Wie aussagekräftig ist Weißenbach?
- Norbert Ockenga
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Was wirklich die Lehren vom Eisspeedway-Kompaktrennen in Weißenbach sind.
Das Kompaktrennen von Weißenbach dient als Formbarometer. Denn die vier Läufe, eigentlich Startbandtrainings über vier Runden mit unnachgiebigen Fahrern, stellen das erste Eisspeedwayrennen außerhalb Schwedens und Russlands dar.
Und für Hans Weber sind sie ein wichtiger Gradmesser: Wo steht der einstige WM-Zweite im Jahr seiner Rückkehr?
Auf YouTube kann man die Rennen und einige Interviews in einem Stream von „Motor TV 22“ anschauen. Die Lehre daraus ist klar: Weber ist in einer Frühform, die Hoffnung macht, dass der Bayer in der WM landen und darüberhinaus in der Team-WM auch eine tragende Rolle spielen kann.

Im ersten Lauf gewinnt Martin Posch den Start, Weber orientiert sich zunächst innen, geht dann in der zweiten Runde auf die Außenbahn und zieht dort unwiderstehlich von dannen.
Im zweiten Heat sichert sich Weber den besten Start vor Christoph Kirchner; den muss Posch erst niederringen. Bis dahin ist Weber über alle Berge.
In Lauf 3 gewinnt Weber erneut den Start vor Posch – und setzt sich sofort entscheidend ab.
Und im Finale kommt Kirchner am besten aus den Bändern. Er orientiert sich nach innen und hält dort Posch in Schach. Doch Weber fährt gleich außen rum und segelt dort in Front. Posch erzwingt von innen aber dennoch ein Fotofinish, das der Deutsche für sich entscheidet.
Weber bleibt also nicht nur ungeschlagen, sondern zeigt vor allem, dass er seinen Instinkt für die richtige Linienwahl genauso wieder abrufen kann wie die Fähigkeit, auf unterschiedlichen Linien schnell zu sein und überholen oder auch verteidigen zu können.
Das Feld in Tirol war zwar nicht so stark besetzt, als dass man einschätzen könnte, wo Weber vom reinen Tempo her im Vergleich zur absoluten Weltspitze steht. Zumal in der Fernanalyse der Eindruck entstanden ist, dass es auch bei den nordischen Fahrern noch ein starkes Leistungsgefälle gibt: Hinter Martin Haarahiltunen und Niclas Svensson klaffte bei den ersten drei Rennen in Schweden – zwei Mal Supercup und Paarcup in Avesta, den Haarahiltunen zusammen mit, aber eher trotz statt wegen Filip Jäger gewann – eine gehörige Lücke. Wo Weber in diese Hackordnung passt, ist vor der WM-Qualifikation in Örnskölsdvik nicht abzusehen. Wohl aber, dass das reine Fahren – auf englisch so treffend „racecraft“ genannt – beim Rückkehrer jetzt schon wieder so ausgeprägt ist, dass er auch in einem internationalen Feld aktiv agieren und nicht nur reagieren kann.



Die Weltspitze fährt russische Meisterschaft und ist von der "WM" ausgeschlossen.