Was kann Deutschland reißen?
- Norbert Ockenga
- vor 2 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Teammanager Bernd Sagert äußerst sich im Videointerview aus Heerenveen über die Taktik und die Aussichten der Deutschen für die Team-WM – und über die kontrovers diskutierte Causa Hans Weber.
Die Generalprobe läuft. Zwei der drei Fahrer aus der Deutschen Nationalmannschaft sind bereits am Freitagabend im Roloef-Thijs-Pokal am Start: Christoph Kirchner und Max Niedermaier d.J. fahren in jenem Rahmenrennen, das nach einer Legende des niederländischen Eisspeedwaysports benannt ist und in diesem Jahr in 24 Fahrern so stark besetzt ist wie schon lange nicht mehr.
Kirchner und Niedermaier d.J. werden Team Deutschland am Sonntag auch in der Mannschafts-WM vertreten – zusammen mit Mannschaftskapitän Max Niedermaier d.Ä., der am Freitagabend im Thialf-Eisstadion mit Gattin Franziska und Sohn Max jr. in Heerenveen als Zuschauer vor Ort ist.
Der Thijs-Pokal dient Teammanager Bernd Sagert auch als Gradmesser für die Herangehensweise im Eisspeedway der Nationen. „Natürlich nutze ich das Rennen, um mir ein Bild vom Leistungsstand der Fahrer zu machen“, erläutert Sagert. „Es ist aber auch wichtig, dass man generell das ganze Wochenende über direkten Kontakt zum Team hat.“
Von Platz 1 bis Rang 5 ist alles möglich. – Bernd Sagert
Das Format der Mannschafts-WM erinnert an die Paar-WM im Sommerspeedway: Jeweils zwei Fahrer eines Landes treffen auf zwei Gegner einer anderen Nation. Die Punktevergabe erfolgt auch analog zur Paar-WM. Und der Teammanager kann jederzeit den Reservefahrer einsetzen; es gibt keine Höchsteinsatzzahl für den Reservisten. „Ich könnte entscheiden, die Fahrer zu wechseln“, wiegelt Sagert ab. "Aber es wichtig, das ganze Team mitzunehmen. Das muss man zusammen entscheiden. Denn das Team muss es bringen; die Jungs sitzen allein auf dem Motorrad, und die müssen die Entscheidung dann auch mittragen.“

Der würde er nicht planen, Max Niedermaier d.J. als taktischen Joker einzuteilen: „Beim jetzigen Stand der Planung liegt die Hauptlast auf Max Niedermayer d.Ä. und Christoph Kirchner. Die sind in unsere Aufgebot die Leistungsträger. Diese Aufstellung ist so im Team besprochen, alle Fahrer tragen sie mit. Es sind immer drei im Team – und im Hintergrund gibt es auch noch Franz Mayerbüchler, der sich bereiterklärt hat, als Reservefahrer parat zu stehen.“
Bei den Gegner der Deutschen haben sich entscheidende Veränderungen ergeben: Vorabfavorit Schweden muss auf Martin Haarahiltunen verzichten, nachdem der an einem Schienbeinkopfbruch operiert werden musste. Und bei Österreich hat sich Franz Zorn aus der Nationalmannschaft abgemeldet. Das sorgt auch für eine Kräfteverschiebung: Statt der Schweden wirken nun die Finnen mit Max Koivula, Heikki Huusko und Ersatzmann Arttu Lehtonen wie der war Favorit. Die Niederländer sind in Sebastian Reitsma, Jasper Iwema und Leon Kramer sehr homogen besetzt und haben das fanatische oranje Heimpublikum im Rücken. „In dieser jetzigen Aufstellung kann man schon einen Lauf gegen die Schweden gewinnen. Aber es kommt nicht darauf an, das direkte Duell zu gewinnen. Wenn es uns gelingt, in einen er beiden Finalläufe zu kommen, ist alles drin. Die Punktevergabe ist etwas anders als gewohnt, denn hier reicht es , im Finale Zweiter und Dritter zu werden – dann hat man in Summe den Lauf gewonnen“, rechnet Sagert vor. „Im Zweifel kann man für das Finale um den Sieg oder den dritten Rang auch durchaus die Taktik ausgeben: ‚Lasst den Sieger fahren und konzentriert Euch auf die Plätze dahinter.‘ Die Niederländer sind stark. Die sind sportlich auf Augenhöhe, aber nicht unknackbar. Ob es beim Eisspeedway einen Heimvorteil gibt, weiß ich nicht. Theoretisch kann man mit dem Eis etwas machen. Aber hier sieht es so aus, als würde man konsequent ganz hartes Eis aufbauen. Dann kann über die Zuschauer viel gehen. Aber das gilt für die Deutschen auch. Denn ies werden auch viele Fans aus Deutschland nach Heerenveen kommen.“
Die Beschaffenheit des Eises in der Eisschnelllaufhalle ist von mitentscheidender Relevanz. Das Eisspeedwaywochenende steht traditionell unter dem Motto „Het laste Ijs“, denn danach wird die Bahn im Thialf erstmal abgetaut. „Das Eis wird sich verändern. Es ist sehr hart“, fiel Sagert schon im Training am Freitagvormittag auf. „Das sieht man schon, wenn man in die Halle reinkommt: Da steht ein leichter Nebel in der Luft. Das heißt, dass es sehr kalt ist. Und man hat im Training gesehen, dass größere Brocken aus der Bahn rausbrechen als in beim letzten Grand Prix in Inzell. Auch auf die Rillen, die sich deswegen herausbilden, muss man sich einstellen.“
Und was ist nun in den Augen des deutschen Teammanagers drin? „Man hat beim SoN2 im Herbst gesehen, dass man auch aus der Rolle des Außenseiters kommen kann. Das war unsere Mannschaft damals – und am Ende waren wir Weltmeister. Ich sage nicht, dass das hier auch so läuft; es wäre natürlich ein Traum, wenn es wieder so kommt. Aber ein realistisches Ziel ist, unter die ersten 3 zu kommen. Von Platz 1 bis Rang 5 ist alles möglich.“
Neben der Taktik, der Teamphilosophie und den Erwartungen äußerst sich Sagert im Videointerview direkt aus dem Thialf auch ausgiebig zur Personalie Hans Weber. Die Hintergründe rund um dessen Nichtnominierung sind auf bahndienst.com ausführlich erörtert worden, Sagert nimmt im Video nun auch Stellung dazu.
Das ganze Video könnt Ihr Euch hier anschauen:



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