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Seitenwagenfahrer Schramm übernimmt „Bahnsport aktuell“

Deutschlands einzige Bahnsportzeitschrift hat einen neuen Besitzer, und der hat viel vor.


Die Bibel wird neu aufgelegt. „Bahnsport aktuell“, Deutschlands Nummer 1-Magazin für Bahnsport, hat einen neuen Besitzer – und der will ab der August-Ausgabe mit einer ganz anderen inhaltlichen Ausrichtung punkten.


Der neue Besitzer ist der Seitenwagenfahrer Imanuel Schramm aus Wellmutsweiler, einem Ortsteil von Tettnang im Bodenseekreis. Der 50-Jährige ist ein ehemaliger Biobauer, der auf Motorradsportprofi umgesattelt hat – zuerst Motocross, seit 2005 nach einem Unfall auf einem Solobike im Seitenwagengespann. Seit 2023 stellt er dem MSC Langnau, der sein Heimatclub ist, sein Gelände in Wellmutswe­iler für ein Simson-Rennen am 3. Oktober zur Verfügung.


Jetzt bestätigt Schramm: „Ich habe ‚Bahnsport aktuell’ übernommen. Es sollen sich ein paar Sachen grundlegend ändern. Die Zeitschrift ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Sie wird sich dergestalt ändern, dass man viele Berichte im Vorfeld macht: Ich will mehr Service für die Leser und die Veranstalter bieten, damit alle sehen: Die Leute brauchen die ‚Bahnsport aktuell‘ noch, denn da finden sie alle Informationen gebündelt, die sie sonst nur mühsam übers Internet finden.“


Neben dem Servicecharakter setzt Schramm auf Hintergrundthemen statt auf reine Rennnachberichterstattung: „Die Geschichte hinter der Geschichte soll kommen. Was ist hinter den Kulissen passiert? Es ist schwierig zu erklären, was ich alles vorhabe, weil es unheimlich viel ist. Ich will weg von dem reinen Rennbericht, weil der im Zweifel vier bis fünf Wochen alt ist.“


Die Zeitschrift ist Kult. Es gibt sie seit 1971 – sie gehört einfach zu unserem Sport. – Imanuel Schramm

Und wie kam Schramm, im Hauptberuf als Diplombetriebswirt einer der Inhaber einer Firma für Erstellung technischer Dokumentationen, Industriegrafiken und Prospektmaterial sowie Groß- und Einzelhandel mit Produkten und Zubehör der Fahrzeugindustrie, Zweirad-, Kart- und KfZ-Technik und Entwicklung von Komponenten sowie Tuning von Motoren überhaupt darauf, das Kulturmagazin von der bisherigen Verlegerfamilie Ziegler zu kaufen? „Uwe Laurisch, der viel in der ‚Bahnsport aktuell‘-Redaktion in der Produktion gemacht hat, arbeitet seit einigen Monaten bei mir“, antwortet Schramm. „Ich will die Zeitschrift nicht nur verlegen, um Geld damit zu verdienen, auch wenn das natürlich auch sein muss. Ich will aber generell auch, dass diese Zeitschrift für den Sport erhalten bleibt. Denn die ist Kult. Es gibt sie seit 1971 – sie gehört einfach zum Bahnsport.“


Sogar Max Niedermaier jr. liest in alten Ausgaben von „Bahnsport aktuell“, wie sein Opa einst Eisspeedway-Teamweltmeister wurde. Foto: Heike Kleene
Sogar Max Niedermaier jr. liest in alten Ausgaben von „Bahnsport aktuell“, wie sein Opa einst Eisspeedway-Teamweltmeister wurde. Foto: Heike Kleene

Das Aufsetzen eines redaktionellen Konzepts, vor allem dessen Umsetzung ist ein kreativer Prozess, für den es erfahrene Blattmacher und gute Journalisten ebenso braucht wie innovative Grafiker – sowohl in der Entwicklungsphase als auch bei der späteren alltäglichen Umsetzung. Schramm beteuert, er hätte diese Fachkräfte. „Es ist ein fließender Prozess, der kommen muss. Ab August ändert sich ein bisschen was mit anderem Layout; mit Kolumnen, Fahrerportraits und solchen Sachen. Das wird ein fließender Prozess über die nächsten Monate sein, in dessen Ablauf die Attraktivität gesteigert wird.“ An den generellen Eckdaten wie etwa der monatlichen Erscheinungsweise solle nicht gedreht werden: „Es wird alles so bleiben, Druckqualität und Erscheinungsrhythmus. Nur inhaltlich wird sich Einiges ändern.“


Imanuel Schramm, hier als Chef seiner Firma Dokutec, wird zum Verleger. Foto: Dokutec
Imanuel Schramm, hier als Chef seiner Firma Dokutec, wird zum Verleger. Foto: Dokutec

Eine Modifikation plant Schramm aber doch. In letzter Zeit hat der Ziegler-Verlag seine beiden Titel „Bahnsport aktuell“ und „Motocross aktuell“ zu einem gemeinsamen Heft verschmolzen: vorn Bahnsport, hinten Cross. Ursprünglich waren beide Titel eigenständig gewesen. Die Schnittmenge bei der Zielgruppe aus Bahnsport- und Crossinteressierten ist nämlich denkbar gering. Schramm zieht daraus die Konsquenz: „In der Siebener-Ausgabe ist schon viel weniger Motocross drin. Und es wird mit der Zeit noch deutlich weniger werden.“

 
 
 

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