Ritterschlag vom Wikinger
- Norbert Ockenga
- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Wie sieht eigentlich ein junger Ausländer mit unverstelltem Blick Niveau und Stellenwert des Störtebeker-Superpokals in Norden?
Nicklas Aagaard stutzt. „Was ist denn Schwarzweiß?“, erkundigt sich der Däne nach der Startplatzziehung fürs Finale in Halbemond. „Außen?“
Denn die Helmfarbe, die Aagaard nicht kennt, hat im Speedway Seltenheitswert: Das Finale um den Störtebeker-Superpokal an der Nordseeküste wird mit sechs statt vier Mann ausgefahren. Also braucht man mehr als die üblichen vier Helmfarben von Rot bis Gelb.
Wenig später herrscht in der Box von Aagaard erstaunlicher Andrang. Der 20-Jährige aus Haderslev hat gerade Platz 3 geholt, und jetzt drängeln sich vor allem junge Damen um den Ligajüngling der Esbjerg Vikings.
Aagaard ist einer der Vorabfavoriten auf den turmhohen Pokal von Halbmond gewesen. „Aber wir haben die Veranstaltung mit ein paar schlechten Starts begonnen“, analysiert der Däne. „Danach haben wir ein paar Sachen an der Abstimmung verändert – und die Starts funktionierten daraufhin sehr, sehr gut.“
Im Semifinale gewinnt Aargaard darum von der Spitze aus, im Endlauf muss er lediglich den beiden Deutschen Ben Iken und Lars Skupień den Vortritt lassen. „Aber da hatte ich auch den schlechtesten aller Startplätze. Deswegen bin ich mit meinem Ergebnis ingesamt super zufrieden.“
Delighted – so lautet die original Vokabel, die Aagaard bei der nachträglichen Analyse des Pfingstklassikers verwendet. Er ist einer jener Fahrer, für die Veranstaltungen wie der Störtebeker-Superpokal, aber auch der Öberkrämerpokal in Wolfslake wie maßgeschneidert erscheinen: Das Feld ist nicht so hochkarätig besetzt wie etwa beim Pfingstpokal in Güstrow, mithin für die veranstaltenden Vereine nicht so teuer – und junge Fahrer wie Aagaard nutzen sie, um früh internationale Erfahrungen zu sammeln.
Für deutsche Drifter wiederum ist gut, wenn die daheim auf Jungprofis aus dem Ausland treffen. Denn gerade die Dänen, Schweden und Polen sind oft in jungen Jahren schon professioneller aufgestellt als viele Deutsche. Die können sich von den Ausländern etwas abschauen.
Aagaard etwa ist einer der wenigen, die Motoren von Fleming Graversen verwenden. Der ehemalige Fahrer und jetzige Tuner stammt auch aus Haderslev. Er verwendet zum Aufbau seiner Motoren nicht einfach nur Originalteile von GM, die er dann mit Fräsetechnik nachbearbeitet, um ihnen einen eigenen Charakter zu verleihen. Vielmehr baut Graversen die meisten seiner Teile selbst. Auch wenn GM ihn deswegen schon Mal des Plagiats und der Industriespionage bezichtigt hat.
Jason Doyle hat in seiner frühen Karrierephase auf Motoren von Graversen ordentlich abgeräumt. Für Rune Holta hat er sogar eine Twin Can-Version mit zwei obenliegenden Nockenwellen nach Motocrossvorbild entwickelt. Doch das klobige Aggregat hat sich nicht durchsetzen können.

Graversen ist inzwischen nicht mehr erste Adresse für Grand Prix-Fahrer, aber immer noch eine Koryphäe in Dänemark. Dass Aagaard seine Setups für die Starts umbauen musste, hing auch mit der Leistungsabgabe der Graversen-Aggregate zusammen.
Man neigt aus der Binnenperspekive heraus dazu, Dinge anders zu beurteilen. So gibt es etwa immer wieder Kritik an der Besetzung von Fahrerfeldern unterhalb der ganz großen Offenen Rennen: nur 12 Fahrer, keine internationale Elite, zu wenig Deutsche. Oder, andersrum: Vielleicht redet man sich die Felder auch nur schön, als homogen besetzt und gut für die Leistungsdichte, weil man sowieso weiß: Mehr kann der Veranstalter sich nicht leisten. Also freut man sich vielleicht über das, was man geboten bekommt, ohne es allzu kritisch zu hinterfragen.
Wie aber sieht einer der Hauptdarsteller mit dem unverstellten Blick aus dem Ausland das eigentlich?
Aagaard muss nicht lange nachdenken. „Ich halte das für ein großartiges Rennen mit einem guten Leistungsquerschnitt bei den Fahrern“, beurteilt er den Störtebeker-Superpokal. „Die Bahn war gut zu fahren und sehr schnell. Insgesamt war das ein sehr gutes Meeting.“



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