Wunderknabe auf Bewährung
- Norbert Ockenga
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Beim Roloef-Thijs-Pokal am Freitagabend muss sich ein Fahrer ganz besonders beweisen.
Plötzlich wird es voll in seinem Lager. Günther und Luca Bauer schauen kurz vor der entscheidenden Phase des Roloef-Thijs-Pokals höchstselbst in jenem Verschlag vorbei, in dem Melwin Björklin sein Lager aufgeschlagen hat.
Denn für den jungen Schweden gilt es an diesem Freitagabend im April 2025, vor fast genau einem Jahr also. Bei seinem allerersten Eisspeedwayrennen überhaupt ist er noch ungeschlagen, als Vater und Sohn Bauer ihm eine Stippvisite abstatten.„Er fährt ein altes Motorrad von mir“, sagt Luca Bauer. „Da gehört es sich, dass wir ihm helfen, wenn er zum ersten Mal damit ein Rennen fährt.“
Björklin ist die Offenbarung der späten Saison 2025, er verpasst den Sieg im Rahmenrennen von Heerenveen für Amateure und Jungtalente nur, weil er im entscheidenden Lauf stürzt.
Schon sein Vater ist Eisspeedway gefahren, war ein Kumpel der Familie Bauer. Melwin Björklin dagegen fuhr bis zum Winter 2024/2025 nur Motocross. Dann richtete Peter Jansson, der Eisspeedwaychef Schwedens, ein Trainingslager für alle schwedischen Fahrer in Bollnäs aus – und lud über den Vater auch Melwin Björklin ein. „Denn ich wusste, dass er ein besonderes Gefühl fürs Motorrad hat – und ahnte, dass ihm das auch auf dem Eis zupass kommen würde.“
Da Familie Björklin eh’ in Bollnäs wohnt, war das Experiment schnell und ohne viel Federlesens zu realisieren.
Es ist etwas völlig Anderes, bei 21 Grad in der Halle zu arbeiten oder bei minus 20 Grad im Freien. – Peter Jansson
Nach dem Trainingscamp fragte Vater Tommy Björklin bei Bauer an, ob der ein gebrauchtes Motorrad übrig hätte. Die beiden Väter kannten sich, die Söhne hatten sich bei einem Training von Luca Bauer in Schweden auch schon beschnuppert – und Luca Bauer hatte ein Motorrad mit einem älteren Motor ausrangiert, nachdem sein Tuner ihm bereits für 2024 komplett neue und extrascharfe Aggregate aufgebaut hatte.
Die ließ Luca Bauer nach Angaben von Vater Günther um 15 PS reduzieren, weil der Sohn sich nicht mehr nur auf die Außenbahn konzentrieren wolle und man innen weniger Leistung brauche als auf den weiten Wegen außen rum, auf denen man auf gutem, glatten Eis Schwung und Tempo aufbauen kann.
Luca Bauer jedenfalls hatte eine Maschine quasi über, und mit der startete Melwin Björklin 2025 wie ein Komet beim Thijs-Pokal. Doch einen Winter ist von dem bärenstarken Eindruck nicht mehr viel übrig geblieben: Björklin verletzte sich schon beim ersten Trainingslager der Schweden – und kam bis zu den letzten Allsvenskan-Ligarennen nie so richtig in Tritt.

Sein Förderer Peter Jansson hatte so etwas schon geahnt. „Für ihn, mit seinem Background, ist etwas völlig Anderes, in Heerenveen in einer auf 21 Grad aufgeheizten, warmen Halle zu stehen – oder in Schweden bei minus 20 Grad in einem Fahrerlager irgendwo im Freien“, hatte Jansson schon vor dem ersten Trainingslager orakelt, bei dem Björklin sich dann verletzte. „Klar ist er in Heerenveen sehr, sehr gut gefahren. Aber da hat für ihn auch alles gepasst. Er fällt für mich trotzdem noch in die Kategorie unserer Anfänger, die noch mindestens ein Lehrjahr brauchen, ehe sie reif für höhere Weihen sind.“
Beim Roloef-Thijs-Pokal am Freitagabend biegt Björklin also direkt in seine Bewährungsprobe ein: War 2025 eine Eintagsfliege – oder der bisherige Saisonverlauf im skandinavischen Winter 2026 nur eine Talsohle, wie sie in einem Lehrjahr vorkommen kann?



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