„Nur ein paar Spikes im Bein“
- Norbert Ockenga
- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Die Niederländer konnten ihre Rolle als Geheimfavorit bei der Eisspeedway-Team nicht ausfüllen. Das sind die Gründe.
Den Ausfall hat kaum einer mitbekommen. Doch auch die Niederländer mussten im Finale der Team-WM am Sonntag in Heerenveen de facto ohne Ersatzfahrer auskommen. Leon Kramer war zwar in seiner Box, voll aufgeschürft und scheinbar bereit für die Einwechslung. Doch so richtig auf dem Damm war der dritte Oranje nicht. „Ich habe gemerkt, dass ich Konzentrationsprobleme hatte und beim Denken nicht schnell genug im Kopf war“, gesteht Kramer. „Deswegen habe ich den Teammanagern gesagt, dass ich nicht fahren möchte, wenn’s nicht unbedingt nötig ist.“
Kramer hatte zuvor zwei hektische Tage verlebt, die Benautheit am Sonntag war eine direkte Folge eines Sturzes im Grand Prix am Samstagabend zuvor: „Da ist mir beim Einbiegen in die Kurve plötzlich jäh die Traktion am Hinterrad abgerissen. Bevor ich mich’s versah, lag ich auch schon in den Ballen.“
Außer „ein paar Spikes in den Beinen“ und einer spürbaren Verlangsamung des Denkvermögens sei ihm nichts Schlimmes passiert. „Und ich wollte nicht, dass die Ärzte das nähen; ich wollte nur es nur verbunden wissen.“
Nach dem Unfall mit Martin Posch war es nicht mehr mein Rennen. – Sebastian Reitsma
Eigentlich hatte Teammanager Fedde de Boer vorgehabt, seine drei Fahrer durchzurotieren. Die Breegenklöterigkeit von Kramer vereitelte das. Dabei hätte er eine tragende Rolle spielen können. Denn Sebastian Reitsma fand keinen Zugriff aufs Rennen. „Dabei hatte eigentlich jeder im Team ein gutes Gefühl. Wir hatten den Eindruck:, alles sei möglich“, hadert der 19-Jährige. „Aber ich habe die Maschine einfach nicht in den Griff gekriegt – bei der Aufhängung und den Reifen. Es war so schwer am Sonntag, das Eis war so hart. Dann habe ich auf meine Reservemaschine gewechselt – und daraufhin ist gleich der Unfall mit Martin Posch passiert. Danach war es nicht mehr mein Rennen. Ich hatte kein Vertrauen ins Eis oder ins Motorrad.“

Eine Einwechslung von Kramer, der bereits im Roloef-Thijs-Pokal wegen Kompressionsverlust und einer zerdrückten Zündkerze samt Kappe auf seine Ersatzmaschine mit schwächerem Motor und Riementrieb hatte wechseln müssen, kam nicht infrage.
So blieb Jasper Iwema für die Heimmannschaft weitgehend auf sich allein gestellt. Der hagere frühere Rundstreckenfahrer aus Erica überzeugte mit seiner Solodarbietung, konnte sogar den späteren Weltmeistern aus Finnland einheizen. Aber als Solist war an Bronze nicht zu denken. „Ganz persönlich war der Sonntag ein ganz guter Tag – von meinem Fahren her. Ich habe schön gekämpft mit Max Koivula und Heikki Huusko“, bilanziert Iwema. „Ich habe gute Punkte zusammengefahren. Aber leider hat Sebastian Probleme gehabt. Von meiner Seite war es ein positiver Tag. Der Samstag war noch nicht perfekt – das war Sonntag besser.“



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