Per aspera ad astra
Alle drei Hauptdarsteller der U21-WM mussten sich bis zur Titelvergabe in Vojens am Freitagabend durch Verletzungen und Schmerzen kämpfen.
Mikkel Andersen ist neuer U21-Weltmeister. Der 18-jährige Däne gewann am Freitag im heimischen Vojens die SGP2-WM und sicherte sich damit als erster Däne seit Michael Jepsen Jensen 2012 den Titel in der Nachwuchsweltmeisterschaft.
Andersen hatte vor dem Finale mit 38 Punkten die Gesamtwertung angeführt. Sein einziger verbliebener Konkurrent um Gold, Maksymilian Pawełczak, verpasste jedoch die Qualifikation für die Hoffnungsläufe. Damit stand Andersen bereits nach fünf regulären Läufen als Weltmeister fest. Er beendete die Serie mit 46 Punkten.
Im Kampf um die weiteren Medaillen setzte sich ebenfalls ein Däne durch: Nicolai Heiselberg gewann das Finale in Vojens und holte mit insgesamt 42 Punkten Silber. Der Pole Wiktor Przyjemski, SGP2-Weltmeister von 2024 und -Vizeweltmeister von 2025, wurde in Vojens Zweiter und sicherte sich mit 38 Punkten Bronze.
Für Andersen war der Titel der Abschluss einer schwierigen Saison. Bei der Paar-WM der U21-Junioren in Prag hatte er sich am 22. Mai ein Wadenbein gebrochen. Nach der Rückkehr auf die Rennbahn arbeitete er sich wieder an die Spitze heran und gewann nun den wichtigsten Titel im Juniorenspeedway. „Ich muss das alles erst noch sacken lassen. Aber ich weiß, wie hart wir die ganze Saison über genau dafür gearbeitet haben“, strahlt Andersen. „Es war ein schwieriges Jahr für mich, deshalb ist das eine große Erleichterung. Ich kann gar nicht sagen, wie viel mir das bedeutet. Es ist unglaublich.“
Sein Dank galt vor allem seinem Umfeld: „Alle Menschen um mich herum haben großartige Arbeit geleistet. Ich kann ihnen gar nicht genug dafür danken. Nach einer Verletzung zurückzukommen und eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist für mich einfach riesig.“
Auch sportlich musste Andersen im Finale eine kritische Phase überstehen. In seinem vierten Lauf, dem 13. Rennen des Abends, stürzte er und wurde ausgeschlossen. Damit war sein Platz in den Hoffnungsläufen zunächst gefährdet. „Ich hatte eine gute Geschwindigkeit, aber nach dem Bahndienst war es nicht mehr so gut. Die Bahn wurde ohnehin schon ziemlich glatt, dann kam noch das Wasser dazu. Das Vorderrad rutschte weg, und ich lag auf dem Boden“, erklärt er.
Weil Andersen zuvor bereits wichtige Punkte gesammelt hatte, blieb seine Ausgangslage dennoch offen. „Es war weiterhin möglich, einen der Hoffnungsläufe zu erreichen. Ich musste mein Bestes geben. Es war ein enger Kampf – aber es war gut, etwas Action zu haben.“
Andersen ist der erste U21-Weltmeister, der zuvor auch die SGP3-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Diese wird für Fahrer unter 16 Jahren auf 250-Kubikmotorrädern ausgetragen.
Ich habe noch drei Jahre in der U21, deswegen denke ich noch nicht an den Grand Prix. – Mikkel Andersen
Andersen gilt bereits als möglicher künftiger Grand Prix-Fahrer. Den Aufstieg in die höchste Klasse will er jedoch nicht überstürzen. Neben dem Titel gewann er 2025 bereits Bronze in der SGP2. „Ich bin erst 18 und habe noch viele Jahre vor mir. Ich habe noch drei Jahre in der U21, deshalb denke ich im Moment nicht so sehr an den großen Speedway-Grand Prix“, rückt der Däne zurecht. „Das ist ein Ziel, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ich gehe Schritt für Schritt vor. Ich möchte diesen Titel noch viele weitere Male gewinnen.“
Nicolai Heiselberg musste auf dem Weg zur Silbermedaille ebenfalls Verletzungsprobleme überwinden. Der Däne war im Finale der zweiten SGP2-Veranstaltung am 31. Juli in Lodz gestürzt und hatte sich dabei am Fuß verletzt.
Trotz anhaltender Schmerzen gewann der 20-Jährige vom MSC Cloppenburg, der im Dezember 21 wird, das Finale im dänischen Nationalstadion. Für Heiselberg war es zugleich seine letzte SGP2-Saison. „Ich bin sehr glücklich über die Silbermedaille, weil ich nach meiner Verletzung in Lodz nicht gedacht hatte, dass ich es schaffen würde. Ich freue mich, auf einer dänischen Bahn gewonnen zu haben“, konstatiert er.

Vor dem Finale sei er sehr nervös gewesen: „Ich dachte nicht, dass ich so weit kommen würde. Während des gesamten Rennens hat mein Fuß sehr stark geschmerzt. Deshalb ist das ein großartiges Ergebnis.“
Wiktor Przyjemski musste die zweite Runde in Lodz verletzungsbedingt auslassen. Die Verletzung hatte er sich im Juli beim polnischen U21-Finale in Bromberg zugezogen. Zuvor hatte der Pole die erste Runde im schwedischen Målilla gewonnen. In Vojens sammelte er 18 Punkte und wurde Zweiter des Abends. Über die beiden Rennen, die er bestreiten konnte, verlor Przyjemski damit lediglich zwei Punkte. Am Ende fehlten ihm acht Zähler auf Andersen.
Auch 2025 waren seine Titelchancen durch eine Verletzung beeinträchtigt worden. Entsprechend erleichtert war der Pole, seine SGP2-Karriere mit einer Medaille zu beenden. „Ich bin mit allem, was ich heute gemacht habe, sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr hätte tun können. Glückwunsch an Mikkel“, deklamiert Przyjemski.
Im Speedway brauche man manchmal auch Glück: „Ich hatte in dieser und in der vergangenen Saison nicht viel Glück. Ich hätte Gold gewinnen können. Es ist wirklich schade, dass ich in Lodz nicht fahren konnte, aber mit meiner Leistung heute bin ich sehr glücklich. Deswegen bedeutet mir Bronze heute mehr als die Goldmedaille vor zwei Jahren.“
Nach dem Ende seiner SGP2-Zeit richtet Przyjemski den Blick auf die höchste Speedwayklasse. Sein nächstes Ziel ist eine Wildcard für den Speedway-WM-Saison 2027. „Ist der Speedway-Grand Prix das Ziel? Ja. Ich würde mich freuen, eine Wildcard für die Saison 2027 zu bekommen“, sagt der Pole. „Das war mein Ziel, seit ich mein erstes Mini-Speedwaymotorrad hatte.“
Beim Finale in Vojens erhielt Przyjemski Unterstützung von Bartosz Zmarzlik. Der Dauerweltmeister aus Stettin half ihm bei der Abstimmung und bei der Suche nach Geschwindigkeit auf der dänischen Bahn. „Ich erinnere mich noch daran, wie ich Bartosz Zmarzlik bei seinem ersten Weltmeistertitel beobachtet habe. Ich möchte ihm dafür danken, dass er heute Abend mit mir im Fahrerlager war. Er hat mir sehr geholfen, auf dieser Bahn schnell zu sein.“



Kommentare