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Was war in Scheeßel wirklich los?

Alle Hintergründe zum Horrorsturz von Daniel Spiller und den Ursachen für die langen Verzögerungen beim Auftakt der Langbahn-WM.


Wilfried Eimer wird aus seiner Sonntagsnachmittagsruhe gerissen – und schwingt sich sofort auf den Bock. Der Chef von Eimer Bau muss so schnell es geht von Visselhövede nach Scheeßel kommen – mit einem Grader aus dem eigenen Firmenfuhrpark. Der Erdhobel wird gebraucht, um nach dem schweren Sturz von Daniel Spiller die Kanten der Rillen auf dem Eichenring wegzubrechen – und die Rillen so vollständig eliminieren zu können.


Visselhövede ist aber zirka 40 Kilometer von Scheeßel entfernt. Die Fahrt mit dem Planierer dauert seine Zeit – und ist einer der Hauptgründe dafür, dass auch nach der langen Behandlung von Spiller auf der Bahn der WM-Lauf noch eine ganze Weile unterbrochen werden muss.


Spiller hatte eine jener Rillen erwischt, die sich auf den inneren zwei Metern des Eichenrings herausgebildet hatten. „Die Schleppen, die wir vor Ort hatten, konnten wir nicht in einem so extremen Winkel anwinkeln wie den Grader“, begründet Johannes Intemann, der Zweite Vorsitzende des veranstaltenden Vereins. „Deswegen haben wir uns dafür entschieden, eine andere Maschine zu besorgen, um die Bahnverhältnisse von morgens wieder herzustellen.“


Spiller war zuvor reg- und bewusstlos auf der Bahn gelegen, nachdem er von einer Rille direkt ins Motorrad von Anthony Chauffour katapultiert worden und dann mit voller Wucht in den Luftfangzaun eingeschlagen war. Er musste im Rettungswagen intubiert werden. „Aber nicht wiederbelebt“, differenziert Intemann. „Zunächst wurde vermutet, dass Spiller sehr viel schlimmer verletzt sei. Er war nicht ansprechbar und wurde im RTW intubiert. Daraufhin hat sich unser Rennarzt entschieden, einen Helikopter anzufordern. Und wenn man einen Rettungshubschrauber anfordert, dann kommt auch automatisch die Polizei.“ Die Polizisten hätten aber nicht großartig ermittelt oder gar mit Abbruch der Veranstaltung gedroht: „Die wollten sich ein Bild von der Lage machen. Sie wussten, dass wir eine genehmigte Veranstaltung abhalten. Danach haben sie noch ein Mal in die Versicherungsunterlagen geguckt – und dann sind sie wieder gegangen.“


Zunächst wurde vermutet, dass Spiller viel schwerer verletzt sei. – Johannes Intemann

Spiller ist letztlich nicht im Hubschrauber abtransportiert worden, sondern in einem Rettungswagen ins Krankenhaus im nahen Rotenburg an der Wümme. „Das Umlagern hätte noch mehr Zeit in Anspruch genommen. Zuerst war nicht klar, ob er nach Rotenburg, Hamburg oder Bremen kommt. Als mit Rotenburg geklärt war, dass man ihn dort aufnehmen kann, hat man sich die Zeit gespart und ihn so schnell wie möglich mit dem RTW dorthin gefahren.“


Aus dem Rotenburger Krankenhaus kam noch abends Entwarnung: Röntgen und MRT-Scans hätten wohl keine ärgeren Verletzungen ergeben, berichtet Intemann, lediglich ein Handgelenk sei noch am Sonntagabend „operativ behandelt“ worden. In Rotenburg traf Spiller auch auf Andrew Appleton, der kurz zuvor eingeliefert worden war – mit zwei gebrochenen Rippen und einer gebrochenen Schulter.


Daniel Spiller verfolgt Anthony Chauffour. Eine Kurve später passiert der schlimme Unfall. Foto: HighSpeedPhotographix.
Daniel Spiller verfolgt Anthony Chauffour. Eine Kurve später passiert der schlimme Unfall. Foto: HighSpeedPhotographix.

Wie konnte es zur Rillenbildung kommen, die etwa Kenneth Kruse Hansen schon nach dem Training bemängelt hatte? Im Fahrerlager und tags drauf hörte man oft von einem neuen Belag, dem man Lehm beigegeben hätte, um das tiefe Material härter zu machen. „Nicht nur Lehm“, konkretisiert Intemann. „Wir haben einen ganz speziellen Belag mit verschiedenen Materialien. Alle zwei Jahre bringen wir ein Bindemittel ein. In diesem Jahr haben wir wieder 24 Tonnen eingebracht – etwa vier Wochen vor der Veranstaltung. Während wir das eingebracht haben und danach haben wir die Bahn ordentlich gewalzt und gewässert.“


Die Klagen über den Zustand der Bahn seien nur vereinzelt gewesen. „Zur Mitte der Veranstaltung haben sich Rillen gebildet. Es gab die eine Situation, da beschwerte sich Jesse Mustonen über die Bahnbedingungen; er war auch sehr aufbrausend – und 10 Minuten später liefert er sich rundenlang ein Megaduell mit Kenneth Kruse Hansen. Andere Rennfahrer, auch Erik Riss, sagten: ‚Die Bahn war super zu fahren.‘“


Auch nach der Jurysitzung nach dem Finale, die bis 21 Uhr gedauert hat, sei man im Wissen auseinandergegangen, dass es an der Organisation und der Veranstaltung nichts zu bemängeln gegeben hätte und dass es eine WM-würdige Veranstaltung gewesen sei.

 
 
 

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