgeholt und sich den Titel mit 162 Punkten gesichert.


Entscheidend war Lamberts Form in der zweiten Saisonhälfte: In den letzten sechs Läufen gewann er drei Mal und wurde drei Mal Zweiter. Damit fing er den sechsfachen Weltmeister Bartosz Zmarzlik noch ab. Der Pole kam auf 160 Punkte und musste sich mit Silber begnügen. Bronze ging an Brady Kurtz, der 157 Punkte sammelte und damit wie schon 2025 eine WM-Medaille gewann.


Bemerkenswert: Vor dem letzten Lauf hatten noch alle drei Fahrer Chancen auf den Titel. Die Entscheidung fiel erst in den letzten vier Runden der Saison.


Für Lambert war der Triumph in Thorn besonders. Der 28-Jährige lebt in der polnischen Stadt und fährt für den örtlichen Klub. Seit 2021 steht er für Thorn auf der Bahn, doch bei seinen bisherigen Grand Prix-Auftritten dort hatte er nie mehr als 11 WM-Punkte geholt.

Das änderte sich ausgerechnet beim entscheidenden Rennen um den Weltmeistertitel. „Es war unglaublich, ihn in meinem Heimstadion zu gewinnen“, sagte Lambert. „Ich hatte hier in Thorn einige schlechte Grands Prix und auch ein bisschen Pech. Es war schwierig, hierherzukommen, weil vorab auch alle immer wieder gesagt haben, dass meine WM-Auftritte hier so schlecht gewesen seien. Aber in der Liga brenne ich. Wenigstens konnte ich nun auch so konstant fahren wie in der Liga.“


Thorn bezeichnet Lambert als seinen Heimatklub, außerdem lebt er mit seiner Frau, einem Hund und ab November auch einer Tochter dort. „Hier zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes. Wenn das erst richtig bei mir angekommen ist, wird es ein unglaubliches Gefühl sein.“


Mit dem WM-Titel hatte der Brite nach eigener Aussage nicht gerechnet. „Der Gewinn der Weltmeisterschaft ist völlig unerwartet. Hinter den Kulissen fließen so viele Dinge ein, die mir geholfen haben, an diesen Punkt zu kommen. Ich bin sicher, Bartek hat das auch jedes Mal gespürt, wenn er Weltmeister geworden ist, und ich habe großen Respekt vor ihm.“

Lambert räumte ein, dass der Erfolg noch nicht vollständig verarbeitet sei: „Es wird wahrscheinlich ein paar Tage dauern, bis das wirklich bei mir angekommen ist. Ich bin unglaublich glücklich. Ich hätte nie erwartet oder geplant, was in der zweiten Saisonhälfte passiert ist. Es ist einfach passiert. Wenn es so läuft, soll es wohl so sein. Es steckt viel Arbeit dahinter, hierherzukommen – aber wenn es läuft, dann läuft es.“


Robert Lambert hält im Finale dem Druck stand und siegt. Foto: FIM
Robert Lambert hält im Finale dem Druck stand und siegt. Foto: FIM

Nach vier Rennen lag Lambert noch 23 Punkte hinter der Spitze. Vor dem Grand Prix in Vojens am 12. September hatte er zehn Punkte Rückstand auf Zmarzlik. Mit seinem Sieg in Dänemark drehte er die Situation und ging mit einem Punkt Vorsprung ins Finale.

Vor dem eigentlichen Grand Prix in Thorn änderte sich die Reihenfolge allerdings erneut. Zmarzlik wurde Zweiter im Sprint und nahm Lambert mit drei Punkten die Führung ab. Der Pole ging dadurch mit 144 Punkten und zwei Zählern Vorsprung in den Hauptlauf.


Hinzu kam für Lambert ein misslungener Start in den Renntag. Im Qualifying schied er in Q1 gegen seinen britischen Landsmann Dan Bewley aus.


Zmarzlik war vor dem Finale noch nie Weltmeister geworden, nachdem er als Gesamtführender in den letzten Grand Prix gegangen war. Lambert ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Ich lag nur ein paar Punkte zurück. Im Speedway kann alles passieren. Schaut euch Vojens an – dort hat sich alles komplett anders entwickelt als vor dem Rennen erwartet“, sagte Lambert. „Ich glaube fest daran, einfach meine Rennen zu fahren und zu sehen, wie es sich entwickelt. Es hat sich großartig entwickelt.“


Den verpassten Einzug in den Sprint wollte Lambert nicht überbewerten. „Auch wenn ich nicht in den Sprint gekommen bin, war ich von der Zeit her Zweiter in Q1. Dan und ich waren die beiden Schnellsten. Wenn ich nicht gegen Dan gefahren wäre, wäre ich wahrscheinlich weitergekommen, hätte ein paar Punkte mehr geholt und es wäre vielleicht nicht so kompliziert geworden.“


Entscheidend sei gewesen, die Nerven zu behalten: „Ich bin sehr glücklich damit, wie ich die Ruhe bewahrt habe und weitermachen konnte. Ich bin sehr stolz darauf, meine Emotionen im Griff behalten und mich Rennen für Rennen konzentriert zu haben. Selbst als die drei besten Fahrer der Welt im Finale standen und alles darauf hinauslief, konnte ich es schaffen.“


Bartosz Zmarzlik verpasste damit seinen siebten WM-Titel in Folge. Der 31-Jährige wurde Zweiter und stand damit zum neunten Mal in Serie unter den ersten beiden der Weltmeisterschaft.


