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Rückkehr mit Karacho

Wieso Harald Simon nach drei Jahren Pause wieder Eisspeedway fährt und was er nach seinem furiosen Comeback in Schweden weiter vorhat.


Es ist eine jener Geschichten, die so nur im Eisspeedway passieren können. Mit 58 Jahren hat sich Harald Simon an der europäischen Spitze zurückgemeldet – einfach so, aus Bock und weil ein Freund ihn davon überzeugt hat, es nach drei Jahren ohne Rennen doch wieder zu probieren.


Und wie er es probiert hat. Der Österreicher kam beim Auftakt des Schwedischen Supercup in Örnsköldsvik als Bahnreserve für den verletzten Lukáš Hutla rein und holte mit einem Rumpfprogramm ordentlich Punkte. Tags drauf wurde er beim zweiten Supercupenrennen in Östersund Dritter.


Von allzu viel Lob mag Simon freilich nichts wissen. „Das ist ganz normal für mich. Ich habe keinen Stress gehabt. Ich wollte einfach von Lauf zu Lauf schauen, was kommt“, wiegelt er ab. „Eisspeedway ist wie Radfahren: Wenn man das einmal kann, verlernt man’s ja auch nicht wieder.“


Eisspeedway ist wie Radfahren – das verlernt man nicht. – Harald Simon

Dass er es kann, zeigt schon ein Blick auf die Statistik: 2022 wird Harald Simon Europameister, ein Jahr später verabschiedet er sich mit WM-Bronze von der Bühne. „Simon Mayer hat von mir ein Motorrad gekauft. Aber ich habe noch zwei. Meine Motoren sind drei Jahre alt“, schildert Simon. „Ove Ledström hat den Service an den Motoren gemacht. Aber ich bin mit meinen Java nach drei Jahren wieder Training gefahren. Erst danach hat Ove sie gewartet.“


Harald Simon und sein Mechaniker Josef Böhm sind 2026 wieder gemeinsam am Start. Foto: Rainer Dachs
Harald Simon und sein Mechaniker Josef Böhm sind 2026 wieder gemeinsam am Start. Foto: Rainer Dachs

Ledström ist jener Kumpel, der Simon zur Rückkehr aufs Eis bewogen hat. „ Ove hat gefragt, ob ich in Avesta Paar fahren möchte. Er ist ein Freund; der kommt im Sommer zu mir, um gemeinsam Spaß machen. Als er mich gefragt hat, ob ich wieder fahren möchte, habe ich spontan zugesagt. Und Ove fährt im Supercup für Östersund, deswegen hat er angeboten, dass ich auch da fahre.“


Also reiste Simon direkt nach Weihnachten, am 26. Dezember, hoch nach Nordmaling. Dort, in Västerbotten, ist Ledström zuhause und organisierte zwischen den Jahren ein Trainingslager auf einem zugefrorenen See. „Da habe ich drei Tage trainiert.“ Danach bereitete sich Simon mit Ledström auch noch auf der Bahn in Östersund weiter vor. „Das Wichtigste war, meinen alten Mechaniker zu überzeugen, dass er wieder mit fährt. Der war sofort Feuer und Flamme. Mit dem bin ich fast 30 unterwegs gewesen.“


Jetzt ist das kultige Erfolgsgespann aus Harald Simon und Josef Böhm wieder vereint. „Ich bin jetzt heroben“, vermeldet Simon aus Schweden, „und schaue, wie fit ich bin. Inzwischen hat’s hier so viel Schnee, dass Schluss mit lustig ist; an Trainieren ist nicht mehr zu denken. Aber in Avesta sollen sie 20 Zentimeter Eis haben, das Paarrennen wird sicher stattfinden.“


Im Winter hat sich die Eisspeedwaylandschaft verändert, die alte Team-WM ist wieder ausgerottet worden, sie wird zum Saisonabschluss in Heerenveen im Paarmodus ausgetragen. „Österreich hat vier Fahrer; wenn da einer ausfällt, wird’s eng“, verweist Simon. „Allein deswegen wollte ich schon wieder fahren. Und ich wollte meine Freunde treffen und Spaß haben.“


Inzwischen hat der österreichische Verband Simon und Josef Kreuzberger für die Europameisterschaft nominiert, die heuer in Varkaus in einer weit abgelegenen ländlichen Gegend in Finnland ausgetragen wird. Sollte die Eislage wieder ein offenes Rennen in St. Johann im Pongau zulassen, wolle er auch dort an den Start gehen.


Den Roloef-Thijs-Pokal in Heerenveen, der am Freitagabend vor dem dortigen WM-Doppelschlag in Südfriesland stattfindet, hat Simon dagegen nicht auf dem Zettel. „Der Thijs-Pokal ist für junge Leute gedacht, die fahren und Erfahrungen sammeln müssen. Im März werde ich 59: da gehöre ich nicht in den Thijs-Pokal.“

 
 
 

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