Zwei Mal auf den Kopf gestellt
- Norbert Ockenga
- 11. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Zwei Fahrer vom anderen Ende der Welt stellen in je einem Stechen das Ergebnis bei der Kinder-WM in Schweden noch auf den Kopf.
Nervenstärke statt Routine entscheidet über den Titel: Der Australier Blake Schlein hat sich in Målilla zum neuen Kinderweltmeister der sogenannten „SGP4“ gekürt. Im Finale der Nachwuchsklasse für 11- bis 13-jährige Speedwaytalente setzte sich der Australier erst in einem dramatischen Stechen gegen den Dänen Simon Jul Vindum durch.
Die SGP4-Kategorie, die seit 2023 ausgetragen und seit 2025 als offizielle Weltmeisterschaft gewertet wird, wird auf speziell entwickelten 190-Kubikzentimetermotorrädern bestritten, deren Konzept maßgeblich auf den sechsmaligen Speedway-Weltmeister Tony Rickardsson zurückgeht.
Nach der Austragung im dänischen Vojens kehrte die Meisterschaft in diesem Jahr auf die Skrotfrag Arena in Målilla zurück. Fahrer aus zehn Nationen gingen an den Start. Rund 1.200 Zuschauer säumten die Zielgerade – eine außergewöhnliche Kulisse für eine Nachwuchsveranstaltung dieser Altersklasse.
Sportlich entwickelte sich das Finale zu einem echten Krimi. Nach den 20 Vorläufen lagen Blake Schlein und Simon Jul Vindum mit jeweils 14 Punkten gleichauf. Im direkten Duell des letzten Durchgangs hatte Vindum noch die Nase vorn und erzwang damit den entscheidenden Finallauf um den WM-Titel.
Ich habe mich in den Schatten gesetzt und versucht ruhig zu bleiben. – Blake Schlein
Dort schien zunächst alles für den Dänen zu sprechen. Vindum gewann den Start und führte das Rennen an, verlor jedoch wenig später die Kontrolle über seine Maschine und stürzte. Die Rennleitung schloss ihn aus, sodass Schlein den Titel kampflos übernehmen konnte.
Für den jungen Australier ist es der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Der Neffe des früheren australischen Nationalfahrers und Britischen Meisters Rory Schlein zeigte sich nach dem Triumph entsprechend überwältigt: „Das fühlt sich einfach unglaublich an. Weltmeister zu sein, ist etwas ganz Besonderes.“

Vor dem alles entscheidenden Stechen habe er versucht, die Anspannung möglichst auszublenden: „Ich habe tief durchgeatmet, mich im Schatten hingesetzt und versucht, ganz ruhig zu bleiben, bis es losging.“
Für Vindum überwog trotz der Enttäuschung der Stolz über die Silbermedaille. Wie es zum Sturz kam, konnte sich der Nachwuchsfahrer aus Herning unmittelbar nach dem Rennen selbst nicht erklären: „Ich freue mich über Silber, aber natürlich bin ich enttäuscht, dass das Stechen so geendet hat. Plötzlich ist das Hinterrad einfach weggerutscht und ich bin gestürzt. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr noch einmal bei der SGP4 dabei sein kann.“
Auch der Kampf um Bronze musste im Stechen entschieden werden. Der Australier Ryleigh McGregor und der schwedische Lokalmatador Theo Trofast hatten die Vorläufe punktgleich mit jeweils zehn Zählern beendet.

McGregor schien seine Medaillenchancen im Entscheidungsrennen bereits verspielt zu haben, als er in der zweiten Runde heftig in die Airfence einschlug. Doch der Australier behielt die Kontrolle über seine Maschine, konnte einen Sturz vermeiden und verteidigte die Führung bis ins Ziel. Damit komplettierte er gemeinsam mit Landsmann Schlein den australischen Doppelerfolg auf dem Siegerpodest. „Ich hatte riesiges Glück, dass ich das Motorrad nach dem Einschlag überhaupt noch halten konnte“, seufzte McGregor. „Über Bronze freue ich mich riesig. Ich war eigentlich schon überzeugt, dass Theo mich noch abfangen würde und ich es voll versaut hätte.“
Levi Pentzek, der einzige Deutsche im Feld, startet mit zwei letzten Plätzen, steigert sich dann aber beharrlich und schließt mit zwei zweiten Rängen ab, darunter auch ein Mal hinter McGregor und Theo Trofast. Am Ende steht für Pentzek vom MC Güstrow Rang 12 zu Buche.



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