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Rahmenrennen als Freies Training

Warum der Roloef-Thijs-Pokal dieses Jahr eine besondere Rolle einnimmt und wie vor allem die Geheimfavoriten aus den Niederlanden davon profitieren.


Fedde de Boer ist in einer komfortablen Ausgangslage. Nicht nur wegen des gemütlichen Klappstuhls, in dem er zwischen den Motorrädern von Max Koivula und Leon Kramer sitzt – sondern auch wegen der Situation seiner Mannschaft für die Team-WM in Heerenveen am Wochenende nach Ostern.


de Boer ist einer der beiden Teammanager der Oranjes – eine Équipe, die aufgrund der eigenen Homogenität und der jüngsten Entwicklungen in den schwedischen, deutschen und österreichischen Nationalmannschaften plötzlich Topanwärter auf die Silbermedaille hinter den favorisierten Finnen ist.


Und der Chef des niederländischen Rahmenbauers Tibo – gegründet vom charismatischen Charakterkopf Tritte Bootsma – geht mit einer klaren Maßgabe in das Heimrennen der Oranjes. „Ich möchte am liebsten durchrotieren“, kündigt de Boer an. „Wenn sich in den Grands Prix herausgestellt haben wird, dass zum Beispiel einer unserer drei Fahrer besonders gut gegen die Schweden zurechtkommt und ein anderer besonders gut gegen die Finnen, dann möchte ich das gezielt in die Team-WM mitnehmen und die Einsätze entsprechend aufteilen.“


In Inzell war eine solche Tendenz noch nicht abzusehen, weil sich alle drei Niederländer unter Wert geschlagen haben – aus unterschiedlichen, aber inzwischen bei allen nach entsprechenden Debriefs sorgsam analysierten Gründen.


Ich möchte am liebsten durchrotieren. – Fedde de Boer

Das wird in Heerenveen nicht passieren. Denn sowohl Sebastian Reitsma als auch Leon Kramer stehen bereits am Freitagabend im Feld des Roloef-Thijs-Pokal – eines Rahmenrennens für junge Talente und Amateure, das in diesem Jahr mit rekordverdächtig vielen Startern aufwartet und darum nach einem K.O.-System ausgerichtet wird, das ein Mathematikleistungskurslehrer ersonnen haben muss.


Kurz gesagt, gibt es in dem Format, dessen Schema grob an die Handball-WM erinnert, eine Vorrunde, eine K.O.-Phase sowie eine Finalrunde mit zwei Halbfinals, einem B-Finale – in der Handball-Analogie quasi das Spiel um den dritten Platz – und einem A-Finale. Wer den Roloef-Thijs-Pokal en detail und aktiv sowie nach alter Väter Sitte am Programmheft mit verfolgen möchte, sollte mindestens zwei Kugelschreiber mit ins Thialf-Eisstadion nehmen: Es gibt viel zu schreiben, bei 24 Heats und einem System, in dem sich ab dem vierten Lauf schon alle Fahrer ausschließlich über ihre Ergebnisse in den vorigen Läufen für den folgenden Einsatz qualifizieren – oder eben auch nicht, wenn sie ausgeschieden sind.


Zuerst buhlen die Außenseiter ums Weiterkommen in die nächste Runde, sie sieben und schalten sich in der ersten Stufe gegenseitig aus, sodass für die Läufe 11 bis 14 nur noch acht von 16 Gestarteten übrig bleiben. Ab Heat 11 kommen dann die Gesetzten dazu, sie treffen auf die übrig gebliebenen Qualifikanten aus dem Kreis der ersten 16.


Fedde de Boer hat als Oranje-Teammanager eine Menge guter Karten auf der Hand. Foto: Heike Kleene
Fedde de Boer hat als Oranje-Teammanager eine Menge guter Karten auf der Hand. Foto: Heike Kleene

Unter den Gesetzten sind in Kramer und Reitsma auch zwei von drei Mitgliedern der Niederländer – aber auch die deutschen Nationalfahrer Max Niedermaier d.J. und Christoph Kirchner sowie der Österreicher Martin Posch. Sogar Österreichs dritter Mann Josef Kreuzberger und Arttu Lehtinen, der Reservist der Finnen, können noch dazu stoßen, denn beide sind im Kreis der ersten 16 Aspiranten.


Kleiner Einschub: Dort treffen die Team-WM-Fahrer unter anderem auf die Bayern Simon Mayer und Bernie Sanftl, auf die neue Eiskönigin Amber Kramer, den wiedergenesenen Jimmy Hörnell, Paul Cooper und Niek Schaap.


Kramer und Reitsma können den Thijs-Pokal also ebenso wie Niedermaier, Kirchner und Posch als Training und Vorbereitung auf die Team-WM nutzen. Daneben fahren die beiden Niederländer aber auch noch im Hauptfeld der Einzel-WM im Thialf am Samstagabend mit. Sie sind damit diejenigen, die mit den meisten Freien Trainings in Rennform in die Mannschafts-WM am Sonntag gehen.


Zudem genießen sie zusammen mit Jasper Iwema, dem Kapitän ihrer Oranje-Truppe, den atmosphärischen Heimvorteil: Bis zum Rennwochenende werden die niederländischen Bahnsportfans realisiert haben, dass die Ihren gute Chancen auf ein Topresultat haben – und entsprechend die Atmosphäre in der Halle verdichten und aufladen.


Die Vorbereitungen auf die Team-WM sind allerdings beim niederländischen Verband erstaunlich stiefmütterlich behandelt worden: Bis Inzell gab es noch nicht Mal Planungen über ein einheitliches Auftreten mit Rennkombis und Teambekleidung.

 
 
 

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