Zoff im Oberhaus
Beim vorletzten Rennen der Bundesliga in Stralsund bricht ein Streit über Aufstellungen und Averages aus.
Es schwebt ein Schatten über dem Sieg. Stralsund hat den vorletzten Durchgang der Bundesliga gegen Güstrow daheim klar gewonnen, mit 48:36, und damit auch die Tabellenführung vor Wittstock und Güstrow übernommen. Und dennoch gibt es hinter den Kulissen Zoff.
Der Grund: ein Gentlemen’s Agreement, das der Stralsunder Vereinsvorstand Bernd Sagert nach dem Rennen im Podcast „Startband“ erstmals öffentlich gemacht hat. Diese Nebenabsprache zum eigentlichen Sportlichen Reglement sehe vor, dass alle Teams ihre Aufstellung bis zu einem Punkteschnitt vornehmen, der deutlich unter dem eigentlich in den Regeln verankerten theoretisch erlaubten Bestwert pro Team liege.
Sagert begründet dieses Gentlemen’s Agreement, wie er selbst nennt, mit der generellen prekären Finanzlage im deutschen Bahnsport und bei den Bundesligavereinen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überdrehen, auch was das Finanzielle anbelangt. Ein Average von 6,9 steht im Reglement drin. 3,0 ist der Mindestaverage. Es reicht doch eigentlich, wenn wir alle mit 5,5 fahren“, fasst Sagert Ausgangslage und Vereinbarung zusammen. „Da kann sich jeder drin bewegen und nach einem Gutdünken Fahrer verpflichten. Die Vereine haben sich stillschweigend dran gehalten. Aber das hielt genau bis Donnerstagabend.“
Hier wurde mit Anlauf von einigen Wenigen etwas zerstört. – Bernd Sagert
Dann trudelte die Nennung der Güstrow Torros für das Aufeinandertreffen im Paul-Greifzu-Stadion ein. Mit Václav Milík jr.; der Pardubitzer Neuling sorgte mit seiner Einstufung dafür, dass die 5,5-Hürde gerissen wurde. „Die Stimmung im Verein war auf dem TIefstpunkt. Tiefer habe ich sie selber noch nicht erlebt“, führt Sagert im Podcast „Startband“ weiter aus. Der sportliche Erfolg, also der mögliche neuerliche Meistertitel, sei in der Barlachstadt mehr wert als die Absprache und die mögliche Zukunft der Liga. „Hier wurde mit Anlauf von einigen Wenigen etwas zerstört, was über Jahre hinweg aufgebaut worden ist. Das Vertrauen der Vereine untereinander ist vollkommen dahin. Das ist das Falscheste, was man hätte machen können.“
Die Mannschaftsleitung des MC Güstrow zeichnet in ihrer Antwort auf eine Anfrage von bahndienst.com ein anderes Bild:
Besonders pikant dabei: Ausgerechnet Zankapfel Milík holte für Güstrow keinen einzigen Punkt – und war so am Ende quasi Garant für die Ausgangsniederlage. In Stralsund profitierte Jakob Jamróg davon, dass er bereits am Vortag zu einem Sondertraining einrückte und dabei Zündung und Kupplung perfekt auf die Bahn einstellte. Der 35-jährige Pole war in 15 Punkten bester Mann der Nordsterne.

Die holten durch den Heimsieg auch den Bonuspunkt für die kumulierte Wertung aus Hin- und Rückkampf. Beim letzten Rennen in Güstrow am 9. Oktober, wo dann Wittstock zu Gast sein wird, müsste Güstrow zu Hause mit 29 Zählern Vorsprung gewinnen, um noch den Titel zu holen.
Sagert meldet im Podcast allerdings auch Zweifel an, ob dieses letzte Rennen überhaupt noch stattfinden werde: „Der Fehdehandschuh ist nun geworfen worden.“ Und es sei fraglich, ob Wittstock bei der Ausgangslage des Güstrower Aufrüstens überhaupt noch beim Finale antreten werde.
Eine direkte Anfrage von bahndienst.com beim Wittstocker Vereinschef Frank Mauer brachte dazu keine klare Antwort hervor. Die lautet:



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