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Regen bringt Lambert Segen

vor 7 Stunden
5 Min. Lesezeit

Nach einer ellenlangen Pause wird der Grand Prix in Vojens vorzeitig abgebrochen. Der Dauerregen spült Robert Lambert vorm WM-Finale auf Pole.


Es war der Grand Prix der zwei Wendungen. Zuerst holt sich Brady Kurtz am Nachmittag den Sieg im Sprintrennen und schließt damit punktgleich zu Bartosz Zmarzlik auf. Dann wird Robert Lambert nach einer langen Regenpause zum Sieger von Vojens erklärt – und übernimmt damit Rang 1 in der WM-Tabelle.


Und das ausgerechnet vor jenem Saisonfinale, das auf seiner polnischen Heimbahn und vor den Toren seiner polnischen Wahlheimat stattfinden wird: in Thorn an der Weichsel.

Bartosz Zmarzlik ist der große Verlierer des Regenrennens von Vojens. Doch für ihn hätte es noch ärger kommen können. Zunächst ist er im zweiten Durchgang der K.O.-Phase von Lambert rausgeworfen worden. Dadurch ist der Titelverteidiger am Nachmittag punktlos geblieben und hat die alleinige Tabellenführung an Kurtz verloren.


Dann verpasst er nach einem schwachen Auftakt auch den direkten Einzug ins Finale – anders als Lambert. Und in seinem Hoffnungslauf hätte er als einen seiner Gegner Brady Kurtz gehabt, den dritten Titelanwärter im Bunde, der in Vojens ebenfalls nur zäh ins Rennen gefunden hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass Zmarzlik das Finale auch am Abend verpasst hätte, hat also durchaus im Raum gestanden.


Doch dann kommt der große Regen, und die Rennleitung verzweifelt, weil der Schauer einfach nicht abziehen mag. „Alle Wetter-Apps sind falsch“, knurrt Renndirektor Phil Morris im Interview, „und jede sagt etwas Anderes.“


Nach einer ellenlangen Pause des Wartens und wiederholter Bahndienste wird der Grand Prix von Dänemark schließlich vorzeitig abgebrochen.


Und so kommt es, dass Robert Lambert hat den Speedway-GP von Dänemark in Vojens gewonnen und damit vor dem Saisonfinale in Toruń die Führung in der Weltmeisterschaft übernommen hat. Der Brite lag nach 20 Läufen mit 13 Punkten an der Spitze, als die FIM-Jury den Grand Prix wegen anhaltend starken Regens aus Sicherheitsgründen abbrach. Für Lambert war es der zweite Sieg in Vojens bei seinen letzten drei Auftritten.


Leon Madsen belegte mit zwölf Punkten den zweiten Platz. Max Fricke wurde mit zehn Zählern Dritter, weil er im direkten Vergleich gegen Michael Jepsen Jensen besser abschnitt. Der Däne hatte ebenfalls zehn Punkte gesammelt, aber drei Laufsiege vorzuweisen, während Fricke nur einen Heat gewann.


Alle Wetter-Apps sind falsch, und jede sagt etwas Anderes. – Phil Morris

Zusammen mit den drei Punkten aus dem Sprintrennen am Nachmittag kommt Lambert auf 142 WM-Punkte. Titelverteidiger Bartosz Zmarzlik folgt mit 141 Zählern, Brady Kurtz liegt mit 139 Punkten auf Rang drei. Damit haben alle drei Fahrer vor dem letzten Saisonlauf mindestens die Bronzemedaille sicher.


Der Weltmeister wird am 26. September beim Grand Prix von Polen in Thorn gekürt. Lambert, der für den örtlichen Klub fährt, könnte dort nicht nur den Titel gewinnen, sondern auch die Goldene Rennjacke in seiner Heimatstadt überstreifen. „Wenn du mir vor dem Meeting gesagt hättest, dass ich die Goldene Rennweste tragen würde, hätte ich sofort eingeschlagen“, sagte Lambert. „Das zeigt, wie unberechenbar Speedway ist. Man weiß nie, was passiert. Wenn man sein Bestes gibt, kann am Ende alles funktionieren. Die Saison war insgesamt großartig für mich. Ich werde für jede Medaille dankbar sein. Jetzt läuft alles auf den letzten Lauf hinaus. Das ist für die Zuschauer und für uns Fahrer großartig. Gold, Silber und Bronze sind noch offen. Es lastet kein Druck auf mir – so war es die ganze Saison. Der Druck liegt bei Bartek, der seinen Titel erfolgreich verteidigen muss, und bei Brady, der nach seinem knappen zweiten Platz im vergangenen Jahr dieses Mal gewinnen will. Wenn ich einfach so weitermache wie bisher, wird das Ergebnis gut sein.“


Lambert stand bei den vergangenen fünf Grands Prix jeweils unter den ersten Beiden: Er gewann zweimal und wurde dreimal Zweiter. In Vojens musste er sich dabei auf eine durch den Regen schwierige Bahn einstellen. „Ich war in Thorn beim Eishockey und bin dort ein paar Runden gefahren. Deshalb bin ich auf nassen Bahnen ziemlich gut“, scherzte er. „Für alle ist es schwierig, wenn die Strecke so nass und schmierig ist. Wenn man etwas frische Luft bekommt, wird es leichter und man kann eine gute Linie fahren. Zum Glück habe ich einige Starts erwischt – das hat mir sehr geholfen.“


