Nach Ben Iken? Eben kieken
- Norbert Ockenga
- vor 10 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Sucht sich Trainer und Instruktor Meik Lüders gleich einen neuen Schützling?
Eigentlich schwelte der Plan schon vorher. Dann kam Ben Iken dazwischen, und für den schmiss Meik Lüders sein Vorhaben wieder über den Haufen. Doch jetzt, wo der Ostfriese sein Karriereende beschlossen hat, steht für Lüders fest: „Für einen Fahrer mich so wieder reinhängen – das will ich nicht mehr. Ich bin jetzt 58, 51 Jahre davon im Bahnsport dabei. Was ich da an Kilometern runtergejagt habe für René Deddens, Onno Rykena, René Schäfer und zuletzt Ben Iken – das möchte ich nicht mehr. Dann kann ich lieber hier meine Lehrgänge machen.“
Die Argumente, die der Gestalter im Motodrom Halbemond ins Feld führt, hat er genau so auch schon vor dem Aufstieg von Ben Iken mit seiner Frau Wiebke besprochen. Jetzt kramt er sie wieder hervor: „Ich habe mit Wiebke grob überschlagen, wie viele Kilometer ich in meinem Leben für den Bahnsport auf der Autobahn und wie viele Stunden ich im Stau verbracht habe – das reicht jetzt.“
Wie viele Kilometer ich auf der Autobahn und wie viele Stunden ich im Stau verbracht habe… – Meik Lüders
Was beileibe kein Abschied vom Speedway oder auch nur von den Trainingsstunden im Motodrom Halbemond darstelle, differenziert Lüders: „Ich werde mein Ding hier weitermachen. Und ich werde die Jungs, die zu mir kommen, auch weiterhin nach Kräften unterstützen. Aber so dass ich mit einem Fahrer überall zu den Rennen hin mitreise – nein, das mache ich nicht mehr.“

Iken hatte zuvor erklärt, dass er nach seiner aktuellen Verletzungspause nicht mehr zurückkehren wolle – obwohl sein Zweitligateam, die Inn-Isar-Devils, ihn bei ihrem Kampf um den Titel in der Landshuter One-Solar-Arena am 25. September gut hätten gebrauchen können. Zumindest in Bestform.
Aber da ist er nach eigenen Antworten noch weit von ab. „Natürlich“, führt Iken in einem Podcast von bahndienst.com und der Zeitschrift PITWALK als Gründe für den plötzlichen Abgang an, „zum einen meine momentane Verletzung, mit der ich noch ziemlich zu kämpfen habe. Ich habe noch immer keine richtige Diagnose.“ Lüders ergänzt: „Er ist wegen der Knieuntersuchung raus gewesen. Nach seinem Crash in Ludwigslust hatte er es im Rücken, und dazu noch die Knieprobleme, die er aber schon länger hatte. Das wurde so schlimm, dass der Arzt und gesagt hat: ‚Wenn er nichts tut, hätte er mit 30 künstliche Knie.‘“
Über allem schwebte aber die globale Überlegung, ob Iken eine echte Perspektive als Vollprofi haben könnte. „Wir hatten abgemacht, nach drei Jahren zu gucken, ob es als Profi geht oder nicht geht. Denn nach drei Jahren kann man das realistisch abschätzen“, verrät Lüders. „Wenn nicht, würde er in die Firma zurückgehen. Jetzt hat er sich da Gedanken zu gemacht und gesagt: ‚Es ist ja auch ein schwerer Weg.’ Es hätte ihm Spaß gemacht. Aber jetzt würde er lieber die Laufbahn einschlagen. War nicht leicht für ihn, die Entscheidung.“
Iken bestätigt: „Mit an oberster Stelle steht die berufliche Zukunft. Ich möchte mich mehr in den väterlichen Betrieb mit hineinorientieren und dort meine Karriere machen. Ich möchte noch die Meisterschule besuchen und den Meister machen, dann mehr in die Firma mit einsteigen. Da geht nicht Beides. Gerade mit der Meisterschule muss man sich auf eines fokussieren.“
Was gleichzeitig eine alternative Laufbahn als Edelamateur bei deutschen Liga- und offenen Rennen neben dem eigentlichen Job in der elterlichen Klempnerei und Installationsfirm ausschließt.
Der Weg als Vollprofi schien für Iken nicht mehr realistisch. In einer Geschichte in der Zeitschrift PITWALK von vor zwei Jahren hatte er seinen Plänen Ausdruck verliehen, über seinen damaligen Tuner Otto Weiß und dessen Draht zu Sparta Breslau in die Juniorenförderung des polnischen Traditionsvereins integriert werden zu können. Das hat sich aber nie ergeben, auch andere Türen nach Polen öffneten sich nicht. Aus England hatte Peter Schroeck, der Promoter des einstigen Erst- und Zweitligisten Oxford, auf Anfrage von Lüders zwar Interesse an Iken signalisiert. Doch als Oxford sich nur noch auf die zweite Liga konzentrierte, erlosch auch das. Iken kam lediglich zu einem Engagement in je einer Zweitligamannschaft in Dänemark und Schweden. Das aber kann bestenfalls als Tritt- und Sprungbrett zu einer echten internationalen Karriere mit mindestens einer Mannschaft in Polen und England dienen, sonst trägt sich eine Profilaufbahn finanziell nicht.
Dass sich das nicht abzeichnete, erkannte auch Iken: „In meiner Position wäre es nötig gewesen, eine stetige steigende Leistungskurve zu haben. Das brachte einen ziemlichen Druck mit sich, den Erwartungen gerecht zu werden und die Leistungen permanent abzurufen. Das ist auch ein Grund, dass mir das zu viel wurde.“



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