Riss trotz Defektserie wieder Weltmeister
Erik Riss gewinnt in Marmande die Langbahn-WM, muss auf dem Weg dorthin aber einen Defekt- und Nervenkrimi überdauern.
Erik Riss ist wieder Langbahnweltmeister. Zum dritten Mal. Dem 31-Jährigen aus der Nähe von Memmingen reicht beim Saisonfinale in Marmande ein dritter Platz, um locker den WM-Titel einheimsen.
Riss zeigt sich nach dem Rennen von Emotionen übermannt. Seine Analyse nachts um 3 Uhr, mit ein bisschen Abstand vom Trubel und den mitgereisten 18 Fans, die ihn feierten, lautet: Mit dem Erfolg sei er sehr glücklich; bis zu seinem letzten Vorlauf sei alles gut gelaufen, dort hätte er einen Ausfall gehabt – und damit hätte sich die Defekthexe eingeschlichen.
Was war genau los in diesem Heat?
Ein Schraubenkopf hat den Antriebszahnriemen geschreddert.
Dadurch sei er in der Gesamtwertung vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen. Das hätte ihn in den Hoffnungslauf gezwungen. Und dort wiederum hätte wieder einen Schaden: einen Riss im Auspuffkrümmer und im Auspuff.
Trotzdem gewann er den Last Chance-Heat sicher. Danach musste der gesamte Abgastrakt ausgebaut werden. Auch um zu vermeiden, dass wegen der Risse Teile vom Auspuff abfallen und auf die Bahn purzeln – was einen Ausschluss nach sich gezogen hätte.
Im Hoffnungslauf ging zudem der Schleifschuh kaputt. „Solch eine Defektserie kann ein so emotionaler Mensch wie Erik Riss nicht einfach so wegkehren. Das nimmt ihn unweigerlich mit“, analysiert Begleiter und Partner Jörg Grohmann, der in Marmande mit dabei war. „Andere Fahrer reagieren da nüchterner. Bartosz Zmarzlik etwa schluckt das einfach runter – und gut is’.“

Nach dem Sieg im Hoffnungslauf musste auch noch die Kupplung repariert werden. Weil er auf der Distanz im Last Chance-Heat gespürt hat, dass er immer langsamer wird – wie bereits in Morizès.
Und beim Start vorm Finale fiel Riss auf: Die reparierte Kupplung ist wieder verschmurgelt. Auch da war er über die Distanz immer langsamer. Lukas Fienhage kam ihm immer und immer näher. Doch Riss konnte so gerade eben noch Platz 3 im Finale verteidigen, was sattsam zum WM-Titel reichte.
Nach dem ersten Trubel der Siegerehrung kontierte Riss noch: „Ich hätte natürlich am liebsten jeden Langbahn-Grand Prix gewonnen.“ Aber auch so ist er Weltmeister, mit acht Punkten Vorsprung auf Dave Meijerink. „Er brauchte“, notiert Grohmann, „seine Zeit, aber als wir am Ende zum Hotel gefahren sind, war er denn doch sehr, sehr überwältigt und glücklich.“
Den Sieg in Marmande holte sich Chris Harris vor Dave Meijerink. Damit übernahm Harris auch Rang 3 in der WM.
Und drum wäre es für Fienhage so wichtig gewesen, im Endspurt doch noch an Landsmann Riss vorbeizukommen. Denn der eine Punkt mehr hätte Fienhage in der WM-Tabelle an Harris vorbei auf den Bronzerang geführt.



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