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Wie Bayern Dänemark schlug

Aktualisiert: 7. Apr.

Das deutsche Team gewinnt den Länderkampf von Pocking klar vor Dänemark, weil die Mannschaft rund um Topscorer Martin Smolinski es über die Konstanz mit ersten und zweiten Plätzen richtet.


Da steckt mehr Arbeit drin als man glauben mag. Das Ergebnis vom Länderkampf in Pocking, der vor vollen Rängen und bei idealem Rennwetter stattfand, mag eindeutig anmuten: Deutschland schlägt die favorisierten Dänen mit 43:35, Schweden und Tschechien spielen in je 21 Zählern nie eine Rolle im Kampf um den Sieg beim österlichen Traditionstermin.


Doch die Deutschen müssen sich langmachen. „Die Starts waren gut. Aber es hat etwas der Speed auf den Geraden gefehlt durch den glatten Untergrund. Denn es war sehr glatt, relativ untypisch für meine Heimbahn“, notiert Valentin Grobauer. „Wir haben über die Jahre ein Setup entwickelt, das auf der Bahn immer gut funktioniert. Das hat aber dieses Mal nicht hingehauen. Wir mussten uns von Lauf zu Lauf immer ein bisschen rantasten, experimentieren und ausprobieren. Wir haben etwas in eine ganz andere Richtung versucht, die wir so von Pocking nicht gewohnt waren. Deswegen hat es auch bis zum letzten Lauf gedauert, bis wir etwas gehabt haben, das auf dem Glatten gut fährt.“


Darauf kann man für den deutschen Sport wieder aufbauen, wenn man gelernt hat, zusammenzuarbeiten statt gegeneinander. – Valentin Grobauer

Während Grobauer nach der Abstimmung sucht, muss Erik Riss sogar die Maschine wechseln. Denn das erste Motorrad mit einer neuen Nockenwelle funktioniert auf der glatten Piste im Rottalstadion nicht. Nach dem Wechsel auf die Ersatzmaschine gewinnt Riss zwei Heats und stockt das Konto der Deutschen mitentscheidend auf.


Warum aber ist die Bahn so ungewohnt glatt? „Die Jungs vom Bahndienst machen da immer einen Topjob. Ich denke, weil am Samstag Bayerncup war, war die Grundfeuchtigkeit schon ein bisschen verloren gegangen. Eine Bahn lebt von der Grundfeuchtigkeit“, begründet Grobauer, der den Verein als Jugendwart von innen heraus kennt. „Wenn sie schon geöffnet ist, trocknet sich schnell aus. Es war relativ warm, der Wind ging ein bisschen, dann geht noch mehr Feuchtigkeit verloren. Und dann trocknet es noch schneller ab.“


Grobauer betont aber auch: „Die Bahn war nicht schlecht, sondern für mich nur anders als Allre anderen Rennen in den vorherigen vier oder fünf Jahren.“


Dänemark ist bewusst mit einer jungen Mannschaft angetreten. Denn der offene Länderpunktekampf soll den Nordmannen auch als Vorbereitung für die U19-Paar-EM im September dienen. „Wir haben deswegen bewusst die beiden Junioren eingesetzt“, erläutert Teammanagerin Jacqueline Seidlitz. „Villads Pedersen hat mit seinen 15 Jahren eine super Leistung gezeigt – genau wie auch Jacob D. Jensen mit seinen 17 Jahren.“


Martin Smolinski, Mario Häusl, Valentin Grobauer und Erik Riss (v.l.) holen für Deutschland den Goldenen Osterhasen beim Länderkampf in Pocking. Foto: MSC Pocking
Martin Smolinski, Mario Häusl, Valentin Grobauer und Erik Riss (v.l.) holen für Deutschland den Goldenen Osterhasen beim Länderkampf in Pocking. Foto: MSC Pocking

Jensen hatte zwei höchst prominente Landsmänner mit in seiner Ecke, darunter sogar einen Exweltmeister: „Bei Jacob sind Jan O. Pedersen als Coach und John Jørgensen als Mechaniker mit dabei gewesen.“


Kevin Juhl Pedersen als Speerspitze der Dänen leidet in seinen ersten beiden Einsätzen an Kupplungsproblemen und schreibt zwei Mal null Punkte. Nach dem Wechsel auf die Ersatzmaschine steuert er drei Siege bei – genau wie Nicolai Heiselberg, der zu Beginn drei Mal en bloc gewonnen hat.


Doch für die Deutschen gewinnt Smolinski zwei Mal, Grobauer nach der Abstimmungsänderung auch ein Mal – und Riss nach dem Wechsel auf die Reservemaschine auch zwei Mal. Dem reißt im letzten Durchgang sogar noch die Schweißnaht von der Sitzhalterung ab, sodass er dort ausscheidet.


Auch Smolinski ist der Ansicht, dass er auf dem Zenit seiner Karriere mehr hätte herausholen können. „Mein Material läuft sehr gut. Aber ich habe zwei Mal den Schwung komplett verloren, als ich überholen wollte“, gesteht der Chef vom MSC Olching. „Man merkt gewaltig, dass ich nicht mehr zu 100 Prozent das nötige Speedwaygewicht habe. Aktuell liegen fast alle Piloten um die 60 Kilogramm; da bin ich ein bisschen drüber. Es hat mehrmals nicht ganz gereicht auf meiner Linie, da ich oft in Runde 2 einen Cutback probiert habe und dabei wegen der Massenträgheit zu viel Schwung verliere.“


Für Smolinski ist Pocking das erste Rennen des Jahres. Er holt 12 Punkte und ist vor Mario Häusl mit 11 sowie Riss und Grobauer mit je 10 Topscorer der Deutschen. Die Heimmannschaft, ausschließlich aus Bayern bestehend, richtet es vor allem über die Konstanz: Niemand holt mehr zweite Ränge als die Deutschen. Auch wenn die schiere Anzahl der Heatsiege nicht so hoch ausfällt, so langt es doch über die Homogenität und die Konstanz aus ersten und zweiten Rängen, um die Dänen klar einzutüten. Denn die Nordmannen haben viel mehr vierte und dritte Plätze in der Bilanz zu schlucken als die geschlossen auftretenden Deutschen.


Hinter den beiden überlegenen Nationen spielt sich ein Zweikampf um Rang 3 ab, der dramatischer kaum hätte ausfallen können. Der Schwede Emil Milberg stürzt ohne Fremdeinwirkung, verletzt sich an einer Hand und muss ins Krankenhaus gebracht werden. Alexander Edberg, der schwedische Teammanager, teilt mit: Milberg sei auf dem Weg nach Hause, müsse sich dort aber noch einer Operation unterziehen.


Ohne Milberg kommen die Schweden nur auf die gleiche Anzahl der Punkte wie die Tschechen. Die werden aufgrund der Majorität der besseren Plätze auf Platz 3 gewertet worden.


Die größte Lehre vom Ostersonntag zieht aber Grobauer, der das große Ganze im Blick hat – nachdem er auch bei der Paar-WM im Herbst schon als Ersatzmann bei den Deutschen mit dabei war, also den direkten Vergleich ziehen kann: „Man konnte super als Team zusammenarbeiten. Darauf kann man im deutschen Speedwaysport wieder aufbauen, wenn man gelernt hat, wieder zusammenzuarbeiten – und nicht nur gegeneinander.“

 
 
 

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