Trauer um Eurosport-Legende Rudi Moser
- Norbert Ockenga
- vor 10 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Ein Urgestein und Unikum unter den Motorradsportkommentatoren ist plötzlich gestorben.
Dem Motorsport hat er am Ende abgeschworen. Stattdessen war Rudi Moser nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden beim Fernsehsender Eurosport auf dem zweiten Bildungsweg unterwegs – und zwar auf Fernreisen. Der gebürtige Grazer hat zuletzt als Küchenchef auf den Expeditionskreuzfahrtschiffen der Reederei Hapag-Lloyd gearbeitet, vornehmlich auf abenteuerlichen Routen wie etwa durch den Panama-Kanal an der chilenischen Küste entlang, in der Nordwestpassage oder der Umrundung Südamerikas.
Auf den kleinen, edlen Schiffen mit der ganz besonderen Mischung aus Fernreise, Bildung und Nobelurlaub konnte Moser seine eigene Leidenschaft für Abenteuer, exotische Reisen und Neugier bestens mit jenem Beruf in Einklang bringen, der nach seiner Fernsehkarriere für ihn zur Berufung geworden ist: Kochen.
Jetzt ist Rudi Moser tot, gestorben in seiner österreichischen Heimat nach kurzem Klinikaufenthalt.
Moser war neben Stefan Heinrich einer der ersten bekannten Motorsportkommentatoren vom Fernsehsender Eurosport, nachdem der aus dem Sportkanal hervorgegangen war. Moser widmete sich vor allem der MotoGP, kommentierte aber im Wechsel mit anderen Kollegen auch die Rallye Dakar und – Anfang der Neunziger – die Speedway-WM auf Eurosport.

Das tat er im Wechsel mit Mario-Alberto Bauér, einem Brasilianer mit deutschen Vorfahren, der als Formel 1-Reporter nach Europa gekommen war und dort nebenbei auch für Eurosport arbeitete. Als Moser und Bauér erfuhren, dass ein neuer Kollege mit konkretem Bahnsport-Hintergrund als Journalist und Funktionär zum Sender kam, hatten beide die Größe, dem Neuling die Speedway-WM-Sendungen zu überlassen.
Moser blieb vor allem in der MotoGP ein Fachmann mit unverwechselbarer Stimme und viel Fachwissen, das er gemeinsam mit Exrennfahrer Jürgen Fuchs unters Fernsehvolk brachte. Kurze. prägnante und auf den Punkt gebrachte Formulierungen waren für den gebürtigen Grazer, der im Rennstreckendorf Spielberg aufgewachsen ist, ebenso typisch wie ein zuweilen bissiger Humor, eine schnelle und fundierte Urteilsfindung – und ein Schmäh und die Eigenschaft zum Raunzen, die man gemeinhin eher Wienern zuschreibt, die Moser als Steirer aber genauso beherrschte.
Und seine Grundhaltung war geprägt von Beharrlichkeit und Konsequenz.
Nach seinem Abschied aus dem Fernsehen schlug er einen neuen beruflichen Weg ein. Er machte seine Leidenschaft fürs Kochen zum Beruf, lernte bei Sternekoch Reinhard Gerer und arbeitete sich bis zum Küchenchef hoch. Als Freiberufler heuerte er danach bei Hapag-Llloyd an.
Rudi Moser wurde 63 Jahre alt. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Gabi und seinen Sohn Paul. Und seine letzte große Leidenschaft aus alten Motorsportzeiten: eine gigantische Slotcarrennbahn mit einem eigenhändig darum herum gebauten Diorama, die in seinem Haus ein ganzes riesiges Zimmer eingenommen hat.



Kommentare