„Über dieses Rennen reden wir gar nicht mehr“
- Norbert Ockenga
- vor 18 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Warum einer der weltbesten Eisspeedwayjunioren nur dank einer Wildcard in der WM dabei ist.
Das ist nur so gerade eben noch Mal gutgegangen. Sebastian Reitsma kriegt dank Netz und doppelten Bodens doch noch seine Chance in der Eisspeedway-WM: Der 19-Jährige aus der Nähe von Leeuwarden erhielt eine der beiden Dauergaststartereinladungen für die Grands Prix in Inzell und Heerenveen zugesprochen.
Reitsma war im Geiste aller Auguren eigentlich für einen direkten Einzug in die WM 2026 gesetzt – doch schrammte in Örnsköldsvik am Sonntag mit Endrang 9 um eine Position an diesem Minimalziel vorbei. „Meine Schulter hat noch immer nicht so mitgespielt wie sie sollte“, blickt der Niederländer mit ein paar Tagen Abstand auf die Schlappe zurück. „Sie tut immer noch weh. Im Alltag kann ich mich ganz normal bewegen, ohne dass ich irgendwas spüre. Aber wenn ich auf der Maschine sitze, merke ich, dass mich die Verletzung noch behindert.“
Als dann das Qualifkationsrennen von Örnsköldsvik auch noch mit einem technisch bedingten Rückschlag begann, fand sich der Sieger des prestigeträchtigen Roloef-Thijs-Pokals im Kallehov früh mit dem Rücken zur Wand: „Im ersten Lauf hat die Kupplung gerutscht. Wir haben danach neue Reibscheiben eingebaut.“
Im Alltag kann ich mich ganz normal bewegen, aber auf der Maschine merke ich die Verletzung. – Sebastian Reitsma
Das löste zwar den mangelnden Kraftschluss – nicht aber die Schulterprobleme. „Wenn man in die Kurven reinfahren muss, dann muss man Druck auf den Lenker ausüben.“ Und genau das sei ihm wegen der Schulter nicht gelungen, sodass er die Maschine nicht in der idealen Schräglage hätte halten können. Stattdessen sei sie schon vorm Scheitelpunkt immer wieder emporgeschnellt, hätte sich aufgerichtet – und dann fällt eine Eismaschine aus dem optimalen Wirkungsgrad der Spikes heraus und wird zu langsam.
Genau wie ein Rennwagen mit Venturi-Unterboden und Flügeln, der nicht schnell genug gefahren wird, damit die aerodynamischen Bauteile überhaupt zu wirken beginnen können, darf man auch auf der Eisspeedwaymaschine eine gewisse Mindestgeschwindigkeit und Schräglage nicht unterschreiten.

Reitsma kämpfte sich zwar immer wieder in die Nähe der Qualifikantenränge, schob sich in Blitztabellen sogar phasenweise vor Luca Bauer und Max Niedermaier, doch die beiden Bayern konnten den Rotschopf im letzten Block wieder hinter sich lassen. „Wir haben uns zwar schon vor Ort Gedanken und Hoffnungen gemacht, ob ich eine Wildcard kriege – aber sicher sein konnten wir uns da nicht“, gesteht Reitsma. „Jetzt sind wir natürlich erleichtert, dass ich sie bekommen habe. Und inzwischen reden wir auch gar nicht mehr über dieses Rennen – sondern konzentrieren uns voll auf die nächsten Wochenenden.“
Reitsma bleibt noch bis zum Wochenende in Schweden, bestreitet dort den vorletzten Lauf zum Supercup in Gävle, kann aber das Finale in Bollnäs am 8. Februar schon nicht mehr mitmachen: „Mein Vater muss Montag wieder zur Arbeit.“
Dass seine Schulterverletzung nicht doch umfangreicher sei als zuerst angekommen, dessen ist Reitsma sich trotz der Schmerzen von Ö’vik sicher: „Ich war zwar nicht beim Arzt. Aber ich habe in Schweden regelmäßig Massagen bekommen. Und die Masseuse hat festgestellt, dass da nichts gebrochen ist – sondern dass ich nur eine fette Muskelprellung davongetragen haben.“



Kommentare