Mit Moral, aber ohne Titelchance
Die gerupften Deutschen verkaufen sich bei der Team-WM auf der Langbahn ihrer Haut teuer, können aber im Kampf um den Titel nicht mitreden.
Den Versuch war’s wert. Und eine andere Wahl hatte Teammanager Jörg Tebbe ohnehin nicht, nachdem Martin Smolinski und Erik Riss sich für die Langbahn-Team-WM am Sonntag in Roden nicht zur Verfügung gestellt hatten.
Also bemühten Tebbe und der im Hintergrund immer noch emsig und segensreich mitwirkenden ehemalige Teammanager Josef Hukelmann den Teamgeist – nach dem Vorbild, mit dem erst in diesem Winter auch die deutsche Eisspeedwaynationalmannschaft mit einer vermeintlich schwächeren Aufstellung Bronze geholt hatte.
Hukelmann fühlte sich nur an Heerenveen erinnert, sondern auch an einen dritten Platz in der WM auf der Langbahn, den die deutschen ebenfalls als Underdogs geholt hatten: 2018 in Morizès, als Jörg Tebbe, Lukas Fienhage, Danny Maaßen und Jens Benneker eine dezimierte Rumpfmannschaft vertraten. „Wie die sich damals zusammengerauft haben und mit einer unheimlichen mannschaftlichen Geschlossenheit Bronze geholt haben“, schwärmt der damalige Teammanager Hukelmann noch am Vorabend des Finals 2026, als er in Cloppenburg bei der Night of the Fights ist – „daran erinnere ich mich noch genau so gerne wie an die vielen WM-TItel, die wir in diesen Jahren auf der Langbahn geholt haben. Das war eine ganz besondere Atmosphäre und Teamleistung damals.“
Auch damals stand Martin Smolinski, anders als in den Vorjahren und den Jahren drauf, nicht in der Mannschaft. Genau wie am Sonntag in Roden. Und nach dem diesjährigen Finale bilanzierte Teammanager Jörg Tebbe: „Natürlich war ihre Nervosität am Anfang zu spüren, aber es gab weder Reibereien noch Missgunst oder sonst was. Alle drei haben sich sehr gut eingegliedert, und wir konnten ohne Druck auffahren.“
Das Trio, auf das Tebbe sich bezieht, sind die jungen Neulinge Dominik Werkstetter sowie Fabian und Timo Wachs. Deren Gemeinschaftssinn passte in Roden genau zur Einstellung von Mannschaftskapitän Lukas Fienhage, dem einzigen Fahrer mit echt belastbarer WM-Erfahrung.
So war denn in Roden wie 2018 in Morizès vor allem die Geschlossenheit und konstruktiv gute Stimmung mit einhergehender Zusammenarbeit hinter den Kulissen auffällig. Fast wäre die Hoffnung von Hukelmann sogar aufgegangen. Doch zwei Nuller kosteten die Deutschen am Ende einen durchaus möglichen dritten Rang.

Timo Wachs schied im Duell gegen die Finnen wegen eines Kupplungsschadens schon vor dem Start aus, denn seine Ersatzmaschine traf sich rechtzeitig am Fahrerlagerausgang ein. Und Dominik Werkstetter verlor einen möglichen deutschen Höchstsieg gegen die Norweger, die für die Tschechen ins Feld nachgerückt waren: Fienhage, der im Laufe des Tages punktbester Einzelfahrer der versammelten Konkurrenz werden sollte, fuhr einen seiner fünf Laufsiege ein, Timo Wachs wurde Zweiter – doch Werkstetter disqualiziert. Der Bayer hatte auf der tiefen Bahn schlagartig unfreiwillig Griff gefunden und war deswegen nach außen, über die Bahnbegrenzung hinweg, katapultiert worden.
In Roden steht die Bande nämlich nicht direkt an der Bahn, sondern erst hinter einer breiten Auslaufzone. Und die ohnehin schon recht anspruchsvolle und schwere Bahn hatte vorm WM-Finale noch zusätzlich gelitten: Sie stand noch am Abend vorm Rennen komplett unter Wasser, weil es rund um Groningen ergiebig geregnet hatte. Zum WM-Finale war sie zwar ohne Mängel fahrbar, aber in den ersten Heats noch an manchen Passagen heikel. Nicht nur Werkstetter passierte das Malheur des Überschießens, sondern zuvor auch schon Kenneth Kruse Hansen im Duell mit den Deutschen.
An der Spitze entbrannte das erwartete Duell zwischen den Niederländern und Großbritannien. Die ausschließlich aus Engländern besetzten Briten schienen die Nase vorn zu haben. Doch ausgerechnet im Finale, im beinharten Duell gegen Lokalmatador Dave Meijerink, erlitt Chris Harris in Führung liegend einen Motorschaden – sodass die Gastgeber mit Meijerink, Romano Hummel, William Kruit und Mika Meijer den Titel vor den Briten Harris, Zach Waijtknecht, James Shanes und Jake Mulford holten.
Frankreich wurde Dritter, obwohl – oder weil – sich Jordan Dubernard vorher abgemeldet hatte. Der leidet seit einiger Zeit unter technischen Gebrechen und fühlte sich auch gesundheitlich nicht wohl. Tino Bouin lieferte sich im Duell gegen Deutschland einen harten Zweikampf gegen seinen Schwager Lukas Fienhage, der gerade erst volljährige Noah Urda gewann sogar einen Heat – sodass die Franzosen vor den Dänen und den Deutschen Dritte wurden.



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