Seemann fährt an die See
- Norbert Ockenga
- vor 21 Stunden
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Niklas Seemann hat fernab der Heimat im Kindesalter schon die ersten Erfahrungen mit einer offenen Halblitermaschine gesammelt – zur Verblüffung von Vater Michael.
Die kleine Finte musste erlaubt sein. Denn ohne sie wäre Niklas Seemann niemals im Alter von gerade mal 10 Jahren zum ersten Mal auf eine offenen 500-Kubikzentimetermaschine gekraxelt – in seinen Sommerferien, knapp 1.000 Kilometer weit weg von zuhaus’.
Seemann ist einer der Nachwuchsfahrer vom AC Landshut, gehört mit inzwischen gerade 11 Lenzen zu den Jüngsten im Kader der Niederbayern – und ist der Sohn von Michael Seemann, der mit seiner Firma für Metalltechnik auch einer der Partner des AC Landshut ist. Doch seine motorsportliche Grundausbildung macht Niklas Seemann längst nicht nur in Bayern – sondern vor allem an der Nordseeküste.
Bei Meik Lüders im Motodrom Halbemond. Dorthin hat ihn vor nun schon drei Jahren Sandro Wassermann vermittelt. Der Blondschopf seinerseits siegte damals beim Störtebeker-Superpokal zu Pfingsten, hat aber inzwischen mit dem Motorsport aufgehört. „Sandro schickt aber immer wieder Fahrer zu uns hoch“, verrät Meik Lüders, „und hat damit schon so manchem Jungen weitergeholfen.“
Nachdem Wassermann Vater Michael Seemann die Reise nach Ostfriesland empfahlt, nahm Niklas Seemann 2023 erstmals Privatstunden bei Lüders. „Da war er aber schon so groß, dass er auf einer 125er fahren konnte“, erinnert sich der gebürtige Bremer. „Als wir die Termine fürs Folgejahr gemacht haben, kam er schon mit einer 125er. Und er hatte immer absolutes Topmaterial.“
Da haben Vaddern und Muddern mit den Ohren geschlackert. – Meik Lüders
Ein Jahr drauf zählte Ben Iken zum Kader der Landshut Devils für die polnische Landesliga. Der Ostfriese, Schützling von Lüders, war mit seinem Mentor und Trainer mit beim Mannschaftstraining in Goričan, Auch der Dreikäsehoch Seemann tobte mit seiner Achtellitermaschine mit ums kroatische Oval. Lüders legte spontan eine Extracoachingsession ein. „Dann kam er hier wieder her – und inzwischen ist er bis zu vier Mal im Jahr hier oben“, rekapituliert Lüders. „Beim letzten Mal kam er mit der kompletten Familie, die haben hier 14 Tage Urlaub gemacht – und in der Zeit war Niklas auch drei oder vier Mal im Motodrom zum Trainieren. Da ist mir aufgefallen: Wenn er das nächstes Jahr mit der 125er konsequent durchzieht, ist er bald reif genug für eine 500R.“

Deswegen wollte Lüders schon den Weg bereiten. Und er nimmt den Kleinen beim letzten Training kurz vor seiner Box, außer Hörweite von Vater Michael, zur Seite: „Wenn Du in der Box sitzt, komme ich zu Dir und sage: ‚Wenn Du das umsetzt, was ich Dir in der nächsten Einheit beibringen will, dann darfst Du auch Mal mit einer 500er fahren.‘“
Vater Michael schraubt arglos am Achtellitermotorrad des Sohnes, während Lüders den Plan mit dem Filius in der Box in die zweite Phase gehen lässt. „Da dreht Vaddern sich um: ‚Was habt Ihr vor?‘ Ich habe nur gesagt:’ Keine Angst, ich würde ihn da nicht draufsetzen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass er das beherrschen kann.’“
So kommt Jung-Niklas in den Sommerferien auf einer offenen Halblitermaschine von Marcel Stöhr zu seinen ersten Runden auf einer Erste-Herren-Maschine. Als Kind. „Da haben Vaddern und Muddern mit den Ohren geschlackert. Aber der Lütttsche at alles umgesetzt, auch Starts gefahren und mit Vollgas in die Kurve rein. Nach neun Runden habe ich ihn abgewunken, weil da die Kondition zur Neige ging. Und als er wieder in die Box kam, hat er nur gestrahlt: ‚Wenn ich das sehe – so eine möchte ich auch haben. Das ist so cool, damit zu fahren.’“
Lüders denkt ein bisschen zurück an seine ersten Erfahrungen mit Seemann jr. „Der ist in der 50er-Klasse schon so wissbegierig und ehrgeizig gewesen. Das ist einer von denen, aus denen auch wirklich was werden kann. Da steht ich dann auch hinter. Den wollen wir jetzt auch ein bisschen nach vorn bringen.“
Das Umfeld hat sich diesem ehrgeizigen Plan längst angeschlossen. Schon in der kommenden Woche kommt Familie Seemann wieder an die Nordsee, nachdem der Youngster am Sonntag in Diedenbergen gefahren sein wird. „Das gefällt denen hier so gut, dass sie sogar ihren Urlaub hier gemacht haben. Seine Schwester und er sagten: ‚Wir brauchen nicht dahin, wo Palmen sind. Wir können auch an die Nordsee.’ Die Kinder waren in Norddeich an der Drachenwiese. Aber für Niklas stand immer das Fahren im Vordergrund.“



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