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Metallknäuel für den Hoffnungsträger

Zoltán Lovas etabliert sich bei Rennen in Deutschland als angehendes Toptalent – muss aber auch Rückschläge verdauen.


Zoltán Lovas bemüht sich um Fassung. Und um guten Rat für Kevin Melato zugleich. „Eingangs der ersten Kurve“, sagt der Ungar mit erstaunlich feinsinnigem Englisch, „kommt abrupt eine sehr tiefe Stelle. Ich empfehle dringend, da nicht reinzufahren.“


Dann zeigt er auf eines seiner beiden Motorräder in der ersten Box vom Fahrerlager in Halbmond. Die Gabel sieht aus wie eine Boxernase, das Vorderrad hängt traurig wie verrenkt vorm Motor.


Der Schaden resultiert aus einem Unfall in Lauf 4 beim Störtebeker-Superpokal, bei dem Lovas eine Kissen vom Airfence zum Platzen gebracht hat. Es sei nach einem Unfall in Teterow schon die zweite Gabel, die er nun binnen 24 Stunden wechseln müsse. Melato meint zwar, das sei ja nur halb so wild, solange Lovas noch eine Gabel im Transporter habe. Doch der Ungar sieht das anders. „Das ist nun schon mein fünfter Rahmen dieses Jahr“, seufzt Lovas. „Langsam wird’s ein bisschen zu teuer.“


Lovas fährt erst seine zweite Saison in der Halbliterklasse. Er folgt einer Tradition von Zoltán Adorjan und Zoltán Haijdu, die in Norden zu Zeiten des Eisernen Vorhangs bei der Paar-WM gefahren sind, und Antal Kocsó, Sándor Tihanyi, Norbert Magosi und dem lange Zeit in England fahrenden Robert Nagy, dessen Nachnamen man „Nodsch“ ausspricht.


Das ist schon mein fünfter Rahmen dieses Jahr. – Zoltán Lovas

Lovas folgt auf eine lange Dürre. Er ist 19 und stammt aus Debrezin, einer der wenigen Hochburgen des Speedwaysports in Ungarn. Und für einen Osteuropäer spricht er erstaunlich gut Englisch, dringt sogar in die Feinheiten der Sprache ein. „Ich bin lange 250-Kubik gegen Will Cairns und Cooper Rushen gefahren und habe mit denen viel Zeit unterwegs verbracht“, lächelt Lovas. „Das färbt irgendwann ab.“


Zoltán Lovas gehört zu den perspektivreichsten jungen Fahrern. Foto: Heike Kleene
Zoltán Lovas gehört zu den perspektivreichsten jungen Fahrern. Foto: Heike Kleene

International steht er im Juniorenkader von Wiki Krosno, hat sonst aber keine festen Ligaengagements; in Deutschland nimmt er mit, was er an offenen Rennen kriegen kann: Er war beim Oberkrämerpokal in Wolfslake ebenso dabei wie beim Auerhahnpokal am Abend vorm Bergringrennen in Teterow – und tags drauf, nach mehr als fünf Stunden Nachtfahrt, beim Störtebeker-Superpokal an der ostfriesischen Nordseeküste.


Wo er auftaucht, hinterlässt er einen sehr soliden Eindruck. Man sieht an Auftreten, Ausrüstung und Fahrstil: Da kommt einer, aus dem kann was werden. Vor allem, wenn man seine kurze Erfahrung in der Erste Herren mit ins Kalkül zieht.


Und die Tatsache, dass er einen großen Automobilzuliefererkonzern als Sponsor im Rücken hat, der ihn nicht nur mit Lagern, sondern auch mit Forint ausstaffiert. Um die Relation zu verdeutlichen: Das deutsche Pendant zur ungarischen Filiale des Technikriesen engagiert sich als Sponsor im DTM, also im großen Automobilsport. Das zeigt, wie hoch Lovas in der ungarischen Motorsporthackordnung schon angekommen ist.


Sein größter Erfolg: Die Qualifikation fürs U19-EM-Finale. Doch damit hat sein Weg gerade erst begonnen.


Das beste Motorrad von Lovas in Halbemond ist vorm Halbfinale hinüber. Foto: Heike Kleene
Das beste Motorrad von Lovas in Halbemond ist vorm Halbfinale hinüber. Foto: Heike Kleene

In Norden endet er durch den Einschlag in den Luftfangzaun abrupt. „Mein Nummer 1-Motorrad ist bis zum Heckrahmen kaputt“, bedauert er. „Aber das ist das einzige, das einen Motor von Ash-Tech drin hat.“ Lovas gehört zum Kundenstamm des britischen Tuners, der in Polen ansässig ist, fährt technisch vergleichbares Material wie die Quasi-Werksfahrer von Ashley Holloway in der WM: Brady Kurtz und Dan Bewley etwa.


In Norden hat der Unfallschaden am Ash-Tech-bewehrten Motorrad weitreichende Folgen. Zwar qualifiziert Lovas sich fürs erste Semifinale, schafft aber nicht den Einzug in den Endlauf, obwohl der mit sechs Fahrern ausgetragen wird. Stattdessen rollt der Schlacks aus Nördlichen Großen Tiefebene „Észak-Alföld“ in der Puszta im Halbfinale aus. „Ich habe schon nach dem Start gemerkt, dass es keine Sinn gehabt hätte, da mitzukämpfen“, gesteht Lovas. „Denn der Motor in meinem zweiten Motorrad stammt von überhaupt keinem Tuner – sondern ist nur ein GM mit Originalteilen von Werk, den ein ungarische Motortechniker einfach nur zusammengeschraubt hat, ohne etwas daran zu verbessern. Dem Motor fehlt es also an allem. Ich verwende den nur, um auf meiner Heimbahn zu trainieren und mein generelles Fahrgefühl zu verbessern. Aber für einen echten Wettbewerb ist der einfach zu schwach.“

 
 
 

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