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„Bei Schmerz wird in mir irgendwas freigeschaltet“

Celina Liebmann lässt in ihrem neuen Blog die vielen Facetten vom Liga Nord-Rennen von Moorwinkelsdamm Revue passieren.


Wow. Dieses Heimrennen bot alles, was den Speedwaysport so spannend und vielschichtig macht. Bei der Veranstaltung der Liga Nord in Moorwinkelsdamm passten Bahndienst und -verhältnisse, Taktik und Überholmöglichkeiten und -manöver optimal zusammen.


Dass auf der Bahn in Friesland richtig was gehen würde, hat sich schon im Training abgezeichnet. Nicht nur das reine Training war sehr gut – sondern auch die Zusammenarbeit mit dem Bahnmeister. Nach dem Training war jeder zufrieden mit den Bahnverhältnissen. Es war Feuchte in der Bahn. Die Bahndienstleute haben die Bahn trotz tagelanger knalliger Sonne gut präpariert. Sie haben es geschafft, Feuchte wirklich auch in den Untergrund zu bringen – und nicht nur obendrauf.


Leider haben sie es dann vor dem ersten Lauf mit dem Wasserwagen übertrieben. Dadurch wurde die Bahn sehr tief und schwierig für den ersten Durchgang. Aber man kann mit dem Bahndienst von Moorwinkelsdamm gut reden. Da gibt es nicht einfach nur einen Bahnmeister, der sein Ding macht – sondern er hört auf die Wünsche und Ansichten der Fahrer und versucht, die dann auch umzusetzen.


Wir haben mit den Bahndienstleuten gesprochen und erklärt, dass die Bahn wieder einfacher zu fahren wird. Die Bahn ist dann viel besser geworden. Sie haben die Bahn gut wieder hingebracht.


Es ging nicht nur darum, dass jeder fahren und Spaß haben darf. – Celina Liebmann

Unser Ziel war, das Rennen zu gewinnen. Es war klar: Nur so haben wir eine Chance auf den Titel. Im letzten Rennen treffen wir nicht direkt auf Güstrow, also mussten wir die Güstrower auf unserer Heimbahn in Moorwinkelsdamm schlagen – um dann im Fernduell den Titel klarzumachen.


Im Vergleich zum letzten Durchgang haben wir unser Team, die Frisian Lions, wieder aufgestockt. Thies Schweer war in Meißen nur deshalb nicht dabei, weil er an dem Wochenende in Lissa im Juniorencamp war. Thies Schweer und Carl Wynant teilen sich de facto die Position 3. Fürs Heimspiel hatten wir jetzt Thies Schweer auf Reserve gesetzt.


Aber uns im Team ist es immer klar: Der Reservefahrer kommt nicht nur zum Schauen, sondern kriegt auf jeden Fall seine Einsätze.


Habe als Käpt’n schon vorab mit unserer Teammanagerin Anja Baldermann besprochen, wann wir Thies einsetzen. Er kam gleich im ersten Durchgang für Carl – und hat den gewonnen. Weil ich mit der nassen Bahn im ersten Durchgang nicht klarkam, habe ich gesagt: „Ich setze im zweiten aus.“ Da durfte Thies für mich fahren – und ist Dritter geworden.


Aber dadurch mussten wir ab sofort taktisch denken. Normal darf er jeder Mal ran. Aber für uns ging es um richtig viel. Wir wollten unbedingt gewinnen; es ging nicht nur darum, dass jeder Mal fahren und ein bisschen Spaß haben darf. Deswegen musste Carl Wynant noch Mal aussetzen; Thies Schweer hat im letzten Lauf verzichtet.


