Tungate im Grand Prix
- Norbert Ockenga
- vor 11 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Die Grand Prix-Challenge in Terenzano endet mit einer Überraschung und für den einzigen Deutschen in einem spektakulären Crash.
Der Australier Rohan Tungate hat sich bei der Grand Prix-Challenge im italienischen Terenzano erstmals für eine komplette WM-Saison qualifiziert. Der 36-Jährige aus Hunter Valley in Neusüdwales belegte hinter dem Briten Robert Lambert den zweiten Platz und wird 2027 zum festen Fahrerfeld der Speedway-Weltmeisterschaft gehören.
Lambert gewann die Challenge mit 14 Punkten aus fünf Läufen und setzte sich anschließend auch im Finallauf durch. Tungate sicherte sich mit 11 Zählern bereits einen Lauf vor Schluss das begehrte WM-Ticket. Die weiteren Qualifikationsplätze gingen an den Polen Kacper Woryna und den schwedischen Meister Kim Nilsson.
Für Tungate geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Seine einzige bisherige Grand Prix-Erfahrung sammelte der Australier 2017 als Bahnreserve beim Rennen in Melbourne – und gewann damals beide Einsätze. Entsprechend augenzwinkernd blickte er auf seine makellose Bilanz zurück. „Mal sehen, wie lange ich diese Statistik aufrechterhalten kann“, sagte Tungate. „Ich weiß, wozu ich in der Lage bin. Es wird schwer, aber ich werde hart arbeiten und mein Bestes geben.“ Entscheidend sei gewesen, das Rennen ruhig anzugehen und sich nicht von der Bedeutung der Veranstaltung unter Druck setzen zu lassen. Zudem habe er die schwierigeren Startplätze früh hinter sich gebracht und diese Läufe gewonnen – ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Mit Blick auf seine erste komplette WM-Saison setzt der Australier auf Kontinuität: „Ich habe gute Motoren von Ryszard Kowalski und ein starkes Team. Jetzt gilt es, mich bestmöglich vorzubereiten und Grand Prix für Grand Prix zu denken.“
Damals war ich noch nicht so bereit. Heute bin ich wesentlich weiter. – Kim Nilsson
Lambert reiste vergleichsweise entspannt nach Italien. Als derzeit Dritter der laufenden WM-Wertung besitzt der Brite beste Chancen, sich ohnehin über die Weltmeisterschaft für 2027 zu qualifizieren. „Ich stand nicht unter großem Druck. In der Gesamtwertung bin ich derzeit gut abgesichert. Wenn ich entspannt und voll konzentriert fahre, kommen auch die Ergebnisse“, erklärte Lambert. Nach fast perfekter Punkteausbeute krönte er seinen Auftritt mit dem Sieg im Finale. „Es ist ein tolles Gefühl, meinen Platz für die nächste Saison gesichert zu haben.“
Der Pole Kacper Woryna wird ebenfalls 2027 wieder in der WM vertreten sein. Mit 10 Punkten zog er ins Finale ein und belegte dort Rang 3. Auf dem Weg dorthin geriet er mit Kai Huckenbeck aneinander. Der einzige Deutsche im Feld lag bis dahin auf Finalkurs. Dann fuhr er am Ende einer Geraden bei Höchstgeschwindigkeit aufs Hinterrad von Woryna auf, als der nichtsahnend seine Einfahrt in die Kurve vorbereitete und zwecks Einleiten des Drifts nach innen lenkte. Huckenbeck knallte unter den Airfence hindurch in die Bande, musste behandelt werden und wurde danach vom Rennarzt aus der Veranstaltung rausgezogen.

Seine gerade laufende erste komplette WM-Saison bezeichnete Woryna als wichtige Lernphase: „Es war ein hartes Lehrjahr, aber ich habe unglaublich viel Erfahrung gesammelt. Ich hoffe, dass ich mich dadurch weiterentwickeln kann.“
Die Challenge sei ein Wettbewerb voller Überraschungen, in dem bis zum letzten Lauf höchste Konzentration gefragt sei. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben. Aber das ist erst der Anfang – ich möchte weiter an mir arbeiten.“
Für Kim Nilsson setzt sich ein ohnehin erfolgreiches Jahr fort. Kurz nach seinem ersten schwedischen Meistertitel kämpfte sich der 35-Jährige im entscheidenden letzten Vorlauf mit einem spektakulären Außenbahn-Manöver am italienischen Wildcard-Fahrer Paco Castagna vorbei und sicherte sich damit die Qualifikation. „Vor dem letzten Lauf wusste ich: Wenn ich gewinne, bin ich dabei“, sagte Nilsson. „Ich habe außen alles riskiert. So viel Siegeswillen hatte ich selten.“
Nach seiner ersten WM-Saison 2023 fühlt sich der Schwede nun deutlich reifer: „Damals war ich noch nicht bereit. Heute bin ich als Fahrer und mit meinem Team wesentlich weiter.“
Ganz entschieden ist das Starterfeld für die WM 2027 allerdings noch nicht. Da sich die besten sieben Fahrer der laufenden Weltmeisterschaft automatisch qualifizieren, könnten weitere Startplätze frei werden.
Der Lette Andzejs Lebedevs und der Däne Michael Jepsen Jensen verpassten die direkte Qualifikation in Terenzano als Fünfter und Sechster nur knapp. Sollten Lambert oder Woryna ihre Top-7-Plätze in der laufenden WM behaupten, rückt Lebedevs nach. Schaffen es beide unter die besten Sieben, profitiert auch Jepsen Jensen.
Weitere Verschiebungen sind ebenfalls möglich. Der Däne Frederik Jakobsen könnte noch sein GP-Debüt feiern, während der 43-jährige Brite Chris Harris bei einem außergewöhnlichen Szenario sogar erstmals seit 2016 in die Speedway-Weltmeisterschaft zurückkehren würde.
Ergebnis Speedway Grand Prix-Challenge 2026
Robert Lambert (Großbritannien) – 14 Punkte
Rohan Tungate (Australien) – 11
Kacper Woryna (Polen) – 10
Kim Nilsson (Schweden) – 10
Andzejs Lebedevs (Lettland) – 9
Michael Jepsen Jensen (Dänemark) – 9
Frederik Jakobsen (Dänemark) – 8
Chris Harris (Großbritannien) – 7
Maciej Janowski (Polen) – 7
Paco Castagna (Italien) – 7
Kai Huckenbeck (Deutschland) – 6
Dominik Kubera (Polen) – 6
Jaimon Lidsey (Australien) – 5
Anders Rowe (Großbritannien) – 4
Luke Becker (USA) – 3
Keynan Rew (Australien) – 3
Nicolas Vicentin (Italien) – 1
Brando Lunardi (Italien) – nicht gestartet



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