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„Wir haben einen komplett neuen Vorstand und machen Einiges anders"

Peter Jäckel, der Erste Vorsitzendes MSC Mühldorf, schildert im großen Interview alle Hintergründe zum Finale der Langbahn-DM am 5. Juli.


Der MSC Mühldorf ist lange Zeit eine der Eckpfeiler der Langbahn-WM gewesen. Wie kommt’s, dass Ihr jetzt das Finale der Deutschen Meisterschaft ausrichtet?

Peter Jäckel: Die DM fahren wir, weil wir den Vorstand komplett gewechselt haben. Die DM ist in der jetzigen Situation die leichtere Veranstaltung. Da ich als neuer Erster Vorsitzender keine Übergabe hatte, ist alles, was im Moment passiert, aus der hohlen Hand heraus zu bewerkstelligen.


Wie kam es dazu?

Peter Jäckel: Weil unser langjähriger Erster Vorsitzender Josef Frohnwieser im März verstorben ist. Der Vorstand war zwar schon im November gewählt. Aber durch die Krankheit von Josef Frohnwieser war es ihm nicht mehr möglich, eine Übergabe zu machen. Dazu war er schon zu lange zu krank. Ich habe den Verein übernommen, sonst wäre es nicht weitergegangen. Auch wenn es eigentlich gar nicht mein Wunsch war, in den Vorstand einzusteigen.


Alternativen gab es keine?

Peter Jäckel: Es gab ein paar Leute, die sich dafür interessiert haben. Aber die sind vor den Schwierigkeiten mit der Übernahme zurückgeschreckt. Wir haben jetzt einen komplett neuen Vorstand zusammengestellt, mit dem wir konstruktiv zusammenarbeiten und auch einige Sachen anders machen können, um den Verein zukunftsfähig aufstellen zu können.


Dann gab’s auch noch eine Bürgemeisterwahl in Mühldorf mit einem neuen Stadtoberhaupt. Hat das Auswirkungen auf den Verein? Es ist ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass Politiker hinterm Motorsport stehen.

Peter Jäckel: Richtig, der Bürgermeisterstuhl ist von den Freien Wählern zur SPD gewandert, Claudia Hungerhuber ist neue Bürgermeisterin. Die haben wir an Bord geholt. Das Rennen hat eine lange Tradition in Mühldorf – und es ist eine ebenso lange Tradition, dass der Bürgermeister zum Verein hält. Das hat sich auch nicht geändert. Bürgermeisterin Claudia Hungerhuber ist deswegen auch Schirmherrin unserer Veranstaltung.


Eine weit verbreitete Annahme lautet: Der MSC Mühldorf richtet keinen Grand Prix mehr aus, weil die FIM darauf pocht, kein Rahmenprogramm mehr in die WM-Läufe einzuweben. Also keine Seitenwagen oder B-Lizenzler, die zum Beispiel vor der jeweiligen Bahndienstpause noch einen Heat fahren.

Peter Jäckel: Das war auch ein Punkt, ja. Aber man hätte das Rahmenprogramm ja auch vormittags fahren können. So ist es etwa bei der MotoGP ja auch: Wer sich die MotoGP vor Ort anschaut, der schaut sich auch morgens auch schon die Moto2- und Moto3-Rennen an. Das könnte man bei uns so machen. Und ich werde es auch machen, wenn ich mich mit der FIM einige. Denn nach Mühldorf gehört die WM. Das möchte ich für die Zukunft auf jeden Fall.


Nach Mühldorf gehört die WM. – Peter Jäckel

Warum ist ein DM-Lauf für einen neuen Vorstand einfacher zu organisieren?

Peter Jäckel: Ich habe ein fertiges Fahrerfeld, das ich vom DMSB vorgegeben bekomme. Ich muss keine Fahrer selbst verpflichten, wie ich es bei einem offenen Rennen in Kleinarbeit müsste. Und damit ist auch der Kostenrahmen zumindest für das Hauptfeld vorgegeben.


Ist es für den Verein mit seinen ehrenamtlichen Helfern auch organisatorisch einfacher?

Peter Jäckel: Es ist ein bisschen freier gestaltet. Denn jetzt kann ich zum Beispiel entscheiden, wann und wo die Siegerehrung stattfinden soll. Das steht sonst in den FIM-Statuten sehr genau drin, ist aber bei der DM alles freier. Die Eckdaten wie Technische Abnahme stehen alle in den Regularien. Aber drumherum kann man flexibler planen.


