Solo für Zwei
Legionärswesen und fehlende Pärchenbildung prägen den Deutschen Paarcup in Wittstock.
Von der Vorfreude ist nicht viel übrig geblieben. „Vom Unterhaltungswert und vom Titel, der in meinem Kopf umschwirrt, war das schwere Kost“, bilanziert Michael Czechan vom Podcast „Startband“ nach dem Deutschen Paarcup in Wittstock am Freitagabend.
Der Rügener ist überzeugter Anhänger vom Paarfahren als höchste und eleganteste Form des Motorsports überhaupt, entsprechend auch begeistert vom Format der Bundesliga – und dieses Zusammenspiel zweier Partner, die sich auf der Bahn helfen und im Formationsflug rumsegeln, hätte man sich auch von den 28 Läufen in Wittstock gewünscht.
Doch, schildert Czechan aus dem Stadion in Brandenburg, erst in Lauf 16 hätte man zum ersten Mal klassisches Paarfahren beobachten können. „Bis dahin war’s nicht viel mit Zweikämpfen.“
In heat 16 treffen Thies Schweer und Mika Frehse für den MSC Moorwinkelsdamm auf Jonny Wynant/Erik Pudel für das Speedwayteam Wolfslake. Mowi’damm kämpft zu dem Zeitpunkt gegen den MC Güstrow um den dritten Rang.
Schweer und Wynant beharken sich über mehrere Runden, bis der junge Friese Vortrieb kriegt und Wynant satt vors Vorderrad fährt. Wynant seinerseits gerät sich noch mit seinem Teamkollegen Pudel ins Gehege, beide stürzen, bleiben unverletzt und handeln sich so eine 3:6-Niederlage ein. Denn der Schiri wertet das Rennen mit Eingang der letzten Runde, aber ohne Wynant, statt abzubrechen und neu starten zu lassen.
An der Spitze wird das Rennen, das wegen einer Reparatur am Luftfangzaun mit 20 Minuten Verzögerung begonnen hat, zu einem innenbayerischen Duell. Auch deswegen, weil der MC Güstrow eine Einwechslung seines Ersatzfahrers Tyler Haupt für Carlos Gennerich zu spät gemeldet hat. Haupt gewinnt zwar vor Teamkollegin Hannah Grunwald und den beiden Mowi’dammern Frehse/Schweer, wird aber wegen des Wechselfehlers ausgeschlossen, sodass die Friesen sich in der Laufwertung gegen die Mecklenburger durchsetzen.
Entweder fahren wir mit unseren eigenen Jungs – oder gar nicht. – René Eberhardt
Dem Rückstand auf den AMC Haunstetten, der sich Martin Smolinski/Valentin Grobauer angelacht hat, und Inn-Isar-Racing mit Celina Liebmann/Lars Skupień ist für die Güstrower nicht mehr einzuholen. Güstrow kann aber Moorwinkelsdamm und den MC Post Leipzig, in dem Magnus Rau ordentlich auf die Pauke haut, im Ringen um Rang 3 hinter sich lassen. Obwohl auch Carlos Gennerich im sechsten Lauf in Führung liegend stürzt, zwar wieder aufklaubt, aber nicht ins viel kommt.
Während Liebmann nach drei Durchgängen wegen technischer Probleme auf ihre Reservemaschine umsatteln muss, robben sich Grobauer/Smolinski immer weiter davon. Smolinski beißt sich dabei in Lauf 8 beinahe an Junior Magnus Rau die Zähne aus. „Das war ein wunderbarer Zweikampf über zwei Runden“, schwärmt Czechan aus dem Stadion. „Letztlich macht Smolinski das sehr geschickt und sticht mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit innen rein, worüber sich Rau sichtlich erschrocken hat. Das war der erste ansehnliche Lauf nach einem bis dahin ereignislosen Abend.“

Grobauer/Smolinski gewinnen letztlich mit 47 Punkten sicher vor Liebmann/Skupień mit 39 und dem Güstrower Trio mit 34 Zählern.
Den ausführlichen Podcast zum Wittstocker Paarcup könnt Ihr Euch hier anhören:
Czechan fiel zwar auf: „Es kam eine schöne Grüppchenbildung im Publikum. Du siehst hier wirklich Lager von Wolfslake und von manchen anderen Vereinen; Neubrandenburg ist natürlich im großen Stil vertreten – das sieht man sonst im deutschen Speedway nicht. Für Wittstocker Verhältnisse ist es relativ voll. Deutlich über dem Durchschnitt von dem, was hier sonst so kommt.“
Dennoch sei bei ihm nicht nur wegen der weitgehend fehlenden Pärchenbildung ein fader Beigeschmack geblieben: „Du hast ein riesiges Leistungsgefälle gesehen bei den Paaren. Und dadurch, dass du dir deine Fahrer als Verein quasi zukaufen kannst, hat die Veranstaltung ein bisschen an Wertigkeit verloren.“
In der Tat: Schon die Sieger Haunstetten haben sich im Fußballstil mit Legionären aus Olching und einem aus Pocking verstärkt. Inn-Isar, Güstrow und Mooriwnkelsdamm sind authentisch, die folgenden Vereine gemischt. Erst Neubrandenburg setzt dann wieder auf Eigengewächse: Jasper Schiebe/Fiete Marquart und Ersatzmann Bruno Preibisch fahren 18 Zähler ein und werden Letzte. Klubchef René Eberhardt, die andere Hälfte im „Startband“-Podcast, hatte bereits im Vorfeld avisiert: „Für uns war klar: Entweder wir fahren dort mit unseren eigenen Jungs – oder wir fahren gar nicht. Für ein einzelnes Rennen Fahrer von außen zu verpflichten, nur um auf dem Papier stärker zu sein, war für uns keine Option. Wir wollen zeigen, wofür unsere Nachwuchsarbeit steht.“



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