Vorwärts, wir müssen zurück
- Norbert Ockenga
- vor 22 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Was wirklich hinter der Personalie des neue polnischen Nationaltrainers steckt und was der Rückkehrer aus Landsberg mit den rotweißen Biało-Czerwoni alles vorhat.
Der Altmeister ist wieder da, und das mit immerhin 68. Am 21. November 2025 verkündete Polski Związek Motorowy PZM die Rückkehr einer Ikone: Stanisław Chomski übernimmt wieder das Amt des Trainers, als „selekcjoner“, der polnischen Speedway‑Nationalmannschaft.
Chomski ist kein unbeschriebenes Blatt – er war schon einmal auf dieser Position und gilt als einer der profiliertesten Köpfe im polnischen Speedway. Nun soll er das Team auf das Heimfinale des Mannschafts-WM 2026 im Stadion PGE Narodowy in Warschau führen.
Der Schritt markiert nicht nur einen Trainerwechsel – er symbolisiert Hoffnung, Rückbesinnung auf Erfahrung und das ehrgeizige Ziel, Polens einstige Dominanz im internationalen Speedway zurückzuerlangen.
Chomski debütierte am 11. September 1975 bei Stal, dem Klub aus seiner Heimatstadt Landsberg. In den Jahren 1974 bis 1979 fuhr er für Stal Landsberg; mit dem Klub gewann er gleich drei polnische Meistertitel: 1975, 1976 und 1977. Damit legte er den sportlichen Grundstein – wenngleich seine Ergebnisse als Fahrer laut Statistik überschaubar blieben: Seine Averages, also die Durchschnittspunkte pro Fahrt, lagen teils nur bei 0,27–0,50.
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn war Chomski zunächst als Assistent, quasi als Kotrainer, aktiv – etwa bei GKM Graudenz und in Landsberg. Mit Beginn der Saison 1988 übernahm er das Amt des Cheftrainers.
Seine Trainerkarriere führte ihn zu zahlreichen polnischen Klubs – unter anderem Polonia Piła, Wybrzeże Danzig und dem heutigen Meister Thorn.
Besonders hervorzuheben ist das Jahr 2016, als er mit Landsberg den Titel in der höchsten polnischen Liga gewann.
Bereits in den Nullen Jahren führte Chomski die polnische Nationalmannschaft — und schrieb Geschichte. Unter seiner Leitung gewann Polen 2005 den Teamtitel in der Vorläuferserie der heutigen Mannschafts-WM im Breslauer Olympiastadion. In einem Rückblick betonte er später „Damals gab es keine begeisterten Trainer, das Team war experimentell, und die Gegner waren stark. Ich sagte den Fahrern, sie hätten eine einzigartige Chance, Meister zu werden — und sie haben sie genutzt.“
Ich habe das Angebot angenommen, weil mich Herausforderungen reizen. – Stanislaw Chomski
Diese Mischung aus Erfahrung, Erfolg und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, hat ihn bis heute zu einem der angesehensten Trainer im polnischen Speedway gemacht.
Im Oktober 2025 zog sich der bisherige Nationaltrainer Rafał Dobrucki zurück – die Gründe: enttäuschende Ergebnisse bei internationalen Teamwettbewerben und eine insgesamt unklare Perspektive der Mannschaft. So war die Position vakant, und der Verband begann mit intensiven Diskussionen. Bald zählten Fachkreise und Medien Chomski zu einem der heißesten Kandidaten. Chomski selbst gab zu, dass er zunächst zögerte, denn nach einem Jahr Pause als aktiver Trainer hatte er kürzlich nur beratende Funktionen übernommen. Er sagte: „Die Gespräche dauerten lange. Es war eine schwierige Entscheidung.“
Doch der Punkt, der ihn überzeugte: das Heimfinale 2026 im Warschauer Nationalstadion. So erklärte er bei seiner Ernennung: „Ich habe das Angebot angenommen, weil mich große Herausforderungen motivieren. Das WM-Finale im PGE Narodowy wird eine solche Herausforderung sein.“
Auf Verbandseite äußerte der Vorsitzende der zuständigen Kommission, Ireneusz Igielski, dass Chomskis „Erfahrung, Verantwortung und breite Perspektive“ ausschlaggebend gewesen seien. Man sei überzeugt, den „besten verfügbaren Trainer“ ausgewählt zu haben.
