Sensation in Güstrow
- Norbert Ockenga
- vor 8 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Inn-Isar-Racing entreißt Güstrow mit einer geschlossenen Teamleistung den Heimvorteil in der Zweiten Bundesliga.
Dafür, sagt Celina Liebmann, sei man ja ein Team: „Dass man zusammenhält und der Rest für einen da ist, wenn es bei einem Fahrer Mal nicht so läuft.“ Genau das hat am Freitag vor Pfingsten die größte Überraschung der bisherigen nationalen Speedwaysaison möglich gemacht: den Auswärtssieg der Inn-Isar-Devils bei den an sich extrem heimstarken Stieren aus Güstrow.
Am Ende macht zwar nicht Liebmann, sondern Lars Skupień rein rechnerisch den Sack zu – in einem Krimi, der erst im allerletzten Lauf des Abends entschieden wird. Doch die Mannschaftskapitänin aus Albaching hat ihre Truppe maßgeblich zum Erfolg gezogen.
Der Teamgeist ist gefragt, weil Ben Iken auf der Position des B-Fahrers auffallend mager punktet. „Ich hatte die ganzen Woche über an der Vorbereitung des Rennens am Pfingstsonntag in Norden mitgearbeitet – nicht nur bei meinem Material, sondern auch im Stadion und an der Bahn“, entschuldigt sich der 20-Jährige. „Deswegen war ich mit dem Kopf vielleicht nicht ganz bei der Sache. Das tut mir leid fürs Team.“
Doch weil Liebmann und Skupień den Ausfall von Iken vergessen machen können, etablieren die Bayern sich bei ihrem zweiten Zweitligaeinsatz diesen Jahres von Anfang an als Sieganwärter.
Dabei nimmt der Rennabend einen unerwarteten Verlauf: Die Heimmannschaft verliert rasch den Anschluss, weil Liebmann und Skupień den Güstrowern mit zwei Siegen gleich den Wind aus den Segeln nehmen. „Wir sind mit unserer jungen Truppe am Anfang mit acht Punkten in Rückstand geraten, aber das Team zeichnet sich durch einen tollen Zusammenhalt aus, und so konnten wir richtig stark zurück ins Rennen finden“, resümiert Güstrows Teamchef Ralf Peters.
Tabellenführer Cloppenburg muss früh einen Rückschlag hinnehmen. Vertretungsfahrer Patrick Hyjek, vom MSC Olching ausgeliehen, wird nach zwei Laufsiegen im dritten Heat im Pulk über den Haufen gefahren. Sein Nummer 1-Motorrad ist danach nicht mehr einsatzfähig. Auf der Reservemaschine, nur ein Notnagel, sammelt Hyjek danach nur noch letzte Ränge.
Teterow findet als viertes Team nie ins Rennen. „Die Bahn war für Güstrower Verhältnisse ungewöhnlich hart; knüppelhart sogar“, hadert Marlon Hagener, der von den Hechten neu auf die A-Planstelle gesetzt wurde. „Damit sind wir als Mannschaft lange überhaupt nicht klargekommen. Erst im letzten Lauf haben wir etwas beim Setup probiert, das man normaler Weise so nicht machen würde.“ Die unkonventionelle Kombination aus großer Düse und kleinem Kettenrad bringt die Kraft endlich auf den Boden, doch da ist der Zug für die Bergringstädter längst abgefahren.
Liebmann nickt. „Ja, die Bahn war anders als sonst. Aber man musste weit nach draußen rausfahren, dann ging’s.“ Die Bayerin ist eine der ersten, die sich den weiten Weg zutraut und außen im losen Material Griff findet. Damit besiegt sie sogar Güstrows Besten, den Dänen Dimitri Buch. Und sie weist ihrer Mannschaft den Weg.

Vor allem Dominic Hamminga. Der Weg zum Tagessieg führt wie so oft nicht nur über die Senioren, sondern vor allem über die Ausbeute der Nachwuchsfahrer. Der Niederländer ist in 13 Punkten klar Bester im direkten Vergleich der Junioren. Cloppenburg nimmt Levi Fittkau nach dessen erstem Einsatz raus, ersetzt ihn durch Levi Böhme. „Wir sind beide gute Freunde“, begründet Fittkau. „Das war so abgesprochen: Wenn ich nicht gleich gut zurechtkomme, wollten wir ihn reinnehmen – wenn er sich fit genug fühlt.“ Und das tut der Sachse, auch von Olching ausgeliehen, an diesem Tag trotz seines Pfeiffer’schen Drüsenfiebers. Deswegen bleibt Böhme anstelle von Fittkau drin – und wird zwar zweitbester Junior, aber immer noch mit fünf Punkten weniger als Hamminga.
So verteidigen die Bayern ihren Vorsprung, obwohl Buch, Tyler Haupt und Carlos Gennerich für Güstrow in der zweiten Hälfte besser punkten als die Fahrer der Gäste. Im Finale der Nominierten kann Haupt für die Heimmannschaft den Spieß umdrehen: Dazu muss er gewinnen, Skupień darf dann aber immer noch mindestens Dritter werden.
Skupień aber macht vom Start weg alles klar. Der Blondschopf aus Westfalen gewinnt das letzte Rennen vor dem Cloppenburger Dänen Nicolai Heiselberg und Danny Knakowski von Teterow. Haupt wird Letzter – sodass Inn-Isar-Racing 38:37 über Güstrow gewinnt. Cloppenburg behält als Tagesdritter immer noch die Tabellenführung vor Güstrow und den Inn-Isar-Devils, weil die Niedersachsen bislang als einziges Team schon drei Mal am Start gewesen sind.



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