Little Miss Bernstein
- Norbert Ockenga
- 22. März
- 3 Min. Lesezeit
Beim Roloef-Thijs-Pokal in Heerenveen am Freitag nach Ostern betritt eine ganz besondere Fahrerin die internationale Eisspeedwaybühne: Amber Kramer.
Lange überlegen muss sie nicht, warum sie ihr gewechselt hat. Reiten, lächelt Amber Kramer, sei ihr im Vergleich zu Eisspeedway einfach deutlich zu langsam. Und so legt die Niederländerin im zarten Alter von 21 in diesem Winter ihr Debüt in der brachialsten Disziplin ab, die es in der weiten Welt des Motorsports überhaupt nur gibt.
Kramer ist nicht die erste Frau auf Spikes, Annica Karlsson und Eleonore Dyvinger gehören ebenfalls zu den festen Größen des Sports. Karlsson fährt immer noch, Dyvinger ist im Teammanagement und im Vereinsleben von Strömsund engagiert.
Doch Kramer ist anders, eine Ausnahmeerscheinung im Fahrerlager. Ihre langen blonden Haare und ihre zarten Gesichtszüge lassen sie ebenso auffallen wie ihre gertenschlanke Figur. Sie könnte auch als Model punkten – sitzt aber meist auf einem der Motorräder ihres Bruders Leon Kramer oder schäkert mit dessen Landsmann Sebastian Reitsma.
Ich wohne im Sommer in Holland und im Winter in Schweden. – Amber Kramer
Mit ihren wachen Augen saugt sie alle Eindrücke auf, die sie im Fahrerlager kriegen kann, knüpft Kontakte und lernt die Szene aus der Innenansicht kennen. Bei vier Rennen in Schweden sei sie diesen Winter schon am Start gewesen, hätte aber jeweils nur einen Heat fahren können, blickt sie zurück. Nun steht für die Frau mit dem außergewöhnlichen Vornamen – Amber heißt übersetzt Bernstein – die Feuertaufe an: Im Roloef-Thijs-Pokal steht sie im Hauptfeld.

Die Geschichte von Amber Kramer ist untrennbar verwoben mit jener ihres Bruders Leon. Auch sie ist im Konfirmandenalter mit den Eltern nach Schweden gezogen. „Aber ich kannte die Sprache nicht, fand mich auch in der Mentalität nicht sonderlich zurecht und habe in der Schule deswegen kaum Freunde gefunden“, gesteht sie mit leiser Stimme. „Deswegen bin ich so schnell wie möglich wieder nach Holland gezogen – zu meiner Tante.“
Die wohnt in Friesland, gut 10 Minuten von der Thialf-Eishalle in Heerenveen.
Amber Kramer nimmt einen Job als Putzfrau in einer Firma an, die Putzkolonnen zu großen Häusern schickt. Sie entdeckt das Reiten für sich. Bei einem ihrer Besuche bei Eltern und Bruder in Schweden versucht sie sich auf Geheiß von Leon auf einer von seinen Eisspeedwaymaschinen – und damit ist das Reiten für sie passé. „Die schiere Geschwindigkeit hat mich mitgerissen“, sagt sie. „Das ist der größte Unterschied zum Reiten. Und auf einen Schlag war mir das Reiten zu lahm.“
Mit derselben Konsequenz, mit der sie das Elternhaus zurück in Richtung der Niederlande verlässt, setzt sie sich nun auch für ihr neues Hobby ein. „Ich habe das Pferd verkauft, um Geld für eine eigene Eisspeedwaymaschine zu haben“, lacht sie. „Das Pferd war kaum in den Anhänger getrieben, da hat mein Bruder auch schon angefangen, den Stall in eine Motorradwerkstatt umzubauen.“

Bereits im vergangenen Winter hat sie erstmals auf einem See in Schweden trainiert, dieses Jahr folgten die ersten Rennen. „Ich habe die generelle Fahrdynamik schon verinnerlicht“, gesteht sie. „Aber ich bin noch weit davon entfernt, mit ausreichend Schräglage in die Kurven zu fahren, um wirklich schnell zu sein. Da lerne ich auf jeder Runde noch dazu.“
Das allerdings auch mit jener Entschlossenheit, die sie bei Umzug und Pferdeverkauf an den Tag gelegt hat. Amber Kramer nimmt ihren Einstieg in den Eisspeedwaysport bitter ernst. „Ich wohne jetzt im Sommer in Holland und gehe dann für den ganzen Winter nach Schweden, um dort zu fahren. Deswegen arbeite ich auch in Schweden extra als Putzfrau.“



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