Damit wurde der Grundstein gelegt für ein ambitioniertes, aber auch riskantes Projekt: die Rückkehr Polens an die Spitze des Speedway‑Teamwettbewerbs.

Als Chomski mit dem Verband über die Übernahme sprach, machte er klar: Er kehrt nicht zurück in eine frühere Zeit – sondern mit offenen Augen für die Gegenwart. In einem ausführlichen Gespräch nannte er zentrale Unterschiede zwischen damals und heute:
Fahrer und Material seien anders: Neue Generationen, andere Motorräder, andere Klassen wie 250 -Kubik, 500R oder Pit‑Bikes. Was früher gegolten, reiche heute nicht mehr.
Die Struktur des Sports habe sich verändert: Ligenformate, Play‑offs, Wettbewerbsdichte und internationale Konkurrenz hättenen zugenommen — ebenso wie technische Anforderungen und Professionalisierung.
Die Mannschaftsstruktur sei instabiler geworden: Nachwuchsförderung, Kontinuität, Übergänge vom Junioren‑ zum Profibereich — all das sei derzeit eine Herausforderung. Chomski nennt das „eine der größten Prüfungen“.
Gleichzeitig sieht er genau darin Chancen – wenn man mit System, Planung und realistischer Einschätzung an die Sache herangehe. Er kündigt an, dass er nicht nur auf Altbewährtes setzen, sondern eine Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Talenten formen wolle; mit klarer Struktur, moderner Vorbereitung und professionellem Management.
Chomski gibt offen zu, dass es „nicht einfach“ werde; aber er sehe das als Motivation. Er sagt: „Wir wissen um die Erwartungen der Fans und der Gemeinschaft. Es wird nicht leicht — aber solche Herausforderungen motivieren mich.“
Damit zeigt sich: Chomski will nicht zurück in eine nostalgische Vergangenheit — er will polnischen Speedway zukunftsfähig machen.
Die Ankündigung schlug in der polnischen Speedway‑Szene ein wie eine Bombe. Medien titeln von der „Rückkehr einer Legende“, auf polnisch: „legenda wraca“, und sehen in Chomski den Mann für die neue Ära.
Viele sehen in ihm jemanden, der Ruhe, Erfahrung und Autorität mitbringt – Eigenschaften, die der Nationalmannschaft zuletzt gefehlt hätten. Der Wahl fiel auf ihn, nicht zuletzt wegen seiner Vergangenheit als Fahrer und Trainer, wegen seiner Erfolge und seines Gespürs für Mannschaftsaufbau.
Dennoch mahnen manche: Die Konkurrenz sei heute härter; andere Nationen hätten aufgeholt. Der Erfolg sei nicht garantiert — ein Name allein reiche nicht. Entscheidend werde sein, ob es gelinge, ein modernes, diszipliniertes und konkurrenzfähiges Team aufzubauen.
Chomski selbst nennt einige der zentralen Probleme:
Die Tiefe im Fahrerkader sei geringer als früher — es sei schwieriger geworden, eine stabile Mannschaft zusammenzustellen.
Die Mischung aus alt und neu, Erfahrung und Jugend, schwärmerischer Nostalgie und moderner Professionalität müsse sorgfältig gemanagt werden. Alte Trainingsmethoden reichten heute nicht mehr.
Der Druck sei enorm: das Finale dahoam 2026, nationale Erwartungen, Medienfokus – und der Maßstab sei hoch, es zähle nur die Titelverteidigung. Ein Scheitern könnte mit harscher Kritik verbunden sein.
Zudem müssen Verband, Trainer und Fahrer schnell eine gemeinsame Vision entwickeln – mit klaren Strukturen, professioneller Vorbereitung und mentaler Bereitschaft. Im modernen Speedway zähle nicht nur Talent, sondern Planung, Disziplin, Anpassungsfähigkeit.
Chomskis Rückkehr signalisiert: Polen will nicht mehr defensiv agieren – sondern offensiv, entschlossen und mit klarem Ziel. Seine Vision:
Eine Mannschaft, die technisch auf dem neuesten Stand ist, mit moderner Vorbereitung, guter Materialpflege und professionellem Management.
Ein Team, das die Jugend einbindet – junge Talente bekommen eine Perspektive, erfahrene Fahrer werden eingebunden und unterstützen den Aufbau.
Ein Fokus auf Stabilität und Teamgefühl – nicht auf kurzfristige Erfolge, sondern auf nachhaltige Strukturen.



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