Moorwinkelsdamm gewann zuhause, weil fahrerisch und taktisch alles passend gemacht wurde. Foto: Speedphoto Klaus Goffelmeyer/MSC Moorwinkelsdamm
Moorwinkelsdamm gewann zuhause, weil fahrerisch und taktisch alles passend gemacht wurde. Foto: Speedphoto Klaus Goffelmeyer/MSC Moorwinkelsdamm

Und auch auf der 500R-Position haben wir taktiert. Für Jan Oeltjenbruns war klar vorgesehen, dass er sich vor heimischen Publikum auch zeigen und beweisen kann. Er wohnt ja nur acht Kilometer von der Bahn entfernt. Er hat sich auch stark präsentiert. Er hatte einen guten Start und wäre beinahe Zweiter geworden. Da hat nicht viel gefehlt. Dominic Hamminga ist auf der 500R aber eine unglaubliche Bank. Wie der sich in der ersten Kurve immer gegen Magnus Rau von unserem Hauptgegner Güstrow durchgesetzt hat – das war kein Kinderspiel. Er ist ein wahnsinniges Talent.


Von der Taktik her haben wir das Rennen perfekt aufgeteilt und umgesetzt. Wir haben die Strategie sehr gut im Griff gehabt. Güstrow hatte zwar nur vier Fahrer mit, aber in Hannah Grunwald, Carlos Gennerich und 500R-Fahrer Magnus Rau drei, die am Ende punktgleich waren. Und Erik Pudel war auch nur um zwei Zähler schlechter. Die Torros waren also unheimlich homogen – und für uns entsprechend schwer zu schlagen. Dass wir taktisch so gut agiert haben, war vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage um so wichtiger – und entscheidend für unseren Heimsieg.


Ich bin mit meiner Leistung insgesamt zufrieden. Jonny Wynant war mit seinen 13 Punkten nicht nur bei uns, sondern insgesamt der Punktbeste, dann kam Dominic Hamminga mit 12. Ich habe einen Lauf gewonnen, wurde ein Mal Zweiter – und hätte auch im letzten Heat gewinnen können.


Deswegen bin ich von letzten Lauf schon ein bisschen enttäuscht. Im B-Finale gab es gleich einen Sturz auf der Gegengeraden. Ich habe auf der Geraden nur Hannah Grunwald vor mir gesehen – und auf ein Mal einen Lenker in meinem rechten Bauch gespürt. Leon Arnheim wollte wohl noch zwischen der Bande und mir durch und ist dabei zu Fall gekommen. Ich hatte Schmerzen, war kurz am Überlegen, ob ich das Finale noch fahren kann. Ich konnte kaum mehr auftreten, der Schmerz ist mir vom Bauch in die Leiste reingezogen. Meine komplette rechte Seite und der Bauch sind blau.


Aber das ist irgendwie typisch Ich: Wenn ich Schmerzen habe, wird in mir irgendwas freigeschaltet – und dann hau’ ich richtig einen raus. Ich habe einen Bombenstart von Weiß rausgehauen und war lange vorne. Ich habe dabei aber – genau wie mein Papa von außen auch – schon gemerkt, dass es von Runde zu Runde schlechter wurde. Ich konnte keinen Druck mehr rechts reinbringen. Und habe das Rennen dann um ein paar Millimeter auf der Ziellinie noch gegen Hannah Grunwald verloren.


Man müsste Schiedsrichter André Haltermann Mal fragen, um wie viele Millimeter es sich dabei konkret gehandelt haben soll. Wir waren der Meinung, ich war vorne; alle haben mich als Siegerin abgefeiert, aber der Schiedsrichter hat das anders gesehen. Sei’s drum. Es ist halb so wild. Denn wir haben trotzdem gewonnen – mit 46:42 vor Güstrow.


In der Tabelle liegen wir jetzt punktgleich mit Güstrow auf Rang 2, weil die Güstrower 132 Heatpunkte haben – das sind 10 mehr als wird. Es wird also in den letzten Rennen noch unheimlich spannend. Wir versuchen alles, das Rennen in Wolfslake auch zu gewinnen. Wir würden unheimlich gern Meister werden – und durch den so facettenreichen Heimsieg haben wir uns da auch in eine sehr gute Ausgangslage gebracht.

 
 
 

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