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Rennen ohne Auswirkungen

Der Grand Prix in Breslau liefert extrem spektakuläre Rennen, ändert aber in der WM-Gesamtwertung überhaupt nichts.


Immer noch drei Punkte, hadert Brady Kurtz. „Immer noch drei.“ Denn die Bilanz in der WM-Tabelle nach dem vorletzten Rennen der Speedway-WM in Breslau weist keine neuen Werte auf: Bartosz Zmarzlik führt in der Tabelle mit drei Punkten Vorsprung vor Brady Kurtz. Genau wie vor dem Grand Prix an der Oder.


Und Kurtz hadert mit dem Nachmittag. „Ich war nach dem Training echt schwer enttäuscht“, greint Kurtz. „Da habe ich Fehler gemacht. Aber aus denen haben wir die richtigen Schlüsse gezogen – und das Ding gedreht.“


In der Qualifikation nämlich scheidet Kurtz bereits in der ersten K.O.-Runde aus, während Zmarzlik es ins Finale schafft. Dort, im Sprint, stehen vier WM-Punkte zur Vergabe an. Doch Zmarzlik wird nur Dritter hinter Dan Bewley und Robert Lambert. Damit setzt er sich aber vorm Rennabend um fünf Punkte von Kurtz ab.


Der Australier ist Klubfahrer von Sparta Breslau in der polnischen Ekstraliga und gilt daher als Mann mit bester Ortskenntnis. Doch das hilft dem Aussie in den Vorrunden auch nicht weiter: Er verliert seinen dritten Lauf gegen Landsmann Max Fricke – und auch seinen letzten Heat gegen Zmarzlik. Der Pole ist ungeschlagen und zieht genau wie Kurtz direkt ins Tagesfinale ein.


Ich habe gegen ihn gekämpft – aber gleichzeitig auch von ihm gelernt. – Brady Kurtz

Dieser Lauf 19 aber bringt die Wende. Bis dahin ist Zmarzlik schier unbesiegbar. Doch nach Lauf 19, so hart umkämpft gegen Zmarzlik er auch ist, bilanziert Kurtz: „Ich habe nicht nur gegen Zmarzlik gekämpft – sondern im selben Moment ihn auch beobachtet, ihn genau studiert und versucht von ihm zu lernen.“


Genau deswegen stellt Kurtz für den Finallauf seine Fahrweise etwas um. Aus den Hoffnungsläufen kommen Jack Holder und Dan Bewley ins Finale, Holder nur mit einer Verzweiflungstat: „Ich habe vorm Last Chance Heat die Ersatzmaschine rausgeholt. Welcher normale Mensch macht das schon? Aber ich musste nach den letzten Vorläufen etwas tun.“


Weil Bartosz Zmarzlik in Breslau in den Sprint kommt, Brady Kurtz aber nicht, kann Zmarzlik in Vojens nun aus eigener Kraft Weltmeister werden, während Kurtz Schützenhilfe braucht. Foto: FIM
Weil Bartosz Zmarzlik in Breslau in den Sprint kommt, Brady Kurtz aber nicht, kann Zmarzlik in Vojens nun aus eigener Kraft Weltmeister werden, während Kurtz Schützenhilfe braucht. Foto: FIM

Dennoch hat Holder im Finale keine Chance. Zmarzlik darf als Erster den Startplatz wählen, entscheidet sich für den gelben Äußeren. „Ich habe den ganzen Tag über nur einen Fehler gemacht“, wird er später knirschen, „nämlich die Startplatzwahl fürs Finale.“


Denn damit überlässt er Kurtz den inneren roten Startplatz. Und von dort zieht der Australier gleich in der ersten Kurve in Führung. Kurtz und auch Dan Bewley, der zunächst ebenfalls vor Zmarzlik liegt, fahren plötzlich nicht mehr auf den Geraden ihre Anlieger – sondern lehnen ihre Hinterräder sogar schon in den Kurven, ab dem Scheitelpunkt, außen am Luftfangzaun an, um mehr Vortrieb zu kriegen.


Ich habe den ganzen Tag über nur einen einzigen Fehler gemacht – bei der Startplatzwahl fürs Finale. – Bartosz Zmarzlik

Diese ebenso brachiale wie radikale Fahrweise trauen sich nur die beiden Lokalmatadoren. Zmarzlik hält mit orthodoxen Mitteln dagegen – und kann so zwar noch Bewley keschen, aber Kurtz nicht mehr abfangen.


Der Australier gewinnt damit seinen vierten Grand Prix in Folge und egalisiert den Schaden, der sich am Qualinachmittag eingefangen hat, wieder. Beim Finale in Vojens ist er dennoch auf Schützenhilfe angewiesen: Da Zmarzlik drei WM-Punkte Vorsprung hat, reicht es dem Stettiner schon, wenn er einen Platz vor Kurtz einläuft. Dann würde noch ein Zähler vom Vorsprung stehenbleiben.


Der dritte Platz von Dan Bewley bedeutet, dass er der Brite an Fredrik Lindgren vorbei auf WM-Rang 3 gegangen ist. Im Ringen um den direkten Klassenerhalt auf Tabellenplatz 7 hat Max Fricke einen großen Sprung gemacht, obwohl der Australier in seinem Hoffnungslauf im hohen Bogen abgestiegen und hart auf einer Schulter gelandet ist: Da Robert Lambert einen enttäuschenden Arbeit erlebt, ist Fricke nun drei Punkte vor dem Norwicher auf dem rettenden siebten Platz. Anders Thomsen hat dahinter ordentlich Boden gut gemacht – und kann auf seiner dänischen Heimbahn auch noch das rettende Ufer erreichen.


Kai Huckenbeck startete auf seinem Ashley-Holloway-Motorrad mit zwei letzten Plätzen, wechselte dann auf die Ersatzmaschine mit Motoren von Bert van Essen, holte damit einen dritten Platz und sogar einen Laufsieg, errungen mit einem spektakulären Unterschneider gegen Jason Doyle in der Startrunde – wurde aber dennoch nur Viertletzter.


 
 
 

1 Kommentar


m6m4
vor 13 Minuten

Huckenbeck sieht 4 Läufe aus wie ein Anfänger , der im GP nichts zu suchen hat. Dann gewinnt er den Fünften. Das ist schwer zu verstehen, da das leider öfter passiert. Kein Trost, das es bei Fast Freddie diesmal auch so war.

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