Rückkehr an den Ort des Schreckens
- Norbert Ockenga
- vor 2 Tagen
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Für Daniel Spiller stellte das Grasbahnrennen in Bad Hersfeld eine besondere Rosskur vor dem Langbahn-Grand Prix von Scheeßel dar.
Es war die Rückkehr an den Ort des Schreckens, und Daniel Spiller hatte ganz schön damit zu kämpfen. „Meine Nervosität war groß“, gesteht Spiller in seinem sehr persönlichen Rückblick auf das offene Grasbahnrennen in Bad Hersfeld.
Denn vor einem Jahr ist der Kampf um den „Goldenen Lullusglocken-Pokal“ der Kreisstadt Bad Hersfeld, benannt nach dem englischstämmigen Stadtgründer Lullus, für Spiller in einem schweren Unfall geendet: Sein Motorrad überschlug sich in der Südkurve zwei Mal in der Luft, er wurde von einem Hintermann torpediert und schwer an Schulter und Rücken verletzt, seine Saison war gelaufen.
Auch jetzt finden die die Rennen vorm Laufholz unterhalb des Johannesberges wieder kurz vorm Langbahn-Grand Prix in Scheeßel statt. Dort, auf der Zevener Geest, ist Spiller einer von drei deutschen Stammfahrern im WM-Feld – nachdem er im Vorjahr nur reichlich blass um die Nase als Zuschauer auf den Naturtribünen des Eichenrings gesessen hatte.
Zwischen Bad Hersfeld und Scheeßel gerät Spiller ins Grübeln. „Unfälle haben mich in der Vergangenheit mental nie groß beeinflusst. Aber an die Strecke zurückzukehren, an der meine erste Grand Prix-Saison durch einen unverschuldeten Unfall vorzeitig beendet wurde, war eine andere Herausforderung“, gesteht er. „Ich hätte nicht gedacht, dass mich das beschäftigen würde. Aber ehrlich gesagt hat es das doch getan.“
Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so sehr beschäftigen würde. – Daniel Spiller
Spiller geht den Rennabend unter Flutlicht mit einer gewissen inneren Zerrissenheit an. „Einerseits war da ganz bewusst das Vertrauen in mich selbst – das Wissen, dass ich ein guter Racer bin und auf meine Fähigkeiten vertrauen kann. Gleichzeitig war da unterbewusst aber auch der Gedanke, nicht wieder durch den Fehler eines Anderes aus dem Rennen gerissen werden zu wollen. Ich habe viel Arbeit darin investiert, zu verstehen, wie mein Kopf funktioniert, und zu lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Das hat mir am Abend in Bad Hersfeld definitiv sehr geholfen.“

So wird denn das Flutlichtrennen nicht nur zu einem Wettkampf, sondern zu einer Art Rosskur, durch die Spiller rechtzeitig vorm WM-Auftakt die restlichen Dämonen des Unfalls verscheucht hat. „Es gab ein paar Momente, in denen ich mehr herausholen können“, bilanziert er nach dem fünften Platz in der Gesamtwertung. „In meinem dritten Heat hatte ich den Start gewonnen, bevor das Getriebe in den Leerlauf sprang. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden – und, noch wichtiger, stolz darauf, wie ich den Abend gemeistert habe: an dieser Strecke alles auszublenden, mir selbst zu vertrauen und so zu fahren, wie ich es sonst die ganze Saison über getan habe, war eine große Erleichterung.“
Vor dem WM-Einstand an der Hansalinie zwischen Bremen und Hamburg am Sonntag zählt der DM-Dritte von Mühldorf damit zum erweiterten Favoritenkreis. „Meine bisherigen Ergebnisse in dieser Saison zeigen“, gibt Spiller sich überzeugt, „dass ich motiviert, gut vorbereitet und vor allem mental bereit für die Herausforderung zurückgekommen bin.“



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