Mit seiner zehnten WM-Medaille insgesamt konnte Zmarzlik dennoch leben. „Natürlich habe ich um die Goldmedaille gekämpft, aber ich bin sehr glücklich über Silber. Das ist jetzt meine zehnte Medaille insgesamt, und das ist ein schönes Gefühl“, sagte er.

Zmarzlik gratulierte Lambert und Kurtz zu ihrer Saison: „Ich möchte Robert und Brady gratulieren. Ich denke, wir haben die ganze Saison über eine sehr gute Show und einen sehr guten Kampf auf der Strecke geboten.“


Dass Lambert den Titel holte, überrascht ihn nicht: „Robert war die ganze Saison konstant und an der Spitze. Ich weiß, wie schwer das ist. Ich verstehe die Jungs, weil ich sechsmal in dieser Situation war.“

Für Zmarzlik war es erneut eine verpasste Chance auf den Titel. „Ich hatte wieder die Möglichkeit, zu gewinnen. Aber in dieser Saison war ich nur für die Silbermedaille bereit. Ich glaube, viele würden gerne Silber gewinnen, und ich bin mit dieser Medaille wirklich glücklich.“


Brady Kurtz beendete die Weltmeisterschaft auf Rang drei. Der Australier gewann bereits 2025 Silber und holte nun in seiner zweiten SGP-Saison erneut eine Medaille. „Natürlich bin ich mit der Saison insgesamt zufrieden. Das Wichtigste für mich war, die vergangene Saison zu bestätigen – nicht nur ein gutes Jahr zu haben und danach zu verschwinden“, sagte Kurtz.


Zwei Medaillen in zwei Jahren seien für ihn ein wichtiger Beleg. „Ich bin sehr glücklich, dass ich in zwei Jahren zwei Medaillen gewonnen habe, und ich gratuliere Robert. Er hat Gold definitiv verdient. Er hat zum Ende des Jahres noch einmal zugelegt, und ich hatte darauf nicht wirklich eine Antwort.“


Kurtz sieht zugleich Verbesserungspotenzial: „Im Winter liegt noch etwas Arbeit vor mir. Ich möchte mich weiter verbessern, nächstes Jahr zurückkommen und dann wieder angreifen. Mein Team war das ganze Jahr über fantastisch. Sie haben alles getan, um mir die bestmögliche Ausgangslage zu geben. Ich habe im Finale ein paar Mal unter meinen Möglichkeiten abgeschnitten, und das hat letztlich den Unterschied gemacht.“


Die Aussicht auf die Saison 2027 dürfte Kurtz zusätzlich motivieren. Der Speedway Grand Prix kehrt nach zehn Jahren nach Australien zurück. In Adelaide werden am 29. und 30. Oktober zwei WM-Läufe auf dem Gillman Speedway ausgetragen.


Der neue WM-Dritte freut sich auf die Heimrennen. „Ich bin sehr glücklich. Ich glaube, es ist überfällig. Wir hatten über so viele Jahre so viele gute Fahrer im Grand Prix. Dass wir keinen eigenen Lauf hatten, war schade“, sagte Kurtz.


Gillman hält er für einen passenden Austragungsort: „Ich glaube, es wird cool. Gillman ist eine sehr gute Bahn, und ich denke, dass der Grand Prix dort unglaublich werden wird. Ich freue mich darauf.“


Der Titelkampf 2027 liegt für Kurtz allerdings noch weit entfernt. „Natürlich ist das im Moment noch sehr weit weg. Aber hoffentlich kann ich Ende nächsten Jahres wieder vorne dabei sein. Es wäre etwas ganz Besonderes, in meinem Heimatland um den Weltmeistertitel zu kämpfen.“


Neben Lambert, Zmarzlik und Kurtz haben sich sieben weitere Fahrer für die Speedway-Grand Prix-Serie 2027 qualifiziert. Dazu gehören der Däne Michael Jepsen Jensen, sein Landsmann Leon Madsen, der Pole Patryk Dudek und der Australier Max Fricke. Fricke sicherte sich mit Rang sieben seine bislang beste Platzierung in der Weltmeisterschaft.

Über den SGP Challenge qualifizierten sich außerdem der Australier Rohan Tungate, der Pole Kacper Woryna, der Schwede Kim Nilsson und der Lette Andzejs Lebedevs.

Hinzu kommt der Sieger der Europameisterschaft, deren Entscheidung auf der tschechischen Bahn in Pardubitz fällt.


Die SGP-Commission wird darüber hinaus drei permanente Wildcards vergeben. Sollte der Europameister bereits über die Top 7 oder den SGP-Challenge qualifiziert sein, wird eine vierte Wildcard vergeben.

 
 
 

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