Robert Lambert (l.) und Brady Kurtz sind die großen Gewinner von Vojens. Foto: FIM
Robert Lambert (l.) und Brady Kurtz sind die großen Gewinner von Vojens. Foto: FIM

In Leon Madsen stand in Vojens auch jener Fahrer auf dem Podium, den Lambert im Jahr 2020 im Kampf um den Titel der Europameisterschaft bezwungen hatte. Damals setzte sich der Brite mit drei Punkten Vorsprung gegen den Dänen durch. „Daran habe ich gute Erinnerungen. Wenn ich in Thorn wieder diese Form finde, wird es ein guter Abend“, sagte Lambert.


Madsen verbesserte mit seinem zweiten Platz seine Ausgangslage im Kampf um die automatische Qualifikation für die Speedway-WM 2027. Der Däne gewann den Grand Prix in Vojens bereits 2023 und hätte das Rennen diesmal gerne regulär zu Ende gefahren. „Ich bin zufrieden mit den Punkten für die Gesamtwertung. Das war wichtig. Natürlich hätte ich gerne das Finale gefahren und vor dem heimischen Publikum erneut gewonnen. Ich glaube, das wäre möglich gewesen. Nach dem vielen Regen war es aber die richtige Entscheidung, abzubrechen“, sagte Madsen. „Die Bahn war trotz der immensen Regenmenge während des gesamten Meetings ordentlich. Ein großes Lob an das Bahnpersonal und Jacob Olsen. Sie haben uns eine vernünftige Piste bereitgestellt. Im Kampf um die ersten sieben Plätze ist es jetzt extrem eng, und jeder Punkt zählt. Ich wusste, dass wir einen guten Abend brauchen, und das ist mir gelungen. 18 Punkte sind sehr gut. Hoffentlich kann ich in Toruń erneut ein gutes Meeting fahren und die Saison auf einer starken Position beenden. Ich möchte im nächsten Jahr besser vorbereitet in die Saison gehen, wieder weiter nach vorne kommen und um eine Medaille kämpfen. Ich glaube, dass ich das noch kann. Jetzt will ich alles daransetzen, im nächsten Jahr im GP zu bleiben und stärker zurückzukommen.“


Michael Jepsen Jensen liegt vor dem Finale mit 102 Punkten auf Rang 4. Madsen folgt mit 90 Zählern auf Platz 5. Fricke, Kacper Woryna und Patryk Dudek sind mit jeweils 89 Punkten punktgleich auf den Positionen 6 bis 8. Nur die ersten sieben Fahrer der Gesamtwertung sind automatisch für die GP-Serie 2027 qualifiziert. Woryna hat seinen Platz allerdings bereits sicher, weil er beim SGP-Challenge in Terenzano am 25. Juli Dritter wurde.


Madsen blickt deshalb mit Spannung auf das Finale in Thorn: „Im letzten Meeting gibt es zwei große Kämpfe – um die Weltmeisterschaft sowie um die Plätze für die nächste Saison. Ich wäre natürlich lieber an Roberts Stelle. Er ist zuletzt sehr schnell gewesen und macht einen großartigen Job. Er hat eine gute Chance, den Titel in Thorn perfekt zu machen. Aber es wird definitiv ein harter Kampf.“


Max Fricke feierte in Vojens seinen zweiten Podestplatz der Saison und verbesserte damit seine Position im Qualifikationskampf. „Es ist großartig, auf dem Podium zu stehen. Nach 20 Läufen abzubrechen, war natürlich nicht das, was wir wollten, aber man kann’s nicht ändern. Angesichts des Dauerregens war es die richtige Entscheidung“, sagte der Australier. „Ich bin einfach froh, in der Gesamtwertung weiter vorne dabei zu sein und um einen Platz unter den ersten sieben zu kämpfen. Insgesamt war es ein guter Tag. Ein großes Lob an alle Beteiligten und an das Bahndienstpersonal, das dieses Meeting trotz der Regenmengen möglich gemacht hat. Die Bahn hat sich unter diesen Bedingungen erstaunlich gut gehalten.“


Auch Fricke freut sich auf das Finale: „Thorn ist eine großartige Bahn mit mehreren Linien. Das wird für gute Rennen sorgen. Es steht viel auf dem Spiel – vor allem für die Fahrer im WM-Kampf, aber auch für jene, die um die ersten sieben Plätze kämpfen. Jeder wird im letzten Rennen des Jahres alles geben.“


In Vojens wurde außerdem Kraft des Faktischen die Qualifikation von Andzejs Lebedews für die Speedway-Grand Prix-Serie 2027 bestätigt. Der Lette war beim Challenge in Terenzano Fünfter geworden. Da Lambert nun sicher unter den ersten 7 der Weltmeisterschaft landen wird, geht der ursprünglich für den Sieger des Qualifikationsrennens reservierte Platz an Lebedews.

 
 
 

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