Nicht völlig schmerzfrei
- Norbert Ockenga
- vor 10 Stunden
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Martin Haarahiltunen wird trotz seiner Rippenprellung bei den Großen Preisen in Inzell an den Start gehen.
Für so etwas gibt es in der Physiotherapie den Begriff „Schonhaltung“ und es ist alles eine Frage der Übung. Wer selbst schon Mal eine Rippenprellung hatte, der weiß: Die Verletzung ist derart schmerzhaft, dass man aus eigenem Antrieb und ohne Hilfestellung vor lauter Pein nicht mehr aus dem Liegen aufstehen kann. „So ist es mir zu Anfang auch gegangen“, gesteht Martin Haarahiltunen. „Aber nach ein paar Tagen weiß man, wie man sich drehen und wenden muss, um mit geringste möglichen Schmerzen hochzukommen.“
Trotzdem ist der amtierende Eisspeedwaydauerweltmeister noch nicht aus dem Gröbsten raus. „Krankgeschrieben war ich nur eine Woche, danach bin ich wieder zur Arbeit gegangen“, lächelt der Test- und Entwicklungsingenieur für Militärfahrzeuge der schwedischen Armee. „Aber alles machen kann ich da noch nicht: Ich kann mir zwar angucken, was die Daten zeigen. Doch selbst durch die Fahrzeuge zu krabbeln und auf Probleme zu beheben – das geht noch nicht.“
Ich war vor acht Tagen noch Mal im Krankenhaus. – Martin Haarahiltunen
Denn die Prellung der neunten Rippe tut immer noch weh. Dabei handelt es sich um eine sogenannten Unechte Rippe, die nicht mit dem Brustbein verwachsen ist, sondern frei in den Bauchraum hinein ragt. „Laufen kann ich inzwischen problemlos, Joggen dagegen wohl noch“, schraffiert Haarahiltunen. „Ich habe keine Operation gebraucht und auch kein Korsett tragen müssen, sondern sollte mich einfach nur schonen und ruhig halten – aber das ist leichter gesagt als getan.“
Den Gelben Schein hätte er auch weniger wegen der Rippe abgegeben – sondern vor allem wegen der Einblutung in die Milz. „Ich wusste nicht, ob das ein Riss in der Milz war – oder nur eine Prellung. Dass eine Prellung – quasi ein Blauer Fleck auf der Milz – schneller verheilt als ein Riss, war nun mein Glück.“

Denn ein weiterer Arztbesuch hat inzwischen die Gewissheit gebracht: Die Milz ist verheilt. „Ich war vor acht Tagen noch Mal im Krankenhaus, weil ich enorme Schmerzen in der Bauchhöhle hatte. Dabei haben die Ärzte sich alle Organe in der Region angeschaut, auch auf Röntgenbildern und Ultraschall – und gesehen, dass die Milz inzwischen vollständig ausgeheilt ist.“
Deswegen sei nun auch sicher, dass Haarahiltunen in Inzell beim Auftakt der Eisspeedway-WM an den Start gehen werde. „Die Ärzte haben die Ursachen für die Schmerzen im Bauchbereich nicht gefunden. Dabei haben sie sogar geschaut, ob ich mir vielleicht einen Bandscheibenvorfall oder andere Rückenwirbelverletzungen zugezogen hätte. Aber da war auch nix. Sie haben mir zwar angesehen, dass ich Schmerzen haben muss – aber woher die kommen, weiß man immer noch nicht.“
Eisrennfahrer sind generell schmerzunempfindlich und auch wenig zimperlich, das gilt auch für Haarahiltunen. Die Milzblutungen hatten ihn vor allem deshalb besorgt, weil er zu Motocrosszeiten schon Mal einen Milzriss davon getragen hatte – und nach der Wiederaufnahme der Arbeit damals danach gleich einen zweiten.
Die Schmerzen von Rippenprellung und im Bauchbereich hauen ihn dagegen nicht um. „Die Ärzte haben mir Morphium und Paracetamol gegeben, seitdem haben die Schmerzen schon nachgelassen.“
Ein Start in Inzell stehe nicht mehr infrage. „Ich habe seit dem Sturz nicht mehr auf einem Motorrad gesessen, weil ich nichts riskieren wollte. Aber ich habe im Alltag sehr wohl alle möglichen Positionen und Körperhaltungen rausgefunden, wie ich möglichst schmerzfrei aufstehen und mich bewegen kann.“



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