Gibt es denn nun ein Rahmenprogramm?

Peter Jäckel: Ja. Wir fahren Seitenwagen, B-Lizenz und Oldies mit Zwei- und Vierventilern. Das hat es seit 20 Jahren in Mühldorf nicht mehr gegeben. Aber ich habe sie wieder hergeholt.


Das ist die Europäische Langbahn-Veteranentrophäe?

Peter Jäckel: Wir veranstalten die Zwei- und Vierventilrennen außerhalb der Veteranen-Trophy. Ich wollte den Fahrern die Möglichkeit, ein offenes Rennen mit den alten Maschinen zu fahren. Wir haben ein sehr großes Publikum, was Oldies betrifft. Und ich sehe auch im normalen Trainingsgeschehen viel Interesse dafür: Da habe ich enorm viele Oldies, und deswegen möchte ich denen nun auch die Möglichkeit geben, bei uns ein Rennen zu fahren.


Der neue Mühldorf-Chef Peter Jäckel (l.) und Max Vetter, der Inhaber von Partner Innbräu. Foto: MSC Mühldorf
Der neue Mühldorf-Chef Peter Jäckel (l.) und Max Vetter, der Inhaber von Partner Innbräu. Foto: MSC Mühldorf

Wie ist denn das Training beim MSC Mühldorf geregelt?

Peter Jäckel: Man kann bei uns ein Mal im Monat trainieren. Während der Saison in der Regel an Freitagen, zu Beginn und am Ende der Saison ist es eher der Samstag. Vereinsfremde zahlen 35 Euro, Mitglieder 30 – die eigenen B-Lizenzfahrer des MSC Mühldorf zahlen gar nichts, weil wir so auch den Nachwuchs unterstützen möchten. Die B-Lizenzler, die bei uns im Verein sind, bekommen am Anfang des Jahres auch 20 Liter Methanol und drei Reifen vom Verein als weitere Nachwuchsförderung. Dazu bieten wir ein Kindertraining an; das ist fast alle 14 Tage mit PW50, KTM, 125- und 250-Kubikmaschinen sowie Elektrobikes. Die Jugendgruppe besteht aus etwa 15 Kindern. Die fahren beim Langbahn-DM-Rennen in einer Formation voraus, damit sie sich auch präsentieren können. Das ist auch deswegen wichtig, weil wir im August und September eine kleine Speedwaybahn bauen möchten – und darauf sollen die Kinder dann auch trainieren.


Ach was. Wird das eine Speedwaybahn im Innenfeld der Langbahn?

Peter Jäckel: Genau. Ins Innenfeld kommt eine 280 Meter lange Speedwaybahn hin. Das nächste Ziel wäre dann, uns einen eigenen Speedwaykader aufzubauen, um damit Bayern-Cup und Zweite Liga zu bauen. Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik. 2027 soll die Speedwaybahn genutzt werden, ab 2028 soll es dann einen eigenen Kader für die Ligen geben.


Jetzt, am 5. Juli, fahren die Rahmenrennen und das Hauptfeld der Langbahn-DM wieder in einer gemeinsamen Renn-Abfolge?

Peter Jäckel: Die Rennen sind zusammen, wie üblich. Vormittags fahren wir Trainings und schon die ersten Rennen der B-Lizenz und der Oldies. Nachmittags fahren die Seitenwagen ihre Rennen zusammen mit den 12 A-Lizenzfahrern für die DM – und den letzten, entscheidenden Heats der B-Lizenz und der Oldies. Für uns ist das Beiprogramm enorm wichtig. Wir brauchen die Seitenwagenfahrer – und wir brauchen die B-Lizenz für die Nachwuchsförderung. Die Zuschauer zahlen 25 Euro – dann wollen sie ein komplettes Sandbahnrennen sehen. Da gehören auch die Oldies dazu.


25 Euro kostet also eine Tageskarte?

Peter Jäckel: Ja, ein Stehplatz kostet dieses Jahr nur noch 25 Euro. Rentner und Ermäßigte zahlen 20 Euro, Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren 10 Euro – und Kinder bis 10 Jahre kommen umsonst rein. Das haben wir für dieses Jahr alles etwas anders strukturiert als im vergangenen Jahr. Ich hoffe, dass wir so auf mindestens 2.500 Zuschauer kommen. Wobei das Rennen mit der Besetzung des Hauptfeldes und mit den Rahmenrennen so attraktiv und spannend ist, dass es gut und gern auch deutlich mehr vertragen kann.

 
 
 

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