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Technik macht den Cowboy

Leon Kramer sorgt für eine der spektakulärsten Szenen des Trainingstags in Inzell.


Es ist der Cowboystart des Tages. Viel hätte nicht gefehlt, und Leon Kramer hätte sich im ersten Schuss des Startbandtrainings seiner Gruppe rittlings überschlagen. Zwar kriegt er den unfreiwilligen Wheelie wieder gebändigt, auch gelingt das Fortkommen im zweiten Startbandtraining seiner Gruppe besser, doch schon beim ersten Aufbäumen fällt Kramer eine Entscheidung.


Mit der Maschine, die ihn beinahe abgeworfen hätte, wird in Inzell möglichst nicht gefahren. Denn die steht auf einem technischen Stand, der im Eisspeedway Seltenheitswert hat: Sie verfügt über einen Riementrieb statt einer Primärkette. Eine Technik, die aus dem Langbahnsport stammt, die aber etwa Jason Doyle, Fredrik Lindgren, Mads Hansen und seit diesem Jahr auch Hannah Grunwald im Sommerspeedway auch verwenden.


Wenn ich einlenke, verkrampfe ich am Lenker. – Leon Kramer

Auf Eis experimentieren bislang nur zwei Niederländer damit herum: Kramer und Sebastian Reitsma. „Ich verwende auch eine hydraulische Kupplung“, enthüllt Kramer. „Und die passt mit dem Riementrieb offenbar nicht gut zusammen. Der Riemen spannt sich, wenn ich die Kupplung loslasse; ich kupple dann aber bei den Starts jedes Mal noch ein bisschen nach, und das kann der bis zum Anschlag gespannte Riemen dann nicht mehr umsetzen. Eine Kette hat mehr Spiel, bei der funktioniert das.“


Statt der neuen Technik, die er im Training im Chiemgau zum allerersten Mal ausprobiert hat, setzt Kramer für die Rennen auf die herkömmliche Bauweise. Im Rahmen seiner zweiten Maschine werkelt jener Motor, den Max Koivula als Fingerübung für seine eigenen Mechanikerfähigkeiten selbst gebaut hat.


Leon Kramer hat diesen Winter bislang eine beachtliche Form an den Tag gelegt. Foto: Heike Kleene
Leon Kramer hat diesen Winter bislang eine beachtliche Form an den Tag gelegt. Foto: Heike Kleene

Kramer wohnt seit seinem 15. Lebensjahr in Schweden, bestreitet gerade erst seine dritte Eisspeedwaysaison – und hat bei den bisherigen Rennen in der Wahlheimat tüchtig aufhorchen lassen. Trotzdem dämpft er die Erwartungen. „Sowohl in Inzell als auch in Heerenveen fahre ich, um zu lernen“, relativiert er. „Das Eis in Inzell hat mich überrascht; das fühlte sich an wie Gummi. Als ich zum ersten Mal in die Kurve einlenkte, kam es mir vor, als mache das Motorrad alles wie von selbst; als ob ich gar nichts zu tun brauchte.“


Weil er früher Motocross gefahren sei und auch dort mit beachtlicher Regelmäßigkeit zu den besseren Startern gehört hätte, wisse er, wie man schnell starten könne. „Aber ich muss noch lernen, die Maschine dann in den Kurven auch innen zu halten. Ich biege immer nach innen ein, aber dann stellt sich das Motorrad oft wieder auf. Wenn man bei den Rennen in Schweden innen eine Lücke entstehen lässt, kann man damit arbeiten. Doch in der WM stechen sofort zwei Fahrer innen rein und schießen an einem vorbei.“


Die Ursache für seine schwankende Linienführung in den Kurven hat er bereits ausgemacht: „Wenn ich einlenke, spanne ich die Muskeln enorm stark an. Dann verkrampfe ich am Lenker und kann das Motorrad nicht mehr unten halten. Ich muss lernen, in den Kurven lockerer zu werden, den Fuß in die Raste zu stemmen und die Maschine dann unten zu halten und laufen zu lassen. Dann kann ich die guten Starts auch umsetzen.“



 
 
 

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